Monthly Archives: April 2005

Das Netz (2)

Der Film »Das Netz« vom Künstler Lutz Dammbeck hinterlässt mich mit mehr Fragen als Antworten, so ist das halt mit dem Wissen über die Dinge, die uns umgeben, die wir produzieren.

Dammbeck sucht nach den Wurzeln des Netzes, nach den Bedingungen seines Entstehens. Dabei beleuchtet er zum Beispiel das Aufkommen und die Wirkungen der damaligen Leitwissenschaft Kybernetik, Gödels Unvollständigkeitssätze (und Paranoia), die Forschungen der CIA mit LSD in Harvard, das Aufkommen von Multimedia und McLuhans Reflexionen darüber, das Entstehen der Computerkultur auf der Basis von Hippieness, von Foersters Verquickung von biologischen mit digitalen Systemen, SAGE und Arpanet als Reflex auf den Sputnikschock, informelle Treffen und Feste von Kulturmenschen mit Computerforschern und Strategen, die Studie von Adorno / Horkheimer über „Die autoritäre Persönlichkeit“.

No Limits, Just Edges. (Jackson Pollock, nicht im Film, aber von von Foerster sinngemäß zitiert.)

Einer steigt aus: Ted Kaczynski, der spätere „Unabomber“.

Von ihm, vom Manifesto, von seinen eigenen, das Netz rekonstruierenden Graphen ist Dammbeck allzu fasziniert, nach meinem Geschmack. Spannender finde ich vielmehr Gelernters Paradigma, demzufolge Software das Leben spiegeln kann und sollte: „Mirror Worlds“.

Habe keine Links gesetzt, der kurze Text würde fast nur aus solchen bestehen. Möge uns Dammbecks umfangreiche Website und die Wikipedia – das Netz – erhalten bleiben.

Objektivität und Gender in den Wissenschaften

Gestern Abend an der Humboldt Universität zu Berlin: Eröffnungsveranstaltung des Graduiertenkollegs „Geschlecht als Wissenskategorie„.

Lorraine Daston vom MPI für Wissenschaftsgeschichte hielt den Eröffnungsvortrag. Über die liberale und die radikale feministische Kritik am Dogma Objektivität, diesem historisch jungen Ersatz für die Kategorie Wahrheit, die nicht Erreichbare. Darüber, dass Objektivität nichtsdestotrotz sinnvoll und erstrebenswert ist. Über Werkzeuge, mit denen man solche Dogmen dekonstruieren und wieder neu zusammensetzen kann.

Wenn vor 100 Jahren die Psychoanalyse hier Vorreiterin war, so sei es heute die Gender-Forschung.

P.S.: Auch an der HU ist es leider üblich, dass der Präsident nach dem Austausch der Begrüßungsformeln den Saal verlässt.

Sartre

Jean-Paul Sartre ist heute vor 25 Jahren gestorben, bald nähert sich sein 100 Geburtstag.

Das Zeitalter der universellen Gelehrten, der kritischen Intellektuellen scheint ist vorbei, die Postmodernen freuen sich. Niemand ruft mehr „Einen Voltaire verhaftet man nicht“, wie de Gaulle anno ’68. – Was also bleibt?

Vielleicht der Schriftsteller (»Der Ekel«, »Die Wörter«)? Oder der Mythos der Paarbeziehung (PDF) mit Simone de Beauvoir?

Karikatur von philo.zm3.net


Brothers

Ein starker, ein harter, ein unbequemer Film. Wie viele Heimkehrer sind hierzulande schon Amok gelaufen? – Mich lässt die Totschlagszene gedanklich nicht los…

Beecroft Performance

Gestern abend an der Neuen Nationalgalerie (immer noch das architektonisch beste Haus Berlins!): Eine Performance (»VB55«) der Künstlerin Vanessa Beecroft (Flash-Alarm!), 100 wohl fast nackte Frauen, mit schwarzen, roten und blonden Haaren. Nicht nur „schöne“ Frauen, auch „hässliche“, also „normale“. Kein Durchkommen, Massenauflauf von Leuten, die weiß-der-Geier-was erwarteten, Absperrungen, privater Sicherheitsdienst und Polizei rings um die Nationalgalerie. (Fehlte bloß noch Schily im Hubschrauber, über allem.) Keine Chance, sich die Nase wenigstens an den Scheiben platt zu drücken.

Egal was die Performance bedeuten sollte, für mich korrespondiert sie mit der Ausstellung »Über Schönheit«.

Bild von DPA via SZ-Artikel, s.a. SpOn

[UPDATE:] Titel des Eintrages / der URL geändert; vielleicht gibt es nun nicht mehr so viele Irrläufer hier…