Artikel getaggt mit ‘Literatur’

Januar 29th, 2014

Biographien…

… waren ja bisher nicht gerade von mir favorisierter Lesestoff. Sollte ich mich nun tatsächlich doch noch für (eigenwillige) Biographien begeistern können?

Auf dem Bücherstapel liegen und könnten nach Überwindung letzter Kaufhemmungen liegen:

Januar 15th, 2014

Arno Schmidt 100

Aus Anlass des einhundertsten Geburtstages von Arno Schmidt am 18.01.2014 einige Links:

Januar 2nd, 2014

Bücher 2013

2013 gelesene Bücher

Dezember 26th, 2013

Hugo Gernsback

Hugo Gernsback schaut eine Fernsehübertragung von seinem Rundfunksender WRNY auf dem Cover der Novemberausgabe 1928 von Radio News.
Quelle: Wikimedia Commons

Ich vermute, man kann den realen Einfluss von Hugo Gernsback – dem schillernden badisch-luxemburgischen Entrepreneur – auf die technische Intelligenzija, auf die Community in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nachträglich nicht messen und deshalb nicht wirklich hoch genug einschätzen. Seine in Amerika publizierten, lehrreichen Elektrik- / Elektronik-Versandkataloge, seine technisch-wissenschaftlichen Periodika (mit erheblichen fiktionalen, inspirierenden Ingredenzien) dürften mindestens so anregend und prägend für die Zielgruppe gewesen sein, wie z. B. Steve Jobs frühe Apple-Bastel-Sets bzw. dann Apple I/II oder Richard Stallmans Free-Software-Initiative etwa ein halbes Jahrhundert später.

Seit 1953 wird der Hugo-Award vergeben. – Noch bis zum 12.01.2014 läuft im Karlsruher ZKM die kleine aber feine Ausstellung «Die Gernsback Prophezeiung. Father of Science Fiction».

Literatur:
Franz Pichler, Hugo Gernsback und seine technischen Magazine. Von „Science Facts“ zu „Science Fiction“ und „Cold Facts“. Zum Leben und zum Werk eines ungewöhnlichen Luxemburgers in den USA, Linz, 2013

Centre national de littérature (Ed.): Hugo Gernsback. An Amazing Story, Mersch, Luxemburg, 2009

Gernsback im Luxemburger Autorenlexikon

Januar 1st, 2013

Bücher 2012

2012 gelesene Bücher

Juli 1st, 2012

Abkühlung

Vorgestern feierte Ror Wolf seinen 80. Geburtstag, vermutlich hier in Mainz. Am Wochenende davor habe ich sein Buch »Raoul Tranchirers vielseitiger großer Ratschläger für alle Fälle der Welt« auf dem Johannisnacht-Büchermarkt erstanden. Unter dem Stichwort Abkühlung findet sich dort ein solcher Ratschlag für die augenblickliche Situation:

Abkühlung erreicht man, indem man sich ruhig verhält, erfrischende säuerliche Getränke genießt, viel kaltes Wasser bereit hält und trinkt, weil das Wasser die Schweißbildung fördert und durch Verdunsten des Schweißes Abkühlung erzeugt wird. Nützlich sind außerdem Körpereinpackungen mit Namen: das nasse Hemd und der spanische Mantel.

Alles klar?

Neuausgabe im Fischer Taschenbuchverlag
Würdigung von Ror Wolf zum Achtzigsten von Hubert Spiegel in der F.A.Z. vom 30. Juni 2012, Seite Z3


Februar 12th, 2012

Mat(ur)ana

Wir tun immer das, was wir wollen, auch wenn wir behaupten, eigentlich gegen unseren Willen gehandelt und zu etwas gezwungen worden zu sein. Dann wünschen wir uns die Folgen, die sich aus unserem Handeln ergeben, auch wenn wir im Moment nicht mögen, was wir tun.
Benjamin Stein, »Replay«, S. 152


»Replay« ist eine von Benjamin Stein grandios erzählte Dystopie. Stein, von dem ich bisher nichts las, verblüfft mich mit knapper sprachlicher Präzision und fachlicher Exaktheit.

Die Handlung startet in der Gegenwart, es gibt dann zweimal Sprünge jeweils etwa 15 Jahre in die Zukunft. Der Ich-Erzähler Ed Rosen war in seiner Jugend von Zahlenmystik begeistert, studierte dann Informatik, modellierte die Realität für Maschinen verständlich, interessiert sich für die Mensch-Maschinen-Interaktionen, landet folgerichtig (?) in Juan Matanas Firma UniCom, die allgemein zur Schnittstelle zwischen biologischen und elektronischen Systemen forscht und speziell zunächst ein Augenimplantat entwickelt, das die visuellen Daten direkt ins Gehirn einspeist. Rosen ist der ideale Early Adopter, ist er doch selbst von Geburt an auf einem Auge blind. Er wird die erste Versuchsperson, die Prothese wird immer weiter entwickelt, Rückkopplungsmöglichkeiten („und natürlich konnte man sich auch in die lebendige audiovisuelle Wahrnehmung eines Augenblicks zurückversetzen, den man selbst zuvor aufgezeichnet hatte.“ [S. 114]) werden implementiert, die Akzeptanz steigt immer weiter, die Firma wird extrem erfolgreich, was sich u.a. darin ausdrückt, dass 70% der Bevölkerung freiwillig Prothesenträger – UniCom-Bürger – werden.

