Dieses Jahr war Wandern in der Region angesagt: 6 Tagesetappen Mitte September auf dem Saar-Hunsrück-Steig waren vorgesehen, von Orscholz (an der Saarschleife) über Kell am See (im Hochwald) nach Trier (an der Mosel) ging die Tour.
Es war ein Versuch, ob man in einem deutschen Mittelgebirge genauso längere Strecken / mehrere Tage wandern kann, wie wir es in Irland, Schottland, Norwegen taten: ohne vorab zu buchen einfach losgehen und am Zielort eine geeignete Übernachtung finden. Und das, wo wir ja hierzulande keine B&B-Kultur haben, stattdessen die Schilder “Fremdenzimmer” unverwüstlich zu sein scheinen. Auch hatte man uns gewarnt, dass man schmutzige Rucksack-Wanderer nur für eine Übernachtung nicht gerne aufnähme. – Dieses Experiment ist geglückt, wir sind von der Gastfreundschaft im westlichen Hunsrück überzeugt worden.
Ansonsten gab es “Wald satt”, soviel, allerdings nicht so abwechslungsreichen, hatte ich das letzte Mal in meiner Kindheit. Obwohl, man hört fast überall den Autoverkehr, obwohl die Gegend ziemlich dünn besiedelt ist.
Der Saar-Hunsrück-Steig ist ein so genannter Premiumwanderweg; das Ranking-Unwesen greift auch hier. Somit war die Wegführung fast durchgängig ambitioniert, mitunter aber auch stark albern, wenn “Erlebnispunkte” generiert werden sollten.
Einige Fotos & und ein paar Erläuterungen…
0. Etappe: Anreise mit der Bahn von Mainz via Bingen, Bad Kreuznach, Saarbrücken, Mettlach nach Orscholz
Übernachtung in der Pension Dreiländereck
Die Zugfahrt durch das Nahe-Tal ist ob der Felsen, ob des Canyon-artigem beeindruckend!
Abends in Orscholz ging’s noch kurz auf die Cloef, einem Aussichtspunkt über der Saarschleife, die ich nicht am Stück auf den Sensor bekomme.
1. Etappe: Orscholz – Mettlach – Britten
20km, 5 ¾ Stunden, Steigung gesamt etwa 550m, Gefälle gesamt etwa 520m
Übernachtung in der Pension Zum Jungenwald
Und so sah die Saarschleife im Morgennebel aus:
In Mettlach steht noch ein Bunker aus dem 30er Jahren, Teil des Westwalls:

Wir bewegten uns grenzwandlerisch durch den Wald: dort war nach dem ersten Weltkrieg die Grenze zwischen dem Saargebiet und Deutschland.
Abends in Britten, einem Ortsteil von Losheim am See. Es sollte ab nun und die nächsten beiden Tage andauernd regnen…

2. Etappe: Britten – Losheim am See – Scheiden
18 km, 5 Stunden, Steigung gesamt etwa 410m, Gefälle gesamt etwa 520m
Wir hatten 100% Luftfeuchtigkeit von allen Seiten, auch ziemlich kalt war’s.
Übernachtung im Jagdhaus Leineweber in Scheiden. Auch dieser mit 495m ü. NN höchste Ort des Saarlandes ist ein Teil der Verbandsgemeinde Losheim am See.
Rechts einer von zahlreichen Großparkplätzen in Losheim am See. Da will man in der Saison nicht sein!
3. Etappe: Scheiden – Weiskirchen
17 km, 6 Stunden, Steigung gesamt etwa 390m, Gefälle gesamt etwa 460m
Dauerregen. Und ich hatte meinen Fotoapparat im Jagdhaus liegen gelassen! Zum Glück umkreiste der Weg den Ort Scheiden, und wir kamen fast noch einmal am Quartier vorbei, so waren es nur 2,5 extra km.
Weiskirchen ist auch Premium, exakt: heilklimatischer Kurort Premium Class Weißkirchen. Samstag abend ist in so einem Ort nichts los, man sitzt allein im “Haus des Gastes”. Wir übernachteten privat (Schonarth, Im Hänfert 42).
Es ging über ein Felsenweg genanntes Teilstück des Saar-Hunsrück-Steiges.
4. Etappe: Weiskirchen – Grimburg (OT Grimburger Hof)
17km, 5 ½ Stunden, Steigung gesamt etwa 670m, Gefälle gesamt etwa 630m
Endlich wieder trocken und Sonnenschein, so sollte es bis zum Ende der Wanderung bleiben.
Übernachtung im Grimburger Hof.

Auf der Burg Grimburg (Infotafel):
Wald satt:

5. Etappe: Grimburg – Kell am See – Holzerath
20km, 5 ¾ Stunden
Übernachtung im Berghotel Becker.
Von Grimburg geht es über Keller Steg, dem Abzweig Richtung Idar-Oberstein, Kell am See nach Holzerath.
Im Keller Wald hat die Ruwer ihre Quelle. In diesem Gebiet steht auch der stärkste Baum der Gegend, eine vor 1850 gepflanzte, rund 40m hohe Fichte.

6. Etappe: Holzerath – Riveris – Waldrach – Kasel – Trier
28km, 6 Stunden
Die letzte Etappe ist, wie fast immer, die längste. Die Annäherung an eine Stadt ist immer ziemlich öde, man wird niemals auf dem optimalen Weg zum Endpunkt geführt, sondern immer an allerlei, worauf die Stadtväter stolz sind, vorbei geleitet.
Der Endpunkt der Tour ist im Weinbau-Vorort Olewig. Dort ist im Gegensatz zur gesamten Strecke die Ausschilderung dürftig. Wo die Bushaltestelle ist, haben wir zum Glück richtig geraten.
Wir gönnen uns etwas Wellness, saunieren und logieren in Nells Parkhotel.
So finster war’s also im Hunsrück nicht, die drei Mörder haben wir auch nicht getroffen. Römer auch nicht.
(Mehr nebenan bei fishandchips.)
























Dienstag, 17. Februar 2009 um 19:51
… aber auch dies ist einer der schönen Wanderwege im Saarland: http://tinyurl.com/c3m3rl