Artikel getaggt mit ‘Berlinale’

Februar 21st, 2010

Berlinale-Nachlese

5 Tage Berlinale 2010 sollten 13 Screenings (9 mal Internationales Forum, 3 mal Panorama, 1 mal Berlinale Shorts) bringen – nachdem das Anstehen bzw. Ansitzen an der Vorverkaufs­kasse erledigt war. (Theoretisch wäre für die ersten beiden Tage auch eine Internet­reservierung möglich gewesen. Theoretisch.) In meinen Augen lebt die Berlinale cineastisch vom Forum; der Gegensatz zum Wettbewerb ist zwar politisch nicht mehr unversöhnlich wie vor 40 Jahren, ästhetisch aber nach wie vor evident. Man kann das, was im und um den Berlinale-Palast herum passiert, getrost ignorieren, denn es gibt anderswo genug Spannendes zu sehen. (Die Kritiker von Berufs wegen leiden dafür öffentlich ob des schlechten Niveaus im Wettbewerb.)

Gleich der erste der gesehenen Filme: »El recuento de los daños / The Counting of the Damages« von Inés de Oliveira Cézar aus Argentinien beeindruckte wegen seiner Bildfindungen und des Tones und blieb bis zum Schluss in meiner persönlichen Spitzengruppe.

Auch der im Panorama gezeigte tschechische Film »Kawasakiho RŮŽE / Kawasaki’s Rose« von Jan Hřebejk bleibt in guter Erinnerung. Die Story handelt über die Grenzen von persönlicher und kollektiver Erinnerung und fragt nach Schuld, Vergebung und der Konsequenz für das eigene Tun (Katalogtext). Der wiederum sehr gut fotografierte Film hat das Potenzial zu “großem Kino”!

OR
 L Y

Angela Schanelec zeigte im Forum ihren Film »Orly« – in meinen Augen der beste der gesehenen Filme. Abgesehen von zwei kurzen, einführenden Szenen sowie je einer Taxi-Fahrt am Anfang und am Ende des Films spielt die Handlung ausschließlich im Pariser Flughafen Orly, also an einem der typischen Nicht-Orte (Marc Augé) unserer Zeit. Die Architektur und Zeichensprache der Wartehallen, Cafés, Gepäckkontrollen, Duty-Free-Shops, Rolltreppen – allesamt sind sie global genormte, enthistorisierte, entindividualisierte Räume. (Wobei die riesigen, luftigen Hallen von Orly ästhetisch aus einer besseren Zeit zu stammen scheinen.)

Die Kamera bleibt, dank Teleobjektiv (zur Erinnerung: lange Brennweite, geringe Schärfentiefe), fast immer weit weg von den fokussierten Personen, entnimmt der Menschenmasse einzelne Körper und Gesichter, fokussiert sie im kleinen Schärfenbereich, während um sie herum, in der Unschärfe, das Leben weiter geht. (Und das ist hier tatsächlich so: die Statisten sind keine Statisten, sondern fast immer “echte” wartende Flugreisende, die nichts ahnend in diesem Film “mitspielen”.) Wir sehen so an diesem Nicht-Ort Individuen, hören ihre Gespräche, beobachten ihre Unruhe. Die Bilder und die per Micro-Port vor Ort aufgenommenen Dialoge der zwei, drei oder vier Paare sowie der dazu passende minimal-artige Sound sind ein Fest für die Sinne, man kann sich daran einfach nur erfreuen. (Nur auf den aus dem Rahmen fallenden, “geschwätzigen” Cat-Power-Song hätte Schanelec besser verzichten sollen.)

Die »Orly«-Filmbilder verdanken wir dem Kameramann Reinhold Vorschneider. Und der hat diesen Job auch in Thomas Arslans »Im Schatten / In the Shadows« meisterlich gemacht. Der Film beginnt mit einer tollen, langen Szene, die regennasse Friedrichstraße aus einem Café heraus beobachtend. Und er endet mit einer wiederum tollen Bildfindung, einem langsamen Fade-out hin zur Leinwand ganz in Schwarz. Dazwischen viele gut gefilmte Autofahrten und sehr präzise Bewegungen des Protagonisten Trojan. Optisch ein sehr gelungener Film, die Gangster-Story und die hölzernen Dialoge – darüber breite ich dezent den Mantel des Schweigens.

Was war sonst noch?

Die ganze Berlin-Story, alle gesehenen Filme und der Link zu den neuen Mashup-Trailern gibt es bei fishandchips: Roter Vorhang.

Außer Atem, das Berlinale-Blog vom Perlentaucher.

Querschnitt: Die Querschnitt-Kritikergruppe und Schnitt-Autoren berichten von der Berlinale.

Februar 3rd, 2010

Vorfreude

Das Berlinale-Programm ist ‘raus, das Stöbern, Recherchieren, Planen, Vorbestellen vermuteter Perlen aus dem Forum / Panorama kann endlich beginnen.

