Archiv für ‘Hochschule’

Juni 17th, 2014

Life Sciences — Life Writing

Heute war die Auftaktveranstaltung des Graduiertenkollegs »Life Sciences — Life Writing« an der Unimedizin Mainz. Siri Hustvedt las aus »The Blazing World« und sprach über ihr fiktionales und non-fiktionales Schreiben. Carl Djerassi — der ursprüngliche Anlass, die Veranstaltung zu besuchen — erklärte humorvoll seine (spätere) Hinwendung zum Schreiben, zu Science-in-fiction usw. (Er bekam dann auch seine etwa 32. Ehrendoktorwürde von den Medizinern für das literarische und dramatische Schaffen.)

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Januar 25th, 2012

Aus dem g+-Universum (2) oder University 2.0 – bottom up or not at all

Einige spannende Posts mit teils zahlreichen Kommentaren und weiterführenden Links aus meinem Stream bei Google+ seien hier dokumentiert.

Erneut, weil inzwischen mehr Kommentare enthaltend, der Post von Gunter Dueck über Gegenwart und Zukunft virtueller Universitäten (22.12.2011).

Er spitzt zu: die etablierten Hochschulen sind zu Innovation in der Lehre nicht in der Lage, deren Versuche sind ohne Biss, hilflos. – Ich sehe Einzelbeispiele, die das stützen, denke, er hat Recht.

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Dieser Thread wurde übrigens ursprünglich von Frank Krings angestoßen, auch dort geht die Diskussion weiter. Er fragt in einem anderen Post, auf Apples Initiative abhebend: Kommt jetzt vor der YouTube-University die iTunes University?

Der Research-Professor @ Stanford Sebastian Thrun hat nach den positiven Erfahrungen mit seinen online-Kursen seinen Tenure Track aufgegeben (Jedenfalls sagt er das in diesem Vortrag auf dem DLD 2012) und baut jetzt Udacity.com auf.

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Christoph Kappes: Ich lese immer folgenden Satz “Transparenz schafft Vertrauen”. Stimmt der? (04.01.2012)

Juni 20th, 2009

Anmerkungen zu Dahrendorf

Zwei kurze Anmerkungen aus Anlass des Todes von Ralf Dahrendorf in der zu Ende gehenden Woche, mit Bezug zur Diskrepanz zwischen der medialen Huldigung einerseits sowie der Ignoranz gegenüber den von ihm vertretenen Ideen andererseits.

1. Auch mit sprachlicher Verwirrung hat es zu tun, dass man in Dahrendorf einen großen Liberalen ehrt, die Denkrichtung Liberalismus aber alltäglich und fast überall denunziert. Während das Sozialdemokratische und das Konservative in beiden größeren Parteien sich munter durchmischt und kaum noch auseinanderzuhalten ist, leugnen das die Protagonisten mit einer kaum unterdrückten Tendenz zum Lagerwahlkampf. Einig ist man sich aber im verbalen Einschlagen auf den Liberalismus, wobei man den 1938 unglücklich gewählten Namen einer der Strömungen zum politischen Schlagwort umfunktioniert hat, alles in einen Topf wirft, ohne eine Ahnung zu haben, was es eigentlich bedeutet. (Und damit nebenbei die eigene Geschichte nach ’45 herabwürdigt.) “Neo” ist einfach schlecht, wir wissen das von anderen Ismen mit dieser Vorsilbe. – Ach, wenn diese Dummschwätzer doch wenigstens Wikipedia-Bildung hätten!