Nein, die Kunden zahlten nicht mehr für die Kommunikation. Selbst das Implantat hätte man ihnen schenken können. Die Einnahmequelle waren die Inhalte, die die Kunden auch noch zum großen Teil selbst erzeugten und kosten- und damit tributpflichtig weitergaben. Das Geld wuchs gewissermaßen auf den ungeheuren Bergen von Daten, eingesammelt von Millionen Geräten und gespeichert in den Datenzentralen der Corporation. (S. 116)

Für mich ist die eigentliche Hauptfigur der chilenische Wissenschaftler Juan Mantana, und es ist kein Zufall, dass ich den Namen durchgehend als Maturana gelesen habe… Mantana ist einerseits die treibende Kraft, der Visionär, der erfolgreiche Wissenschaftler und Unternehmer. Er interessiert sich für die Koppelung zwischen Maschinenwelt und menschlichem Verhalten. Und er ist es, der die Entwicklung kritisch beobachtet, den Stein originelle Reflexionen (negative Rückkopplung als notwendiges Regelprinzip beim Wattschen Dampfregler, dominante Optionen für ausschließlich positives Feedback in Sozialen Netzwerken, die Abhängigkeit der Realität vom Beobachter und die Notwendigkeit, das Beobachten zu beobachten, um zu lernen, usw.) einflechten lässt, und der schließlich aussteigt.

Für Rosen – Minister in einem transparenten, luxuriösen Gefängnis, einem architektonischen Juwel, beschützt von privaten und staatlichen Sicherheitsdiensten – jedoch geht dieses Leben weiter. Das Communication System lässt sich nicht wirklich abschalten, auch wäre es trostlos, fehlt doch dann der Input für neue Replays. “Die Corporation lässt niemanden treiben ohne einen Freund an seiner Seite.” Dieser bringt ihn wieder online.

Wir haben uns für Transparenz entschieden und diesen Entschluss in Gesetze verpackt, die für alle gelten, ob sie es nun schätzen oder nicht und ob sie es wissen oder nicht. Alle, das schließt auch Minister ein, warum nicht gerade sie? (S. 168)



s.a. Rezension bei Bonaventura, Replay beim Perlentaucher, das Buch bei Amazon (mit Lese-Videos), das Buch beim Verlag C.H.Beck (auch mit Videos), ANH in »Die Dschungel« über das Buch: Miszellen des Totalitären

Februar 12th, 2012

Replay

Es gibt in diesen wuchernden Systemen so gut wie keine Funktion negativer Rückkoppelung. Man kann Interessantes weiterverbreiten und Beiträge anderer mit einem Klick auf den Like-Button adeln. Einen Dislike-Button hingegen gibt es nicht. Kein Benutzer wird darüber informiert, wenn er von anderen geblockt wurde. Das System bietet nur Funktionen an, die zur noch intensiveren Nutzung des Systems motivieren. Sie animieren dazu, mehr und mehr Menschen zu involvieren.

Und? fragte ich: Das ist doch geschickt. Matana schüttelte den Kopf.

Das scheint so, meinte er. Ausgemachte Sache sei das aber nicht. Fallen im menschlichen Körper die Systeme des negativen Feedbacks aus, wird schnell man ein Krebsgeschwür daraus. Es ist wie eine Umpolung des Wattschen Dampfreglers. Je schneller die Maschine dreht, desto mehr Dampf gibt das Ventil frei. Systemtheoretisch betrachtet, kann ein solches dynamisches System, das sich allein auf positive Rückkoppelung stützt, nur in die Katastrophe stürzen.
(S. 72)

Ein System, das Beschwerden und Klagen nicht zulässt, ja prinzipiell ausschließt, ist eine Tyrannei. Die Bevölkerung dieses Landes hat sich unterworfen. Es spielt keine Rolle, ob einem Herrscher oder einer Technologie. Es spielt auch keine Rolle, ob es freiwillig geschehen ist. Durch Unterwerfung wird Macht erzeugt und verliehen. Und wenn das System, dem Macht verliehen wird, von seiner Anlage her ein tyrannisches ist… […] Erinnere dich an den Wattschen Dampfregler. Wenn du ein System allein über positive Rückkoppelung steuern willst, schaukelt es sich auf bis zur Katastrophe. […] Ich meine, Kommunikation darf nicht kostenlos sein […]
(S. 156)

Benjamin Stein, »Replay«