Um dann vor Ort doch zu improvisieren.

Februar 5th, 2009

Tilda im Glück

Nettes Portrait von Tilda Swinton in Augsteins neuem Freitag, vom Guardian übernommen.

Und ein kleines Interview mit ihr in der Zeit.

Schließlich beginnt heute die Berlinale.

Januar 3rd, 2009

Präsidentinnen

Was bedeutet das für die Qualität der gezeigten Filme, wenn meine beiden Lieblingsschauspielerinnen Jury-Präsidentinnen zwei der wichtigsten Film-Festivals des Jahres werden? (Tilda Swinton bei der Berlinale, Isabelle Huppert später dann in Cannes.)

Nichts. Die Filme suchen andere aus. Die Jury bewertet und prämiert das Gezeigte. Die Präsidentinnen präsidieren – dazu gehört auch aufzupassen, dass nicht zu viele Jury-Mitglieder zurücktreten.

Februar 18th, 2008

Berlinale 2008

Fünf Berlinale-Filme habe ich noch geschafft: gestern die unvergleichliche Tilda Swinton als Julia in Eric Zongas gleichnamigem Road Movie, Showdown in Tijuana. Das war, wegen Tilda, der einzige Wettbewerbsfilm – nicht nur in diesem Jahr, sondern seit meinem ersten wirklichen “Berlinale-Jahr”, 2003. Die anderen Sektionen, vor allem das Forum und auch das Panorama, sind einfach interessanter.

Dann, ebenfalls am Sonntag, den israelischen Film “Flipping Out” über entlassene junge Wehrpflichtige, die sich anschließend in Indien Drogen aller Art hingeben – und nicht vergessen können. Der israelische Staat, Orthodoxe und Rückhol-Versicherungen haben eine fürsorgliche Infrastruktur aufgebaut.

Über den arg gekünstelten australischen Film “Corroboree” schweige ich ‘mal einfach. Der ebenfalls am Freitag gesehene “If One Thing Matters” über Wolfgang Tillmans ist eine völlig unkritische Huldigung der Eitelkeiten Tillmans durch den Regisseur, zeigt viele detailverliebte Momente, ist aber wegen fehlender Widerhaken uninteressant.

Balikbayan Box“, ein philippinischer Film, erzählt leise und unaufdringlich vom dörflichen Leben; drei Jungen stehen im Mittelpunkt. Ganz unaufdringlich, sozusagen nebenbei werden die existenziellen Sorgen der Dorfbewohner gezeigt. Zum Beispiel der Alkoholismus der Männer, Mundraub, Tötungsverbrechen, ins Arbeitsexil strebende Frauen.

Einige der Filme waren digital. Doch egal ob Standard oder High Definition Video, die Sägezähne / Treppenmuster, verwischten Konturen / Schlieren, fehlende Tiefe: das ist Terror fürs Auge!

Februar 14th, 2008

Einpacken, Aufbruch (5)

Die – gefühlten – Habseligkeiten sind transferiert, inzwischen gut in Mainz angekommen. Die leere Wohnung ist fast fertig gemalert.

Noch ein paar Tage in Berlin ausharren: Gut dass es um die Ecke “Marcello” als Ersatzwohnzimmer gibt. Und gut, dass Berlinale ist: Am Freitag und Sonntag, den Putztag einrahmend, gibt’s je drei Filme aus Australien, Deutschland, Israel, Kanada und von den Philippinen. Und “Julia” mit Tilda Swinton!

Februar 8th, 2008

Tilda

Danke, Katja Nicodemus, für diese mehr als angemessene Würdigung!

Februar 15th, 2007

Fernost auf der Berlinale

Dieses Jahr sah ich zwei fernöstliche Filme auf der Berlinale: Oku Shutaros »Cain’s Descendant« sowie »Spider Lilies«. Der japanische Film war ziemlich ungenießbar weil ambitioniert belanglos. Ein Theatermensch, Beleuchter macht einen Film mit einem Regisseur als Hauptdarsteller. »Strange Circus« im vergangenen Jahr bot perverse, bonbonfarbene Trauma-Alpträume, »Cain’s Descendant« ist einfach nur grau, öd, trost- und lustlos, und schnell mit dem Abblenden wenn es eklig wird. Der Regisseur wollte wohl zeigen, dass Japans Realität nicht (nur) bunt, laut und hektisch sondern grau, stinkend, öde, langsam ist. Und eine Parabel über Ausbeutung ist es auch noch.

Der taiwanesische Beitrag »Ci-Qing« bzw. »Spider Lilies« von Zero Chu war nicht nur eine Weltpremiere sondern auch optisch und erzähltechnisch von anderem Kaliber. Es geht um Tattoos und die Geheimnisse dahinter, um Identität finden, um Liebe. Das ist spannend und unterhaltsam umgesetzt, und ganz und gar nicht lustfeindlich. Das ist doch schon ‘mal etwas. – Und für den Teddy Award hat’s auch gereicht!