2. Dahrendorf ist während seiner Konstanzer Zeit auch einer der Architekten des “Hochschulgesamtplanes” gewesen. Er plädierte schon damals dafür, ein “Bakkalaureus” genanntes 6-semestriges Kurzstudium einzuführen. – 40 Wochenstunden Workload, Übergang zum “Langstudium” nur bei guten Prädikaten, Doktor-Studium, frühere Einschulung, kürzere Schulzeit, früherer Übergang ins Berufsleben usw., alles begründet mit den gleichen oder ähnlichen, durchaus plausiblen Argumenten, die man heute noch für den Reformprozess hört. – “Verblüffende Visionen vor 40 Jahren” titelt der SpOn seine spannende Zeitreise. Das was man dort Kluges lesen kann, dürfte Wasser auf die Mühlen mancher Bildungsstreiker und naiver Humboldt-Anbeter sein: wussten sie’s doch schon immer , dass die Neoliberalen Schuld an ihrem Dilemma sind.

Juni 12th, 2009

Auf’m Campus #18 (Bildungsstreik 2009)

Kommende Woche ist bundesweit Bildungsstreik 2009. In verschiedenen Städten werden Studierende gemeinsam mit Schülern, Auszubildenden und Lehrkräften gegen die Missstände im Bildungswesen streiken oder mit anderen Mitteln protestieren. Auch der AStA der Hochschule Darmstadt macht mit, ‘mal sehen, wie viele Studenten nicht nur frei haben wollen. Gelbe Woche ist angesagt, die Flyer, Post-Its, Poster, Losungen usw. – alles Gelb.

Eben habe ich »Blutige Erdbeeren« (»The Strawberry Statement«) gesehen. Der Film ist fast 40 Jahre alt, spielt in San Francisco, zeichnet aber die 1968er Studentenrevolte an der Columbia University von New York nach. Akteure, Parolen, Muster – hat sich grundlegend etwas geändert? An der Oberfläche war’s damals scheinbar viel politischer. Vietnam und so. Vergleichbares interessiert unsere Studenten heute nicht, jedenfalls kanalisiert es sich nicht so. Heutige Studierende bzw. die Aktivisten unter ihnen, so der Aufruf, streiken für freie Bildung (und meinen zumeist: frei wie Freibier), weniger Leistungsdruck, weniger Prüfungen, weniger Verschulung des Studiums, keinen direkten Bezug zur Wirtschaft zum Leben da draußen, keine Gebühren usw.. Kaum hört man den Ruf nach angemessener Finanzierung der Schulen, Hochschulen, aller Bildungseinrichtungen.

Ich hoffe nicht auf eine zum Film vergleichbare Eskalation des Bildungsstreiks, auch wenn die Bildungspolitiker etwas Dampf unter’m Hintern vertragen können.

Den Film gibt’s auf DVD. Auch er bildet.

Juni 3rd, 2009

Auf’m Campus #17 (Die neue Bleibe)

   

   

Das sieht doch schon gut aus für den Umzug in den Semesterferien! – Das Hochhaus wird die nächsten Jahre saniert, das Ausweichquartier gerade um- und ausgebaut. (Klick auf’s Bildchen!)

Mai 4th, 2009

Auf’m Campus #16 (Was ist Bildung?)

Der AStA startet morgen mit einer Ringvorlesung zum Thema “Was ist Bildung?”, der Untertitel ist “Was heißt und zu welchem Ende studiert man … ??” – Der Untertitel klingt etwas sperrig, einige der Themen an den nächsten acht Dienstage sind aber sehr interessant. (Klick auf’s Bildchen vom Plakat.)

“Jeder Student und jede Studentin haben ein notwendiges Interesse daran, nicht nur zu wissen, was die Hochschule zum Zweck hat, sondern auch, auf welcher Theorie dieser Zweck steht. Schließlich stehen auch sie vor der Frage, was ist Bildung und was heißt es, zu studieren?”


April 20th, 2009

Humboldt in Bologna?

