Monthly Archives: Oktober 2006

Wieck, Eldena



Wissenschaft im Netz mit Open Access

Ein bißchen Werbung in eigener Sache: Am Donnerstag (26.10.2006) findet an der TFH Wildau eine Informationsveranstaltung zu o.g. Thema statt. Referenten und Disputanten werden u.a. sein:

– Prof. Dr. Walther Umstätter (HU Berlin), Impact-Faktor und elektronisches Publizieren im Internetzeitalter
– Prof. Dr. Martin Grötschel (TU Berlin), Open Access – Träume und Wirklichkeit
– Prof. Dr. Antje Krause (TFH Wildau), Publish or Perish
– RA Dr. Ulrich Möller (Berlin) und Stefan Hübner (Erich-Pommer-Institut Potsdam), Das Urheberrecht aus Sicht der Verlage und der öffentlichen Bibliotheken
– Dr. Helmut Voigt (HU Berlin), Umgang der Bibliotheken mit Open Access
– Dr. Jens Klump (GeoForschungsZentrum Potsdam), Open Access bei der Helmholtz-Gemeinschaft
– Marc Göcks (BTU Cottbus), OPUS-Publikationsserver

(Cartoon von plos.org; s.a. idw, scienzz)

Pervasive Computing

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat vergangene Woche die Studie „Pervasive Computing: Entwicklungen und Auswirkungen (PerCEntA)“ vorgestellt. Die gemeinsam mit dem Fraunhofer SIT, Sun Microsystems und dem VDI erstellte Studie beruht auf Befragungen und Tiefeninterviews internationaler Experten. Sie soll einen Überblick zu den technologischen Trends und möglichen Anwendungsfelder des Pervasive Computing geben, die sozioökonomischen Treiber und Bremser benennen sowie Auswirkungen dieser Technologievision aufzeigen. Einen besonderen Stellenwert haben Sicherheitsszenarien, deshalb werden Anforderungen für die Sicherheit und den Datenschutz im Pervasive Computing skizziert. Bisher ist nur eine Leseprobe mit der Zusammenfassung verfügbar, das vollständige PDF-Dokument soll im November online sein.

Wir erleben ja gegenwärtig, wie Technokraten und Sicherheitsfanatiker das Ausweiswesen, die Gesundheitskarte, die JobCard zu einer allgegenwärtigen Infrastruktur verquicken wollen, und genau dies meint Pervasive Computing (PvC): eine allgegenwärtige, nahezu nicht sichtbare Infrastruktur. Deren Bestandteile sollen nicht nur allerlei Kartenspiele sondern auch das sogenannte intelligente Haus, intelligente Verkehrsleitsysteme, ubiquitäre Medizintechnik und RFID-Chips auf jedem logistik- u/o sicherheitsrelevanten Item sein. Es geht um eine allgegenwärtige, kontextsensitive und mobile Verfügbarkeit von Anwendungsdiensten unabhängig von der Zielplattform. Alle Gegenstände der realen Welt werden Teil eines Informations- und Kommunikationssystems. Technisch ist das eine Fragestellung für das System Engineering (Embedded Systems und Kommunikationstechnik).

Ich bin auf die vollständige Studie gespannt, der Blick in die Leseprobe ist vielversprechend…

Open Access – The Road to Hell?

Unter dieser Überschrift hat die Zeitschrift B.I.T. vor einiger Zeit ein Thesenpapier von Dr. Rafael Ball, seines Zeichens Leiter der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich GmbH – einer öffentlichen Forschungseinrichtung in der Helmholtz-Gemeinschaft – veröffentlicht. Der Beitrag basiert auf einem Vortrag aus dem Jahre 2005 und hat folgendes Abstract.

Sieben Jahre nach der ersten Definition von Open Access hat die Realisierung des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen ganz konkrete Formen angenommen. Dabei sind die verschiedensten Wege beschritten worden. Die Bandbreite reicht vom Ideal des „freedom of information“ bis zur gnadenlosen Kommerzialisierung etwa durch die Open-Choice-Varianten einiger wissenschaftlicher Verlage. Der Beitrag zeigt anhand von sieben Thesen, dass Open Access in der Realisierung der „Golden Road“ ein Irrweg ist, Verlage keine Teufel sind und die wissenschaftliche Kommunikation gar keiner Revolutionierung durch Open Access bedarf.

Nun, die sieben Thesen sind mehr oder weniger Open-Access-Paradigmen, keine Thesen von Herrn Ball, aber von ihm in dieser zugespitzten Form präsentiert. Er zerpflückt diese vielmehr in seinen Augen, mit teils ziemlich merkwürdigen Argumenten. Ball will den angeblichen „Mythos Open Access“ entzaubern und sonnt sich dabei in den Anfeindungen von Open-Access-Protagonisten.


IT matters!

In seinem Vortrag zur IT-Strategie der FU Berlin zitierte Michael Wilmes Aussagen von amerikanischen Management-Theoretikern wie Mintzberg, Well, Ross, Nolan und McFarlan. Aus den Folien herausgepickt sind folgendes Zitat über die Rolle der IT als strategisches Instrument:

IT is one of six key assets (human, financial, physical, intellectual property, relationships and IT) that must be governed to create value. IT is an essential ingredient for business competitiveness.

(Well, Ross/MIT 2004)

sowie Aussagen zum Umfang des IT-Einflusses auf Unternehmen in Abhängigkeit von der Position des Unternehmens im jeweiligen Quadranten der strategischen Matrix: Unternehmen im Supportmodus sind am wenigsten von der IT abhängig, Firmen im Fabrikmodus sind abhängiger, haben aber wenig Interesse an einer strategischen Ausrichtung. Unternehmen im Umstrukturierungsmodus hoffen auf Impulse für die Geschäftstätigkeit durch die IT. Unternehmen im strategischen Modus sind von einer zuverlässigen und innovativen IT abhängig, um ihre Wettbewerbsposition zu verteidigen.

Hier noch drei Links zu diversen Papers, die sich mit dem für europäische und US-amerikanische Unternehmungen unterschiedlichen Effekt der IT auf den wirtschaftlichen Erfolg beschäftigen:
It ain’t what you do it’s the way you do I.T. – Testing explanations of productivity growth using U.S. affiliates
Productivity, Innovation and ICT in Old and New Europe
ICT and Productivity in Europe and the United States Where Do the Differences Come From?

(Links via Haken)

Weizenbaum. Rebell at Work.

Joseph Weizenbaum ist immer noch unbequem, greift immer noch die seiner Fachkollegen an, die vor lauter Allmachtsphantasien und blinder Wissenschaftsgläubigkeit ihr Können bewusst der Nutzung zu militärischen Zwecken zur Verfügung stellen.

Nun ist als eine besondere Hommage unter vielen der Dokumentarfilm „Weizenbaum. Rebell at Work“ von Peter Haas und Silvia Holzinger erschienen.

Endlich mal ein Film über Computer und Software, den man verstehen kann und der gesellschafts-politisch relevant ist.

Auf YouTube gibt’s den Trailer.

Ich konnte Weizenbaum im vorigen Jahr live erleben. Und ich hatte damals ein ganz und gar nicht euphorisches Empfinden; da war mir trotz Zustimmung im Einzelnen zu viel Geschichtsskeptizismus und Pauschalisierung. Eine gewisse Eitelkeit, die die werbenden Filmemacher nicht gesehen haben wollen, sei geschenkt bzw. unter dem Alte-Männer-Bonus verbucht.