Artikel getaggt mit ‘Demografie’

Januar 20th, 2007

Klasse Frauen

Thea Dorn hat ein Klasse-Buch über Klasse-Frauen geschrieben: »Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird.«

Nachdem die Feuilleton-Paschas Schirrmacher, Greiner, Mattussek und Konsorten den demografischen Notstand herbeigeschwatz und hysterische Gebärbefehle ausgerufen haben, nachdem die verdienten FeministInnen des vergangenen Jahrhunderts sich im ideologischen Abseits eingerichtet und isoliert haben, nachdem längst überwunden geglaubte Rollen- und Unterdrückungsmuster erneut Zuweisung erfahren und Akzeptanz bekommen… tut dieses Buch gut!

Thea Dorn schreibt über sich, ihre Erfahrungen. Sie interviewt 11 Frauen ihrer Generation über Männer und Frauen, Kinder und Beruf, Politik und Gesellschaft: Uta Glaubitz, Seyran Ates, Vera Bohle, Charlotte Roche, Ines Papert, Sarah Wiener, Katja Kullmann, Maybrit Illner, Silvana Koch-Mehrin, Efstratia Zafeiriou, Nahlah Saimeh. Alle Gespräche sind wirklich sehr spannend! Sie versucht, sie versuchen, eine Agenda für eine lebenswerte Zukunft, für vernünftige Rollenmodelle aufzustellen.

Das tut not, denn irgendwie scheinen verschiedene Ausprägungen von gleichaltrigen Frauen und Männern zur gleichen Zeit aber in verschiedenen Welten zu leben…

So weit so gut & mehr als einverstanden. Aber, liebe Thea Dorn, warum tappen Sie – im Schlusskapitel – in die gleiche Falle, in der ich schon so manche Geistes- & SozialwissenschaftlerInnen zappeln sah? Warum diese reflexartig anmutende Ablehnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Dass unsere genetischen, bio-chemischen Determiniertheiten “kulturell und edukativ” überformt sind – wie Ihnen die forensische Psychaterin Nahla Saimeh so schön erklärt hat – macht unser Leben in unseren Augen “sinnvoller”, mehr nicht. Für uns Aufgeklärte gilt es auszuhalten und mit dieser “Überformung” gewappnet das Beste daraus zu machen, dass unsere Willensfreiheit wenn vorhanden dann beschränkt ist. Und mit Ihrem Seitenhieb gegen die Säkularen, die Darwins “Entstehung der Arten” angeblich zu einer heiligen Schrift machen, was Sie verheerend finden, sind Sie vulgären Interpretationen, sind Sie dem Sozialdarwinismus auf den Leim gegangen! Dabei haben Sie Seiten zuvor so vernünftig über eine schrumpfende (deutsche) Gesellschaft geschrieben! – Arten entstehen, Arten verschwinden. (Vielleicht auch wir.)

Schade, die letzten Sätze reißen Ihr Buch leider ein ganzes Stück weg vom Pol der Aufklärung. Das schadet dem Anliegen, das war unnötig.

Trotzdem: Lesebefehl, vor allem für erwachsene Männer!

Dezember 29th, 2006

Vorsprung durch Technik

Japan ist weltweit die am schnellsten alternde Gesellschaft. Und die Japaner sind technik-affin. Sicher lohnt also mehr als ein Blick nach Fern-Ost, um zu lernen statt über den schrumpfenden Methusalem zu schwadronieren.

Das japanische Wirtschaftsministerium fördert die Robotik mit einem jährlichen Wettbewerb, dem sogenannten Roboter-Oskar, für bereits auf dem Markt befindliche Roboter. Die Branche boomt, gegenwärtig sollen jährlich 4,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Insbesondere den Haushalts- und Altenpflegerobotern gehört die Zukunft.

Wenn ich dereinst sabbere und nicht mehr selber essen können sollte: MySpoon füttert mich bestimmt weniger genervt als überforderte menschliche Pfleger!

(s. Florian Rötzers Artikel bei Telepolis)

August 14th, 2006

Die Zukunft der Stadt

Die Zukunft der Stadt – Explodieren Schrumpfen Konkurrieren ist der Schwerpunkt eines zufällig erlangten, interessanten Heftes “Kulturaustausch” des Institutes für Auslandsbeziehungen.

Es gibt interessante Beiträge, einige sind online wie der von Klaus Töpfer (Der Chaosplanet). Der des niederländischen Architekten Rem Koolhaas (Mut zur Lücke. Wir verplanen jeden Quadratmeter. Was dabei herauskommt, hat mit einer lebendigen Stadt nichts zu tun.) leider nicht. Deshalb und auch aus aktuellem Anlass hier eine schöne Passage über Überwachung, London und pro Vielfalt:

Im Rahmen einer Bestandsaufnahme davon, was die Stadt ist und was uns womöglich verloren gegangen ist, analysierte unser Büro anhand eines 40 Jahre alten idyllisch anmutenden Bildes der Isle of Wight, was heute alles nicht mehr möglich wäre. Das geht schon bei den Stoffüberdachungen los, die heutzutage mit dem CCTV-Kamera-Überwachungssystem in Konflikt geraten würden; es geht weiter mit den chaotisch geparkten Lieferwagen, den religiösen Symbolen im öffentlichen Raum und den verdächtigen Regenmänteln, mit denen die Menschen an einem sonnigen Tag herumlaufen. Mit anderen Worten: Was auf den ersten Blick einer Idylle entspricht, enthält genaugenommen eine Reihe irritierender Elemente, die wir heute nicht mehr tolerieren. Für mich ist das ein wichtiger Punkt, und ich denke, hier ist uns definitiv etwas verloren gegangen.
Es dauerte lange, bis ich London lieben lernte, aber zu seinen größten Vorzügen zählen für mich heute gerade die vielen Beispiele mangelhafter Stadtplanung, die mittelmäßige bis schlechte Architektur und die vernachlässigten Stadtviertel, in denen jedoch die unterschiedlichsten Menschen wohnen. Es handelt sich um das Gegenteil dessen, was wir professionell anstreben.


März 23rd, 2006

Perspektiven, weil wir schrumpfen

Auch in der Zeit wird gegen die Hysterie vom Aussterben polemisiert – und es werden schöne Perspektiven aufgezeigt, mögliche “Stellschrauben” wider den Renten-Kollaps genannt.

März 15th, 2006

Schrumpfen, mal wieder

Diesmal dramatisiert – ziemlich reißerisch – der SpOn, gefunden dort bei der Betablogerin. (s.a. hier)