Bologna ist der namengebende Ort für einen europäischen Prozess, der die Hochschullandschaften radikal verändert (hat): Umstellung auf Bachelor / Master, studienbegleitende Prüfungen, Credit Points, Konzeption der Studiengänge vom Workload her, Ausrichtung auf die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, auf “employability” sowie schließlich ein etwas merkwürdiges qualitätssicherndes Akkreditierungssystem. Wilhelm von Humboldt prägte Anfang des 19. Jahrhunderts die klassische deutsche Universitätsidee, wozu auch die Rede von der “Einheit von Forschung und Lehre” gehört. Der Bologna Prozess soll dafür sorgen, dass die Hochschulen dem Umstand Rechnung tragen können, dass heute weitaus mehr Studenten einen Abschluss begehren als noch in den 60er Jahren1), vor allem um im späteren Berufsleben eine größere Chance zu haben. Hinter Humboldt verschanzen sich die Bewahrer einer alten elitären Idee, die funktioniert hat, als man noch weitgehend “unter sich” war, als fast nur Kinder aus bildungsbürgerlichem Hause studierten, vornehmlich um im Bildungswesen Berufskarriere zu machen, als die kulturelle Hegemonie des Bildungsbürgertums noch ungebrochen war.

Der Soziologe Uwe Schimank entlarvt in einem ausführlichen, lesenswerten Diskussionsbeitrag den Streit Bologna vs. Humboldt als Interessenskonflikt zwischen gesellschaftlichen Gruppen: “Humboldt: Falscher Mann am falschen Ort”.

Zusammengefasst: Humboldt lieferte die Ideologie derer, die ihren gesellschaftlichen Statuserhalt als relativ privilegierte Gruppe sichern wollten; Bologna hingegen ist die Ideologie derer, die sozialen Aufstieg durch akademische Bildung bewerkstelligen wollen. Doch dieser Konflikt ist bis heute von den ihn austragenden gesellschaftlichen Gruppen ebenso wie von den sie repräsentierenden politischen Kräften weitgehend unthematisiert geblieben. Man hat von Anfang an so getan, als gebe es ihn gar nicht.

Nebenbei kennzeichnet Schimank übrigens die Rede von der “Einheit von Forschung und Lehre”, dieses oft bemühte Humboldt-Ideal, als Euphemismus: niemand war an guter Lehre interessiert, weder die Professoren noch die Studenten. Unverständlichkeit etc. galt als Zeichen von Wissenschaftlichkeit, stärkte das Zugehörigkeitsgefühl, hatte systemerhaltende Funktion.

Wieder spricht also ein Soziologe mit demokratischem Gesellschaftssinn über die Hochschulreform; vor etwas über einem Jahr las und zitierte ich hierzu schon Dirk Baecker zur “nächsten Hochschule”2).

Pragmatiker sagen zum Bologna Prozess übrigens: nur kein roll back, aber ein paar Jahre Ruhe zur Konsolidierung sind unabdingbar!

1) 1966, in dem Jahr als die Beatles ihr letztes Konzert in den USA gaben, begann der Wissenschaftsrat eine Hochschulreform zu fordern. Mit dem Bologna Prozess wurde etwa 30 Jahre später diese gestartet.
2) Dirk Baecker, Studien zur nächsten Gesellschaft, Suhrkamp, stw1856, 2007, S. 98-115


Januar 20th, 2009

Auf’m Campus #15 (Humboldts Erben?)

Heute sah ich im Studentischen Service Center eine Fotoausstellung von Nina Pieroth: Humboldts Erben. Die Bilder sind bzw. gehören zu ihrer Diplomarbeit hier an der Hochschule (FB Gestaltung, Lehrgebiet Fotografie).

Die Fotos finde ich nicht schlecht, die Triptychon-Idee interessant; man kann sie sich auch auf ihrer Website ansehen.

In der Ausstellung hängen neben den Fotos Statements der Porträtierten, die allesamt Studierende jenseits des 20. Fachsemesters (überwiegend Uni Frankfurt, vermutlich) sind. Alle sehen sich nicht mehr gerne als Studenten, haben innerlich damit abgeschlossen, wollen eigentlich nur noch irgendwie einen Abschluss.

Wie man auch zum Humboldtschen Ideal damals und heute stehen mag: sind das seine typische Erben?