Artikel getaggt mit ‘Bildung’

Januar 25th, 2012

Aus dem g+-Universum (2) oder University 2.0 – bottom up or not at all

Einige spannende Posts mit teils zahlreichen Kommentaren und weiterführenden Links aus meinem Stream bei Google+ seien hier dokumentiert.

Erneut, weil inzwischen mehr Kommentare enthaltend, der Post von Gunter Dueck über Gegenwart und Zukunft virtueller Universitäten (22.12.2011).

Er spitzt zu: die etablierten Hochschulen sind zu Innovation in der Lehre nicht in der Lage, deren Versuche sind ohne Biss, hilflos. – Ich sehe Einzelbeispiele, die das stützen, denke, er hat Recht.

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Dieser Thread wurde übrigens ursprünglich von Frank Krings angestoßen, auch dort geht die Diskussion weiter. Er fragt in einem anderen Post, auf Apples Initiative abhebend: Kommt jetzt vor der YouTube-University die iTunes University?

Der Research-Professor @ Stanford Sebastian Thrun hat nach den positiven Erfahrungen mit seinen online-Kursen seinen Tenure Track aufgegeben (Jedenfalls sagt er das in diesem Vortrag auf dem DLD 2012) und baut jetzt Udacity.com auf.

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Christoph Kappes: Ich lese immer folgenden Satz “Transparenz schafft Vertrauen”. Stimmt der? (04.01.2012)

Januar 23rd, 2010

Dolmetscher der technologischen Intelligenz

Es ist an der Zeit, die digitale Revolution [...] in ihrer ganzen Wucht zu erkennen. [...] Die Informatiker müssen aus den Nischen in die Mitte der Gesellschaft geholt werden. Sie müssen die Scripts erklären, nach denen wir handeln und bewertet werden. Was ist voraussagende Suche und was kann sie? Was ist „profiling“? Wer liest uns, während wir lesen? Technologien sind neutral, es kommt darauf an, wie wir sie benutzen. Um das zu können, brauchen wir Dolmetscher aus der technologischen Intelligenz.

Quelle: Frank Schirrmacher, FAZ vom 23.01.2010, faz.net


November 28th, 2009

Du mußt dein Leben ändern | Payback

Dies ist ein mitreißendes, philosophisches Poem von Durs Grünbein: »Vom Schnee oder Descartes in Deutschland«. Es war im Winter 1619, als Descartes und sein Diener in einem Kaff bei Ulm frierend festsaßen, angesichts des später so genannten Dreißigjährigen Krieges. Grünbein lässt Descartes im Selbstgespräch und nach langem Abwägen sagen:

Du mußt, René, dein Leben ändern.

Das war, aus Descartes’ Perspektive, fast 300 Jahre vor Rainer Maria Rilkes Finale im Gedicht »Archaïscher Torso Apollos«, aus der Grünbeins immer noch gut 6 Jahre vor Sloterdijk und Schirrmacher.

Aber das ist nicht so wichtig, dieser Imperativ soll ja, seit Rilke in den allgemeinen Zeitgeist eingeflossen sein.

Aber in Wahrheit waren es die Mathematiker, die René Descartes’ Satz »Der Körper wird den Geist immer beim Denken behindern« am meisten zustimmen konnten.

So steht’s in Frank Schirrmachers neuem Buch »Payback«, und das Zitat benennt ganz gut die Voraussetzungen für den aktuellen Wandel in unserem Verhältnis zum / mit dem Computer, mit dem Netz, in das unser Denken immer mehr auswandert, die Übergänge verwischen. Schirrmachers Buch ist kein Pamphlet gegen Computer, im Gegenteil, er sieht die Informationstechnologie als etwas an, dass zum Spannendsten gehört, was unsere Generation erleben kann. Dafür bringt er viele Beispiele. Und da er diagnostiziert: Unsere Werkzeuge verändern unsere Umwelt, vor allem aber verändern sie uns selbst, schreibt er mit der Überzeugung, der zufolge wir heute in den Lehrbüchern der Informatik nachschauen sollten, wenn wir etwas über unsere geistige Abstammung erfahren wollen. Schirrmacher hat mehr als einen Blick in Bücher, Studien und Paper gewagt, hat mit wissenschaftlichen Koryphäen verschiedenster Fakultäten geredet. (Damit ist er gedanklich weiter, sieht mehr Zusammenhänge und potenzielle Entwicklungen als seine meisten Rezensenten, die kaum die Oberfläche der Ich-Erschöpfung durchdringen und den Text spätestens beim Wort Aufmerksamkeitsstörung abhaken. Es ist übrigens auch kein Buch gegen Google, gegen das Internet. Im Gegenteil, man muss nur lesen können.)

