Monthly Archives: September 2005

Überflüssige Städte

Wieder einmal ein — wenn auch kurzer — Text zum Thema Schrumpfen. Ein brisantes Dauerthema, über den Tag hinaus weisend, aber noch ohne Diskussion in der ganzen Gesellschaft, trotz »Shrinking Cities«, IBA und all dem.

Vor einiger Zeit tat in der Zeit Herr Henrich etwas launig doch nicht unsymphatisch seine Meinung zum Thema als Nicht-Experte und Bürger kund:

Dann habe ich hier mehr Platz. Das Land hier war ja nie so dicht bevölkert wie der Westen. Hier sind zur Zeit der DDR die Leute hergeschafft worden, um die großen Kombinate mit Arbeitskräften zu versorgen. Ich kann mir eine ländlichere Struktur vorstellen in Brandenburg und Mecklenburg, die den Raum Berlin versorgt. Mit Nahrungsgütern, aber auch mit etwas, das den Namen Tourismus verdient. Das muss keine Katastrophe sein. Im Gegenteil, dann hört es endlich auf mit diesen Großprojekten.



Mies van der Rohe in Berlin

Es gibt von ihm in Berlin nicht nur die Neue Nationalgalerie, das für mich schönste Gebäude Berlins. In Dahlem steht ein Ensemble von zwei Häusern (Haus Perls 1911, pavillonartiger Anbau 1928, Haus Werner 1913), gebaut von Mies van der Rohe zwischen 1911 und 1928. Sie stehen exemplarisch für die unterschiedlichen, aufeinander folgenden Stile in seinem Frühwerk.

Zum diesjährigen Tag des Offenen Denkmals konnte man das Bauensemble, das eine Walldorf-Schule für behinderte Kinder nutzt, besuchen.

In Hohenschönhausen steht das allgemein zugängliche Mies van der Rohe Haus (Landhaus Lemke) aus dem Jahre 1932, das letzte Bauwerk Mies‘ vor seiner Emigration. Ein Denkmal mit einer wechselvollen Geschichte. Ein beeindruckend minimalistisches Wohnhaus, ich könnt‘ mir vorstellen, drin zu wohnen und mich wohl zu fühlen.

(Das Photo links ist von der Website des Mies van der Rohe Hauses.)

Wer mehr über das Leben und Werk von Ludwig Mies van der Rohe wissen möchte, sollte die Online-Ausstellungen von Hermann Kühn, Fachreferent für Bauwesen an der Universitätsbibliothek der Technische Universität Hamburg-Harburg, besuchen. Herr Kühn hatte lange Zeit diese (und andere) Online-Ausstellungen mit viel Material versehen und liebevoll gepflegt. Diese Seite ist eingestellt worden. Hier die gespeicherte Version im Web-Archiv – unter Umständen mit unvollständigen Inhalten oder Illustrationen.

Haus Perls mit Anbau:

    


Campus.Management.Innovation

Bin zwei sonnige Tage auf Info-Reise in Hamburg und Bremen gewesen: eine kleine Gruppe von Engagierten und Interessierten aus drei brandenburger Hochschulen will wissen, ob und unter welchen Bedingungen es modernere und service-orientierte Alternativen zur üblicherweise eingesetzten Software der HIS bzw. selbstgestrickten Excel- / Access-Lösungen gibt. Was liegt näher, als sich mit Anwendern einer sich geradezu aufdrängenden Lösung von den hamburger (Datenlotsen) über ihre Erfahrungen, über Chancen und Risiken zu unterhalten?

So ist’s dann intensiv an der Bucerius Law School Hamburg und der International University Bremen geschehen. (Und wir konnten dabei auch Einblicke in das Funktionieren von privaten Hochschulen bekommen.) Was passiert, wenn die Landesverwaltung auch die öffentlichen Hochschulen zur SAP-Anwendung zwingt, konnten wir in an der Hochschule für Künste sowie der Hochschule in Bremen erfahren. Und vom hamburger Multimediakontor gab’s Infos zum Stand der Dinge beim Projekt, die Unis und Hochschulen der Hansestadt mit einer einheitlichen Campus Management Software auszustatten.

Für den Besuch der zeitgleich stattfindenden Campus Innovation blieb kaum mehr Zeit als für den pointierten Vortrag von Prof. Kubicek, der verschiedene Campus Management Systeme verglich und von einer notwendigen Abenteuerreise für die Hochschulen sprach.

Der Tod und das Bild

Zeitreise

Vor 30 Jahren begann eine technische Revolution, die unsere Welt bis heute entscheidend verändert hat: Privatpersonen konnten plötzlich kleine Computer für zu Hause besitzen. Altair 8800 im Jahre 1975, der Macintosh des Jahres 1984, der allgegenwärtige PC, Rechenknechte, Spielzeug, Unterhaltung – 3sat bringt eine neue Dokumentation (24.09.2005, 17 Uhr).

(Tipp von Industrial Technology & Witchcraft.)


Kenneth Olsen, Digital Equipment Corporation, 1977:

„There is no reason anyone would want a computer in the home.“

Bill Gates, 1981:

„640 Kilobyte ought to be enough for anybody.“

Hier noch ein Tipp.

Tod




Im berliner Palast der Republik, in der begehbaren, kurz vor dem Abriss stehenden Ruine, findet seit gestern die Ausstellung »Fraktale IV – Tod« statt. Die beteiligten Künstler untersuchen

„das Phänomen Tod als erkenntnistheoretischen Fixpunkt. Das gesellschaftliche Wesen Mensch wird im Augenblick des Todes zum Einzelnen. Der Tod provoziert den intimsten Moment des Selbst.“

(aus dem Flyer)

Der Besuch lohnt sich, wegen der Kunst. Das Ambiente ist adäquat. Hier ein paar Fotos:


Mythen von den Britischen Inseln

Mythos Nr. 1: Irland und das benachbarte Königreich, also die Britischen Inseln, sind das Reich der Teetrinker.

In Wahrheit gibt es fast immer nur eine einzige Sorte von Verschnitt-Tee im Papierbeutel. Diese lässt man so lange in der Tasse bzw. Kanne ziehen, bis man ausgetrunken hat. So kann man den Genuss zum Ende hin steigern; wer den Beutel vorher rausnimmt, wird merkwürdig angesehen.

Mythos Nr. 2: Auf den Britischen Inseln sind Stout – wie Guinness – bzw. Ale unter den flüssigen die vorherrschenden Nahrungsmittel, zumindest in den Pubs.

Das mag einmal so gewesen sein, doch inzwischen dürstets die Inselbewohner auch nach Anderem. Cider zum Beispiel, den man dort nicht wie auf dem Kontinent als Wein, sondern als Bier trinkt. Und das mit zunehmendem Anteil. Auch wird immer mehr „real beer“ importiert.

Mythos Nr.3: Frau Thatcher und der Boom des „Celtic Tiger“ haben die Inselbewohner zu fleißigen Workaholics gemacht, die ohne Unterlass schuften.

In Wahrheit sind die Inseln das Reich der symphatischen Langschläfer: Nirgends – zumindest in den B&B – bekommt man vor 8 Uhr ein Frühstück, oft gar erst nach 9 Uhr. Dazu passt, dass nur 4% der Briten das Thema Arbeitslosigkeit als eine wichtige Frage der Gegenwart ansehen. (In Deutschland sind es 81%.)