Dieser Oktober überrascht mich mit toller Musik: erst Keith Jarrett mit
Testament Paris/London, dazu gab es wohlwollende bis emphatische (“Die rechte Hand Gottes”) Kritiken zum, wie man auch lesen kann, gar nicht so überragenden Berliner Konzert, letzten Montag.
Seit einiger Zeit entwickele ich eine Affinität für Vokales, konkret: Sopran. Wie bei Jarrett begeistert mich das Artistische, hier eben die Stimmakrobatik. Es ist einfach erstaunlich anzuhören, was Spitzensopranistinnen an Dynamik und Stimmgewalt aufbieten, um zum Beispiel neapolitanische Opernarien des 18. Jahrhunderts darzubieten. Ein Blog-Tipp brachte mich auf die
Lava-Spur von Simone Kermes. (Das Sony-Design beleidigt zwar mein ästhetisches Empfinden: billige Plastik, billige Fotos – unvorteilhaft mit Photoshop glatt getrimmt, aber manchmal muss man über seine Grenzen gehen.) Es lohnt sich!
Von ganz anderem Kaliber ist die Aufmachung von und das Konzept hinter Cecilia Bartolis
Sacrificium! Für das gleiche Geld gibt es eine wahre Luxusedition, die CD samt Bonus-CD in einem aufwändig gestaltetem und ausführlichem “Buch”.
Sacrificium hat offensichtlich Projektcharakter, man schaue sich nur die
Website an.
In den Feuilletons erscheinen derweil ausführliche Artikel zur Kulturgeschichte des Kastrierens. Die Kastration erfolgte in Europa ganz sicher nicht zum Wohle der Opfer, aber im Interesse der Stimme, des reinen Klanges, der Wirtschaftlichkeit der Ausbildung, nicht zuletzt auch im Interesse der Kirche. Anderswo war die Kastration Voraussetzung, um am Hofe arbeiten zu dürfen. (Siehe dazu zum Beispiel diesen Text:
Ein tiefer Schnitt für den Wohlklang.)
Und wirklich, unabhängig von diesem Hintergrund, auf
Sacrificium ist Erstaunliches zu hören. Die Soundschnipsel im Web sind zwar ganz nett, aber ob diese, über PC-Quäker gehört, zum “Anfixen” ausreichen? Das bezweifle ich, da müssen richtige Boxen her, der Regler gehört weit aufgedreht!
Leider macht einem
Sacrificium und das, was man über die menschliche Stimme in diesem Zusammenhang lesen kann, auch die begrenzte Zeit deutlich, die Cecilia Bartoli als aktive Mezzosopranistin noch bleibt...