Artikel getaggt mit ‘Wirtschaft’

Februar 25th, 2012

Markt(forschung)

Kluge: Die “invisible hand”.
Baecker: Die “invisible hand” funktioniert so, dass jeder sich vorzustellen versucht, durch welche eigenen Aktionen und Angebote er wohl am ehesten einem Kunden auffällt, der bereit sein könnte, diese oder jene Summe Geldes für ein Angebot auszugeben. Auf der Suche nach diesem Angebot orientiert er sich, wie Soziologen von Georg Simmel bis Harrison C. White beschrieben haben, jedoch nicht am Kunden und dessen unerforschlichen Bedürfnissen, sondern am Konkurrenten und dessen Angeboten. Man beobachtet nicht die gegenüberliegende, sondern die eigene Marktseite, um herauszufinden, wie groß die Chancen sind, mit einem qualitativ besseren Angebot den Kunden zu überzeugen, der an den Marktständen vorüberzieht.

An dem Tag, als [Steve] Jobs den Macintosh der Öffentlichkeit präsentierte, fragte ihn ein Journalist von Popular Science, welche Art Marktforschung er betrieben habe. Spöttisch erwiderte Jobs: »Hat Alexander Graham Bell etwa Marktforschung betrieben, bevor er das Telefon erfand?«

mehr Info
Zitate aus:
Dirk Baecker / Alexander Kluge, Vom Nutzen ungelöster Probleme, Merve 2003, S. 46
Walter Isaacson, Steve Jobs, Bertelsmann 2011, S. 203


September 29th, 2009

Einwanderung

Wer Häuser repariert, ist zwei Jahre, wer neue aufbaut drei Jahre frei von Steuern.
Schrecker, »Zuwanderung im Wonnegau«, in: Heimatjahrbuch Alzey Worms 2005, zitiert auf rheinhessen.de


Die Bevölkerung Rheinhessens hat insbesondere in der Vergangenheit viele Impulse von Außen erhalten, durch Zuwanderung. Davon gibt es auch bauliche Zeugnisse, die Trulli der italienischen Gastarbeiter des 18. Jahrhunderts (s. dort) und das barocke Puricelli-Haus italienischer Kaufleute in Bingen zum Beispiel.

Im 16. und 17. Jahrhundert war die Einwanderung vor allem eine Folge von weitsichtiger Siedlungspolitik, die vor allem auch religiöse Vertreibungen für die Betroffenen milderte und am neuen Ort zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Innovationsschub führte. So kamen u.a. aus Frankreich Hugenotten. Das damals kurpfälzische Rheinhessen war eine durch Kriege weitgehend verwüstete und entvölkerte Landschaft. Also gab es Anreize, s.o..

In Oppenheim am Rhein steht aus dieser Zeit noch der eindrucksvolle Hugenottenhof.


August 25th, 2009

Apple, Google und das Monopol

Think different!
Apples Werbekampagne (1997-2002)


Apple bestimmt über sein iTunes, wie Benutzer mit dem iPod und dem iPhone umzugehen haben, sofern sie ihr Ego mit diesen Gadgets schmeicheln wollen. Zumindest der iPod ist in dieser Geräteklasse das Maß der Dinge, das iPhone ist auf bestem Wege dazu. Apples Marktanteil wächst und wächst.

Google ist und bleibt absehbar auf dem Markt der Suchmaschinen unangefochtener Spitzenreiter. Die Ingenieure der Firma sprudeln vor Ideen, und manches davon erweist sich als geniales Tool, dass man nicht mehr missen möchte. Zum Beispiel den RSS-Reader, Google Maps & Earth, demnächst wahrscheinlich Books und Genes.

Die Benutzer wählen die für sie besten Produkte aus. It’s Marktwirtschaft, stupid.

Der wirtschaftliche Erfolg hat Neider, die faktische bzw. mögliche Monopolstellung ruft die warnenden Experten auf den Plan. – Was hindert(e) eigentlich die Koalitionäre und anderen Mitbewerber, die über Geschäftsmodelle sinnierenden Bürokraten in den staatlichen Geodatenbunkern, die Torwächter des Wissens in den Staats- und Landesbibliotheken daran, bessere Produkte auf den Markt zu bringen, statt zu klagen?

August 12th, 2009

Kapitalismus

“Wenn es zutrifft, dass Wirtschaftssysteme blind evolvieren und sich der bewussten Kontrolle entziehen, dann wird es immer wieder zu Systemkrisen kommen. In wirtschaftlichen Chaossituationen obsiegt das strategische Verhalten. Dann gilt das Prinzip »Bonität als Feuerkraft«.”
Heiner Mühlmann, 18. Folge, “Die Zukunft des Kapitalismus”


Erst seit ein paar Wochen steht dies an einer Münchner Hauswand. (Nicht in der Vorstadt, sondern im Glockenbachviertel.)

Die Krise ist also angekommen.