Ach ja, im zweiten Teil, nach der Diagnose, kommt dann der Aufruf zum Üben, zum Trainieren, zum Leben-Ändern, damit wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen können. Die Argumentation erscheint mir schlüssig, wenn Schirrmacher zeigt, was nur wir als unvollständige, fehlerhafte und schöpferische Wesen können. Überraschende Perspektivwechsel, Fehlertoleranz, der souveräne Umgang mit Unsicherheiten gehören dazu. Dazu muss man den Muskel, also die Willenskraft stärken. [...] Es geht um Krafttraining für den Muskel der Selbstkontrolle. Und es geht um die Bildung der Zukunft, um eine qualitativ andere Bildung, die lehrt, Computer zu nutzen, um durch den Kontakt mit ihnen das zu lehren, was nur Menschen können.

Ob das allein, und wozu eigentlich, hilft?

Kursiver Text: Zitate aus Frank Schirrmacher, Payback, München 2009


Juni 20th, 2009

Anmerkungen zu Dahrendorf

Zwei kurze Anmerkungen aus Anlass des Todes von Ralf Dahrendorf in der zu Ende gehenden Woche, mit Bezug zur Diskrepanz zwischen der medialen Huldigung einerseits sowie der Ignoranz gegenüber den von ihm vertretenen Ideen andererseits.

1. Auch mit sprachlicher Verwirrung hat es zu tun, dass man in Dahrendorf einen großen Liberalen ehrt, die Denkrichtung Liberalismus aber alltäglich und fast überall denunziert. Während das Sozialdemokratische und das Konservative in beiden größeren Parteien sich munter durchmischt und kaum noch auseinanderzuhalten ist, leugnen das die Protagonisten mit einer kaum unterdrückten Tendenz zum Lagerwahlkampf. Einig ist man sich aber im verbalen Einschlagen auf den Liberalismus, wobei man den 1938 unglücklich gewählten Namen einer der Strömungen zum politischen Schlagwort umfunktioniert hat, alles in einen Topf wirft, ohne eine Ahnung zu haben, was es eigentlich bedeutet. (Und damit nebenbei die eigene Geschichte nach ’45 herabwürdigt.) “Neo” ist einfach schlecht, wir wissen das von anderen Ismen mit dieser Vorsilbe. – Ach, wenn diese Dummschwätzer doch wenigstens Wikipedia-Bildung hätten!

2. Dahrendorf ist während seiner Konstanzer Zeit auch einer der Architekten des “Hochschulgesamtplanes” gewesen. Er plädierte schon damals dafür, ein “Bakkalaureus” genanntes 6-semestriges Kurzstudium einzuführen. – 40 Wochenstunden Workload, Übergang zum “Langstudium” nur bei guten Prädikaten, Doktor-Studium, frühere Einschulung, kürzere Schulzeit, früherer Übergang ins Berufsleben usw., alles begründet mit den gleichen oder ähnlichen, durchaus plausiblen Argumenten, die man heute noch für den Reformprozess hört. – “Verblüffende Visionen vor 40 Jahren” titelt der SpOn seine spannende Zeitreise. Das was man dort Kluges lesen kann, dürfte Wasser auf die Mühlen mancher Bildungsstreiker und naiver Humboldt-Anbeter sein: wussten sie’s doch schon immer , dass die Neoliberalen Schuld an ihrem Dilemma sind.

Juni 12th, 2009

Auf’m Campus #18 (Bildungsstreik 2009)

Kommende Woche ist bundesweit Bildungsstreik 2009. In verschiedenen Städten werden Studierende gemeinsam mit Schülern, Auszubildenden und Lehrkräften gegen die Missstände im Bildungswesen streiken oder mit anderen Mitteln protestieren. Auch der AStA der Hochschule Darmstadt macht mit, ‘mal sehen, wie viele Studenten nicht nur frei haben wollen. Gelbe Woche ist angesagt, die Flyer, Post-Its, Poster, Losungen usw. – alles Gelb.

Eben habe ich »Blutige Erdbeeren« (»The Strawberry Statement«) gesehen. Der Film ist fast 40 Jahre alt, spielt in San Francisco, zeichnet aber die 1968er Studentenrevolte an der Columbia University von New York nach. Akteure, Parolen, Muster – hat sich grundlegend etwas geändert? An der Oberfläche war’s damals scheinbar viel politischer. Vietnam und so. Vergleichbares interessiert unsere Studenten heute nicht, jedenfalls kanalisiert es sich nicht so. Heutige Studierende bzw. die Aktivisten unter ihnen, so der Aufruf, streiken für freie Bildung (und meinen zumeist: frei wie Freibier), weniger Leistungsdruck, weniger Prüfungen, weniger Verschulung des Studiums, keinen direkten Bezug zur Wirtschaft zum Leben da draußen, keine Gebühren usw.. Kaum hört man den Ruf nach angemessener Finanzierung der Schulen, Hochschulen, aller Bildungseinrichtungen.

Ich hoffe nicht auf eine zum Film vergleichbare Eskalation des Bildungsstreiks, auch wenn die Bildungspolitiker etwas Dampf unter’m Hintern vertragen können.

Den Film gibt’s auf DVD. Auch er bildet.