Artikel getaggt mit ‘Film’

Februar 9th, 2012

Kurzfilmprogramm | Rundgang

Morgen ist wieder eine Gelegenheit für einen Rundgang an der Kunsthochschule Mainz, wobei speziell das Kurzfilmprogramm der Filmklasse interessiert. 11 neue Filme stehen auf dem Programm, bin gespannt.

[UPDATE: War sehr schön, originelle gute Filme waren dabei.]

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Dezember 26th, 2011

Meek’s Cutoff

»Meek’s Cutoff« ist den Kinobesuch auf jeden Fall wert. Gestern waren fast so viele Besucher im Mainzer Palatin, wie im Film Darsteller spielten. Immerhin.

Die amerikanische Indie-Regisseurin Kelly Reichardt hat einen intensiven Film über Aspekte des Oregon Trails 1840f. gedreht. Das traditionelle 4:3-Format erweist sich für die Konzentration als förderlich. Das Licht, die Farben, der Sound, die Story, die Figuren – alles ist treffsicher arrangiert und keine Sekunde langweilig. (Vielleicht ist Michelle Williams als Emily Tetherow schon ein klein wenig zu viel “Star”.) Es geht um Vertrauen, um konkurrierende Vorstellungen über den zu gehenden Weg. Dass diese konkreten Konflikte zwar eskalieren, aber nicht gelöst werden sondern offen bleiben, gefiel mir.

In den Jahren 1840 bis 1870 durchquerten mehr als eine Viertelmillion Menschen den amerikanischen Kontinent, um den Westen der USA zu besiedeln. Lillian Schlissel, 1982 bei Erscheinen des Buches Direktorin des Seminars für American Studies am Brooklyn College in New York, hat die Tagebücher von westwärts gehenden Frauen zusammengetragen, kommentiert und mit zeitgenössischen Photos versehen: »Frauentagebücher aus dem Wilden Westen«. Darin, auf Seite 45, findet sich folgendes Zitat der damals 13jährigen Lucy Hall Bennett, das den Hintergrund der Story des Filmes erläutert:

Wir trafen Steve Meek, der uns von einer besseren Route nach Willamette Valley erzählte. Ein Teil des Zuges weigerte sich, diese Abkürzung zu nehmen, und zog auf der alten Emigrantenstrecke weiter, aber viele folgten Meek auf dem Weg, der seither ‘Meeks Abkürzung’ heißt… Die Route war zuvor von den Pelzhändlern der Hudson Bay Company benutzt worden und war vielleicht für Lastpferde geeignet, aber sicher nicht für Emigranten auf Ochsenkarren. Das Wasser war voller Alkali, man konnte es kaum trinken. Es gab nur wenig Gras, und nach kurzer zeit hatte all unser Vieh wunde Füße von dem spitzen, steinigen Untergrund. Nachdem mehrere aus unserer Reisegruppe gestorben waren, wurde deutlich, daß Meek absolut nichts über die Route wußte.

s.a. die Rezension auf ZEIT-Online, Christoph Hochhäuslers virtuellen Meek’s Cuttoff Filmclub, Thomas Grohs Besprechung beim Perlentaucher (zweite Hälfte des Textes)


April 3rd, 2011

Sonntagslektüren #1

Vier interessante Artikel in der heutigen FAS:

Julia Schaaf über Nicolette Krebitz (aktuell erstklassig im wirklich sehr sehenswerten Film »Unter dir die Stadt« von Christoph Hochhäusler) – »Am Tisch mit schönen Frauen«:

Wer über das Aussehen von Frauen redet, wenn es eigentlich um ihre Arbeit gehen sollte, untergräbt ihren Wert und ihre Position.

Nils Minkmar über den „Mangel an Reflexion, Argumentation und intellektueller Redlichkeit” deutscher Außenpolitik angesichts Gaddafis: »Der Terror den wir dulden«.

Man kann nicht am Ende der Welt das Leben von Soldaten für Prinzipien riskieren, die man am Mittelmeer verrät.