Und da der Tanker träge und schwer manöverierbar ist, ist es fast zu spät, sich über die Zukunft des Kapitalismus Gedanken zu machen. Während sich die Akademiker-Zunft der Ökonomen an den Schulen scheinbar sinnlos über Werkzeuge, Methoden und Paradigmen streitet, während uns die Finanzartisten in der Zirkuskuppel ein »V« für ein »U« vormachen, denkt man anderswo durchaus kreativ darüber nach, wohin dieser träge Tanker gesteuert werden soll: Im FAZ-Feuilleton gibt es eine wunderbare Reihe zur »Zukunft des Kapitalismus« mit überwiegend sehr bedenkenswerten Texten von Schriftstellern, Soziologen, Literaten, Lobbyisten; eröffnet hat die jetzt auf 18 Folgen angewachsene Reihe Thomas Strobl (Blogs: weissgarnix sowie Chaos as usual). Die ganze Diskussion hat trotzdem so etwas wie einen roten Faden, das ist natürlich die Sinnfrage, hier gestellt von Fritz B. Simon:

Wohin wollen wir mit diesem Kahn fahren? – oder realistischer: Wo wollen wir auf keinen Fall landen? – muss öffentlich diskutiert und politisch entschieden werden. Dabei sollten wir uns darüber klar sein, dass Boote, die nicht gesteuert werden, an Ufer getrieben werden können, die man lieber nie entdeckt hätte.

Da aber nach dem Crash vor dem Crash ist, ist es für solche Debatten nie zu spät.


Juni 30th, 2009

zombie lending

Stefan Frank in “Die Weltvernichtungsmaschine”:

Um Verluste, die aus dem Bankrott eines Schuldners entstehen würden, zu vermeiden, hielten Banken insolvente Unternehmen (“Zombies”, wie sie in der Fachwelt auch genannt wurden) weiter am Leben. Sie verhinderten auf diese Weise, dass Kapital und Marktanteile an solvente Konkurrenten gingen, wodurch deren Gewinne und Profitmöglichkeiten geschmälert und ihre Bereitschaft und Fähigkeit zu Investitionen stark beeinträchtigt wurden.

[...] Banken hätten die Krise verschlimmert, indem sie es vermieden, den Tatsachen ins Auge zu sehen und die Verluste anzuerkennen [...] Den Tatsachen nicht ins Auge zu sehen, sondern stattdessen zu versuchen, die Probleme zu verschleppen, war allerdings nicht nur die Politik der Banken, sondern auch der Regierung.

Nein, nicht das Agieren*) heute wird beschrieben, Frank bezieht sich auf den Japan Boom in den 1980er Jahren.

Und, auf die derzeitige Krise bezogen:

Viele der Maßnahmen, die heute zur Lösung der Krise vorgeschlagen werden, hat man in Japan in den neunziger Jahren bereits erfolglos ausprobiert – die Nullzinspolitik, die nun seit Ende 2008 von der US-Notenbank verfolgt wird, und eine keynesianisch inspirierte Wirtschaftspolitik eingeschlossen. All dies führte nicht zu einer Bewältigung, sondern zu einer Verlängerung der Krise. Die Kosten wurden hoch gehalten, und aus Kapital wurde Beton gemacht.

(Online ist ein ein Vorabdruck des 3. Kapitels “Drei Geschichten vom Immobilienboom” bei jungleworld.com zu finden. )

*) “Retten” heißt diese Art von Agieren. Die Höhe der Summe scheint mit der politischen Machtfülle zu korrelieren, könnte eingebildeter Potenzersatz sein.

Tags:
Juni 28th, 2009

Spannende Bücher über Wirtschaft

         

Doch, es gibt sie: spannende Bücher über Wirtschaft, die auch für wirtschaftswissenschaftliche Laien faszinierend sind. Zum Beispiel:

April 29th, 2009

Wunschkatalog

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer ist auch erfolgreicher Multiunternehmer: u.a. die IDS Scheer AG (verdoppelt in der Krise mal eben den Gewinn) und der BITKOM werden von ihm geführt. In “Mit der Wirtschaftskrise aus der Ausbildungskrise” formuliert er seinen Wunschkatalog an die zeitgemäße wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung:

• mehr Schumpeter und weniger Keynes,
• mehr Wirtschaftsgeschichte und weniger Mathe,
• mehr Interdisziplinarität und weniger abstrakte Modelle,
• mehr detaillierte Branchenkenntnisse und weniger Generik,
• mehr Ethik und weniger Ego.


April 7th, 2009

China und das Klima

Eine kurze Notiz zu einem Buch, das ich selbst nicht gelesen habe – nur die ausführliche Rezension von Reinhard Löser im SdW 4/09, S.105-106. Xuewu Gu und Maximilian Mayer, ein Regionalwissenschaftler und ein Politökonom von der Ruhr-Uni Bochum, haben “Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?” geschrieben. Abgesehen davon, dass der Rezensent das Buch als “Lese-, Sach- und Abenteuerbuch” bezeichnet, und es “fabelhaft zu lesen” findet, soll es seiner Meinung nach wegen der “belastbaren internationalen Quellen und unsereinem unzugänglichen chinesischen Originalquellen” “keinen Raum für Zweifel an der Datenlage” lassen. Was kommt ‘raus, auch wider “amerikanischem Verfolgungswahn”?: