Manchmal versucht Lokalpolitik über den Tellerrand zu schauen, nach den Rockzipfeln der Geschichte zu greifen.
Der Rheinisch-Deutsche Freistaat, besser bekannt als Mainzer Republik, konstituierte sich im März 1793. Da war, nach zunächst als Befreiung empfundener, begrüßter französischer Besatzung, die Revolutionsbegeisterung der Mainzer schon fast verschwunden. Nur 372 Mainzer, etwa acht Prozent aller Wahlberechtigten, beteiligten sich an der Parlamentswahl. 126 Gemeinden, darunter Speyer, Worms und Bingen schickten ebenfalls Abgeordnete ins Mainzer Parlament. Unter ihnen waren radikale Jakobiner und konservative ehemalige Ratsherren. Gleichwohl werden sie heute als die ersten demokratisch gewählten Parlamentarier im Reich bezeichnet. Dieser erste deutsche Demokratieversuch gilt als die Geburtsstunde bürgerlicher Demokratie in Deutschland.
Wie es endete wissen wir. Mainz wird von preußischen, sächsischen, österreichischen, hessischen Truppen umzingelt, belagert, in Brand geschossen. (
Goethe war dabei.) Die unterlegenen Franzosen ziehen ab. Nachdem das Gebiet wieder zum Reich gehört, wagt sich auch der Erzbischof Erthal aus seiner Zweitresidenz Aschaffenburg zurück. Während in Frankreich die Revolution in die blutige Diktatur des Wohlfahrtsausschusses umkippt, werden verbliebene deutsche Republikaner für Jahre inhaftiert; die Revolution, die nur durch die Franzosen zustande kam, die Revolution, die vor allem von den Intellektuellen getragen wurde, scheiterte. (Das sollte sich wiederholen)
Georg Forster war so einer, in erster Reihe. Der Geograph, Naturforscher und Literat, der mit James Cook die Welt umsegelte, der vom Erzbischof zum Leiter der Universitätsbibliothek Berufene war Vorsitzender des Mainzer Jakobinerklubs, später Vizepräsident des Parlaments und Überbringer der “Reunionsadresse” an das französische Parlament.
Auf den heutigen Straßen und Plätzen in Mainz erinnert sehr zu meiner Verwunderung nichts, kein Denkmal, kein Straßen- oder Platzname, wahrscheinlich auch keine Gedenktafel an das bedeutende Ereignis oder an Georg Forster.
Doch das könnte sich im kommenden Jahr ändern. Der Ortsbeirat Altstadt hat sich am 28.10.2009 fraktionsübergreifend und einstimmig für die Umbenennung des Deutschhausplatzes und des Ernst-Ludwig-Platzes in “Platz der Mainzer Republik” ausgesprochen (
Bericht). Auch aus dem Landtag kommt
Unterstützung, sogar ein Georg-Forster-Denkmal soll es geben.
Auf einmal sind alle dafür. – Besser spät, als nie. Genau
wie im Falle Gutenbergs.
UPDATE:
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