Ulf von Rauchhaupt empfiehlt eine ganze Menge spezieller Apps: »Daddeln für den Wissensdurst«.

Und schließlich, versteckt im Regionalteil: »Zwischen Frankfurt und Frankreich« – Florian Balke über Peter Kurzeck und dessen neuen Roman »Vorabend«. (Balke moderiert die morgige Lesung Kurzecks in Frankfurt, der Beginn von dessen Lesetour 2011.)

Juni 3rd, 2010

Männer

Gestern Abend gab’s hier in Mainz eine sehr interessante Podiumsdiskussion. Das Institut für Filmwissenschaft hatte Olivier Assayas und Christian Petzold eingeladen, Prof. Dr. Oksana Bulgakowa und Dr. Roman Mauer moderierten. Die beiden innovativen Regisseure des französischen und des deutschen Gegenwartskinos sprachen, wirklich ständig auf einander Bezug nehmend, über ihren Arbeitsstil, Einflüsse, ästhetische Grundhaltungen usw. Es gab da interessante Vergleiche bzw. Übereinstimmungen zwischen Assayas Film »Demonlover« von 2002 mit Petzolds »Yella« von 2007 einerseits sowie »Carlos« (2009) und »Die innere Sicherheit« (2000) andererseits zu hören. [1]

Aus dem Publikum kam die Frage zum Vorgehen beim Casting der männlichen Darsteller. Christian Petzold ging dankbar darauf ein, wurde in seiner Antwort gar etwas episodisch. Es sei schwierig, gute Schauspieler mit maskuliner Ausstrahlung im so genannten besten Alter zu bekommen, irgendwie gäbe es nur noch Typen, die mit Ende 40 gerade aus der Pubertät ‘raus sind oder die eine irgendwie tastende, zweifelnde, ständige Selbstreflexion ausstrahlende Körpersprache haben. Kurz, so Typen, denen man abnimmt, dass sie ein Pferd reiten oder ein Fenster öffnen können, seien knapp. – Als Dominik Graf »Im Angesicht des Verbrechens« gedreht hat, sei der Markt für zwei Jahre praktisch leergefegt gewesen.

Das hat natürlich gar nichts mit den haarsträubenden Dingen zu tun, die man da im Manifest der grünen NRW-Männer – „Nicht länger Machos sein müssen“ – lesen muss. [2]

[1] CARGO 02/2009 brachte ein sehr interessantes Gespräch mit Assayas und zu »Carlos«. Der Film lief 2010 in Cannes außerhalb des Wettbewerbs.
[2] Gerhard Amendt hat im dradio auf die Ängstlichkeit und Hilflosigkeit des Textes deutlich hingewiesen.


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Mai 14th, 2010

Ver-rückt

Christoph Hochhäusler will darüber nachdenken, aus dramaturgischen Gründen dem Sichtbaren gegebenenfalls ein Voice-Over [1] hinzuzufügen. Altmeister Alain Resnais hat in »Les herbes folles – Vorsicht Sehnsucht« genau das und noch viel mehr Ungewöhnliches gemacht. Alle Figuren sind normal und stehen doch ausreichend weit neben dem Erwartbaren, Durchschnittlichem. Die Kamera tanzt mindestens so wie die Dialoge springen, Farbe ist nicht einfach bunt [2] und rund um das Kino im Film wird „natürlich“ eine Kulissenwelt gebaut. – Resnais beweist mehr Mut und sein Film zeugt von mehr Kreativität als z. B. alle mir bekannten Wettbewerbsfilme der letzten großen Festivals zusammen.

Lukas Foerster nennt den Film in seiner sehr treffenden Rezension Free Jazz. Mir rutschte unmittelbar beim Verlassen des Kinos seit langen wieder einmal das mir offenbar spontan höchst mögliche Lob heraus: Toll.

[1] Natürlich nicht so einen altmodischen Off-Kommentar, der erklären muss was nicht zu sehen ist und noch dazu nervend oberlehrerhaft daherkommt. Wie es Michael Haneke in »Das weiße Band« macht.
[2] Man schaue sich dazu diesen Trailer an.