Für alle Frauen, die sich heute über Primeln, Rosen und warme Grußworte gefreut haben: Super Idee von Tanja beim Spreeblick.
Welt Frauen Taggen
Spießer
Christian Rickens hat ein Buch geschrieben, dass vielleicht auch auf den to-read-Stapel kommt: “Die neuen Spießer – Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft”. Das Buch soll eine fundierte Abrechnung mit den exponierten Vertretern der “neuen Bürgerlichkeit” (z.B. Paul Nolte, Udo Di Fabio, Frank Schirrmacher, Matthias Matussek) sein, und ohne sich sinnlos an Einzelpositionen abzuarbeiten aufzeigen,
wie über die unterschiedlichen Stationen demographische Panikmache, latente Ausländerfeindlichkeit, angeblichen Werteverfall, angeblichen Ökowahn, die vermeintlich naturwüchsige Rolle von Frauen, Familie und Nation etc. ein allgemeines Backlash-Klima in der Politik vorbereitet wurde, dass es heute ermöglicht, reaktionäre Partikularinteressen als anthropologische Notwendigkeiten auszugeben.
(via Wir nennen es Arbeit; s.a. Klassefrauen)
Klasse Frauen
Thea Dorn hat ein Klasse-Buch über Klasse-Frauen geschrieben: »Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird.«
Nachdem die Feuilleton-Paschas Schirrmacher, Greiner, Mattussek und Konsorten den demografischen Notstand herbeigeschwatz und hysterische Gebärbefehle ausgerufen haben, nachdem die verdienten FeministInnen des vergangenen Jahrhunderts sich im ideologischen Abseits eingerichtet und isoliert haben, nachdem längst überwunden geglaubte Rollen- und Unterdrückungsmuster erneut Zuweisung erfahren und Akzeptanz bekommen… tut dieses Buch gut!
Thea Dorn schreibt über sich, ihre Erfahrungen. Sie interviewt 11 Frauen ihrer Generation über Männer und Frauen, Kinder und Beruf, Politik und Gesellschaft: Uta Glaubitz, Seyran Ates, Vera Bohle, Charlotte Roche, Ines Papert, Sarah Wiener, Katja Kullmann, Maybrit Illner, Silvana Koch-Mehrin, Efstratia Zafeiriou, Nahlah Saimeh. Alle Gespräche sind wirklich sehr spannend! Sie versucht, sie versuchen, eine Agenda für eine lebenswerte Zukunft, für vernünftige Rollenmodelle aufzustellen.
Das tut not, denn irgendwie scheinen verschiedene Ausprägungen von gleichaltrigen Frauen und Männern zur gleichen Zeit aber in verschiedenen Welten zu leben…
So weit so gut & mehr als einverstanden. Aber, liebe Thea Dorn, warum tappen Sie – im Schlusskapitel – in die gleiche Falle, in der ich schon so manche Geistes- & SozialwissenschaftlerInnen zappeln sah? Warum diese reflexartig anmutende Ablehnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Dass unsere genetischen, bio-chemischen Determiniertheiten “kulturell und edukativ” überformt sind – wie Ihnen die forensische Psychaterin Nahla Saimeh so schön erklärt hat – macht unser Leben in unseren Augen “sinnvoller”, mehr nicht. Für uns Aufgeklärte gilt es auszuhalten und mit dieser “Überformung” gewappnet das Beste daraus zu machen, dass unsere Willensfreiheit wenn vorhanden dann beschränkt ist. Und mit Ihrem Seitenhieb gegen die Säkularen, die Darwins “Entstehung der Arten” angeblich zu einer heiligen Schrift machen, was Sie verheerend finden, sind Sie vulgären Interpretationen, sind Sie dem Sozialdarwinismus auf den Leim gegangen! Dabei haben Sie Seiten zuvor so vernünftig über eine schrumpfende (deutsche) Gesellschaft geschrieben! – Arten entstehen, Arten verschwinden. (Vielleicht auch wir.)
Schade, die letzten Sätze reißen Ihr Buch leider ein ganzes Stück weg vom Pol der Aufklärung. Das schadet dem Anliegen, das war unnötig.
Trotzdem: Lesebefehl, vor allem für erwachsene Männer!
Depardieu
Danke, Katja Nicodemus, für dieses tolle Interview mit Gérard Depardieu!
GD: Ein Körper ist nicht genug. Ich mag auch keine Frauen, die sich nur als Weibchen gebärden. Ich finde Menschen interessanter und auch irgendwie vollständiger, in denen mehrere Optionen angelegt sind. Egal für welche man sich dann im Leben entscheidet.
KN: In Chanson d’Amour haben Sie eine romantische Beziehung zu Cécile de France. Sie wirkt viel härter und cooler als Sie.
GD: Ich spiele den unglücklich Verliebten. Sie ist der moderne unromantische Typus, immer am Computer und am Handy. Auch dadurch kehren sich die Rollenverhältnisse um. Die Rolle des femininen Mannes entspricht mir sehr. Bis vor kurzem war ich mit Carole Bouquet zusammen. Sie ist ein sehr harter Frauentyp. Auf der Leinwand wie auch im Leben. Das habe ich immer an ihr bewundert.
KN: Haben Sie denn irgendwelche Vorbilder?.
GD: Ja. Catherine Deneuve. Sie ist der Mann, der ich immer sein wollte.
Wer hätte gedacht, dass man sich mit Depardieu über Geschlechterfragen unterhalten kann?
Den Film Chanson d’Amour gab’s übrigens auch auf der Heiligen Preview Nigth der Berliner Yorck-Gruppe; er ist wegen der Zwischentöne durchaus sehenswert.
(Das Interview steht in der aktuellen Zeit.)
Grand Lady of Software
Ende der Woche wäre Grace Murray Hopper (“Amazing Grace”, “Grandma Cobol”) 100 Jahre alt geworden. Sie starb 1992, kurz nachdem ich Cobol lernen musste durfte.
Das Wirken der Grace Hopper ist ein früher Beweis für eine selbstverständlich erfolgreiche Beziehung von Frauen und Naturwissenschaften bzw. Mathematik. Sie hat den ersten Compiler entwickelt, ihre Ideen und Konzepte führten zur Überwindung des Maschinencodes und Grundlegung höherer Programmiersprachen, sie stehen hinter Cobol. Das Debugging soll sie auch erfunden haben: “First actual case of a bug being found” schrieb sie 1945 ins Logbuch eines Mark-II-Computers.
(Bild von Wikipedia)
[UPDATE:] Antje hat noch einen interessanten Link: Frauen Informatik Geschichte aufgespürt.
