China und das Klima

Eine kurze Notiz zu einem Buch, das ich selbst nicht gelesen habe – nur die ausführliche Rezension von Reinhard Löser im SdW 4/09, S.105-106. Xuewu Gu und Maximilian Mayer, ein Regionalwissenschaftler und ein Politökonom von der Ruhr-Uni Bochum, haben “Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?” geschrieben. Abgesehen davon, dass der Rezensent das Buch als “Lese-, Sach- und Abenteuerbuch” bezeichnet, und es “fabelhaft zu lesen” findet, soll es seiner Meinung nach wegen der “belastbaren internationalen Quellen und unsereinem unzugänglichen chinesischen Originalquellen” “keinen Raum für Zweifel an der Datenlage” lassen. Was kommt ‘raus, auch wider “amerikanischem Verfolgungswahn”?:

China hat, dank der dauerhaft (?) zweistelligen Zuwachsraten seiner Industrieproduktion inzwischen im Energieverbrauch in Öleinheiten gemessen alle anderen Länder – bis auf die USA – abgehängt. Zwar kann das Meiste (90%) durch eigene Ressourcen gedeckt werden, aber beim Öl, da wird die Lücke größer. Wird China deswegen, wie oft unterstellt, auf aggressive Einkaufstour gehen? Wie wird der Energiebedarf anteilig befriedigt?:
• 2/3 des Energiebedarfs wird derzeit durch einheimische Kohle gedeckt, China ist der größte Kohleproduzent der Welt. (Was das für die Umwelt bedeutet, ahnen wir.)
• 7% des Energiebedarfs wird durch Wasserkraft gedeckt, bei Strom sind es gar 20% (wieder Weltspitze).
• Der Anteil von Erdöl am Energieaufkommen beträgt 25%, wobei nur die Hälfte davon durch einheimische Vorkommen gedeckt ist.
China ist mengenmäßig der drittgrößte Erdölimporteur (nach den USA und Japan, vor Deutschland und Frankreich). Wo kommt das her?

China vermeidet den konfliktträchtigen Nahen Osten, findet seine Partner hauptsächlich in Staaten, die sich wirtschaftlich und auch politisch vom Westen abgrenzen: Russland, Iran, Angola, Sudan, Venezuela zum Beispiel. (s.a. Shanghai-Connection) Diese geostrategisch relativ ausgeglichene Ölimportstruktur stößt auf Argwohn der USA und des Westens. (Es sei dahingestellt, ob sich diese Einschätzung mit der Obama-Administration ändert.)

China ist nach den USA zweitgrößter Emissionär von CO2, für 15% des Ausstoßes verantwortlich, und will sich nicht auf eine Reduzierung festlegen lassen. Doch, so die Autoren, China hat sehr wohl ein Programm, die ineffizienten Dreckschleudern nach und nach außer Betrieb zu nehmen. Die Senkung der Umweltbelastung stünde ganz oben auf der Agenda der Partei- und Staatsführung. Neuinstallierte Kraftwerke hätten einen Wirkungsgrad von bis zu 38%, was selbst den Westen mit seiner langen Industriegeschichte neidvoll aussehen ließe. Auch soll Kohle über Verflüssigung zu chemischen Produkten veredelt werden, was Ölimporte reduzieren soll. (Mir hat vor vielen Jahren ‘mal ein Kollege erzählt, dass man aus Erdöl handelsübliche Butter machen könne; es sei nur zu teuer. Das war noch im Ölboom, vor der zweiten Ölkrise.)

Das hat mich aber wirklich erstaunt: der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch soll in China genauso groß sein wie in Deutschland! Die rund 8% will man bis 2020 verdoppeln. China hat heute 2/3 der weltweit installierten Solaranlagen, produziert und exportiert selbst Photovoltaikanlagen. Die Energiegewinnung durch Wasserkraft wird weiter ausgebaut, Windkraftanlagen, Biomasseverwertung, Wellen- und Gezeitenkraftwerke werden geplant. – Ganz pragmatisch und nahezu ideologiefrei soll die Umweltverschmutzung eingedämmt werden und gleichzeitig der Lebensstandard in den abgelegenen Regionen (Standorte) steigen.

Die Quintessenz des Buches soll sein, dass sich die Weltgemeinschaft “keinen Planeten ohne China basteln kann”, dass Vorwürfe und Schuldzuweisungen nichts bringen, dass Technologietransfer gefragt sei, um den Energiehunger in China zu stillen.

Wenn ich mich recht erinnere, war Frau Außenministerin Clintons erster Besuch nach Amtsantritt in China. – Den Tatsachen geschuldet?


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