Artikel getaggt mit ‘Wissenschaft’

März 4th, 2012

Wo ist mein Selbst?

Der Mainzer Philosophieprofessor Thomas Metzinger (u.a. »Der Ego-Tunnel«) im Telepolis-Gespräch über Gehirnforschung und Philosophie – es geht viel um Begriffe, konkret um den des Gedankenlesens, es geht um Pillen und Implantate zur Leistungssteigerung, und es geht um Selbstmodelle und unser “Ich” in einer virtualisierten Welt. Den ersten Teil des Gespräches gibt es derzeit nur im Telepolis-Special MENSCH+ (als Print oder als eBook), der zweite Teil ist auch online abrufbar.

Metzinger spricht im ersten Teil auch über das Projekt “Virtual Embodiment and Robotic Re-Embodiment (VERE)” und dabei über die Frage,

ob man das Selbstbewusstsein in virtuelle Körper, in Avatare oder eben in Roboter dauerhaft transferieren, also vollständig in einen zweiten Körper übersetzen kann. Da spielen neu entwickelte Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) eine Rolle und tatsächlich sind bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Zum Beispiel ist es gelungen, direkt über ein drahtloses Brain-Computer-Interface einen Roboter mit Bewegungsvorstellungen zu kontrollieren (durch Offline-Simulation einer Körperbewegung mit dem eigenen Selbstmodell im Gehirn; das nennt man ein motor imagery-BCI). Der Roboter bewegt dasselbe Körperteil wie der Proband in seiner Vorstellung und man kann mittels einer Spezialbrille auch gleichzeitig durch dessen Kamera-Augen sehen. Wo ist Ihr selbst, wenn Sie mit der Gedankenkraft so einen kleinen Roboter zum Laufen bringen, ihn dann umdrehen lassen und Ihren physischen Körper durch die Augen des Roboters von außen betrachten? Es ist also prinzipiell möglich, über einen drahtlosen Link mit dem eigenen Selbstmodell direkt das Körpermodell eines Roboters zu steuern.

Zitat aus: Reinhard Jellen, »Und morgen ein iPhone im Kopf?«, Gespräch mit Thomas Metzinger, Telepolis special 01/2012, S. 81; Hervorhebung von mir


Februar 24th, 2012

Roboterlinks

Angeregt auch durch die jüngst erfolgte Inbetriebnahme einer automatisierten Montageanlage mit einem Denso-Roboter zu Lehr- und Forschungszwecken an der Hochschule hier ein paar Links zu aktuell gefundenem Robotik-Stuff im Netz.

Universal jamming gripper shooting demo (Cornell University):

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Boris Hänßler bringt in Viel Arbeit im Roboterhaushalt interessante Beispiele aus der RoboCup@Home Liga.

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Bei Telepolis gibt es einen Text – Lasst die Maschinen machen – von Prof. Dr. Hans-Dieter Burkhard vom Institut für Information an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Text stammt aus dem neuen Telepolis-Buch »Kriegsmaschinen. Roboter im Militäreinsatz« und hat den Untertitel “Wie intelligent ist die Künstliche Intelligenz?”. Burkhard thematisiert nicht zuletzt die Koexistenz von Maschinen / Robotern und Menschen.

April 14th, 2010

Bingen ruft

2. Binger Nacht der Wissenschaft am 16.4.2010

November 10th, 2009

Petition pro Open Access

Lars Fischer hat beim Deutschen Bundestages eine Petititon eingereicht, deren Umsetzung Open Access strukturell fördern würde. So soll der entgeltfreie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, gesetzlich vorgeschrieben werden. Diese wissenschaftlichen Arbeiten sollen innerhalb einer angemessenen Frist über frei zugängliche Open-Access-Server bzw. Open-Access-Journale entgeltfrei verfügbar gemacht werden.

Die Petition #7922 kann bis zum 22. Dezember 2009 mitgezeichnet werden.

(via, s.a. dort)

November 2nd, 2009

Short Cuts #5

Die Feuilletons der Zeitungen »Die Zeit«, »F.A.Z.« und neuerdings auch »SZ« üben seit einigen Wochen Debatte [1]. Sie spielen über Bande, allerdings auf verschiedenen Tischen. Die Argumente treffen nicht, die Animositäten häufen sich. Der, der vor Monaten mit einem kurzen Text und einem Vorschlag den Anlass dazu gegeben hatte, hat inzwischen nachgegeben. Vielleicht ist er in der Sache nicht so sehr von seinem Vorschlag abgerückt, wer weiß schon, dafür gibt er nun aber den in der Tiefe seines Herzens beleidigten Sozialdemokraten. Wer soviel schreibt und redet wie Peter Sloterdijk, der verstrickt sich vielleicht irgendwann im eigenen Wortdickicht. (»Cicero« und »Der Spiegel« springen auf den fahrenden Zug auf, bieten sich dafür, für Verstrickungen, als Boulevard an.)

Das Übungsbuch, »Du mußt dein Leben ändern«, habe ich im Übrigen nach der Hälfte des Stoffes erst einmal, vorläufig, zurückgestellt. Beim ausschweifenden Reden des Autors über Askese hatte ich das Ziel des Übens aus den Augen verloren.
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»Jazzthing« hat Michael Wollny auf dem Cover seiner aktuellen Ausgabe; die Titelstory ist eine subjektive Annäherung an Wollnys »Wunderkammer«, ein Projekt mit der aus Israel stammenden, in Basel lebenden Cembalistin Tamar Halperin. »Wunderkammer« ist wohl auch aus Überdruss an der Wiederholung des ewig Gleichen entstanden.

Im Oktober konnte ich Wollny mit eben diesem Projekt im Frankfurter Hof in Mainz erleben. Sein artistisches Pianospiel ließ mich staunen.
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Das Darwin-Jahr 2009 ist das Jahr von Julia Voss. Als Autorin und Redakteurin trägt sie zum vielfältigen Darwin-Special der FAZ bei. Besonders »Darwins Jim Knopf«, eine psychoanalytische Arbeit zu Michael Endes »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«, von ihr interpretiert als des Autors Auseinandersetzung mit der Darwinschen Evolutionstheorie und deren Pervertierung im Nationalsozialismus, erregte einiges Aufsehen. [2] Dafür hat ihr die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Sigmund-Freud-Preis 2009 für wissenschaftliche Prosa verliehen.

Auch ihre Dankesrede bringt Lesegenuss.

[1] Rudolf Maresch beobachtet und analysiert auf Telepolis, es ist das Beste und Fundierteste, was man weit und breit dazu lesen kann. Zum Beispiel da, da, und vor allem da: Der Horst Seehofer der deutschen Philosophie.
[2] hier ein Abriss des bei Fischer erschienenen Essays: Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie