Monthly Archives: November 2006

Studiengebühren

Ich stolpere gerade über das myStudy-Projekt des RMZ.dok der Uni Lüneburg. myStudy ist eine universitätsweite Plattform für dynamische Informations- und Kommunikationsdienste zur Unterstützung und Organisation der Präsenzlehre. Das System bietet vor allem personalisierte Stundenpläne, Vorlesungsverzeichnisse, Kommunikationsfunktionen (eMail-Listen, RSS, Schwarzes Brett) sowie Distributionsmöglichkeiten, z.B. für Vorlesungsskripte. (Eine Anwenderdokumentation findet sich auch dort, bei der FH Koblenz.)

Mit Beginn des laufenden Wintersemesters 2006/2007 wurden in Niedersachsen erstmalig Studienbeiträge in Höhe von 500 Euro von den Erstsemestlern erhoben. Um Kommunikations-Gaus wie an anderen Hochschulen vorzubeugen, gibt es im myStudy-Forum die Themenbereiche „Vorschläge zur Verwendung“ und „Beschlossene Maßnahmen“. In ersterem Bereich finden sich Vorschläge, Meinungen und Positionen der Studierenden, gelegentlich antwortet man von Seiten der Hochschulleitung. Im anderen Bereich versucht man die Maßnahmen zu kommunizieren, bislang allerdings fast ohne Echo.

Für alle, die das Thema „Studiengebühren“ bzw. „Studienbeiträge“ interessiert, ist ein Blick ins Forum mehr als einen Klick wert.

Wunsch und Wirklichkeit

So alt, doch immer wieder schön: What the User Wanted. Der Cartoon wurde laut Quibeldey-Cirkel zuerst in Brittan, J.N.G., Design for a Changing Environment. Computer Journal 23 (1980), Heft 1, S.13-19 veröffentlicht.

As proposed by the project sponsor As specified in the project request As designed by the senior analyst
As produced by the programmers As installed at the user’s site What the user wanted


hdl und cul8r

Im Blog Kulturwissenschaftliche Technikforschung wird der 7.Band „Duden Thema Deutsch“ angekündigt. Es geht um Sprache und Kommunikation in den Neuen Medien, sprich Web, Mail, Chatten, SMS, Blogs, Gästebücher usw. Und wie der spezifische Sprachgebrauch auf die deutsche Sprachentwicklung rückwirkt.

Dort gibt es das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe (eMail-Kommunikation).

(s.a. den Klassiker des Internet-Slangs, das Jargon File)

Computermusik

Paul von Dataisnature betätigt sich auch als Archäologe in Sachen Computergeschichte, und dies besonders, wenn Kunst mit im Spiel ist. Die Mainframe IBM 1401 (1959-1971), oder besser ein technisches Feature, inspirierte seinerzeit den isländischen Ingenieur Jóhann Gunnarsson dazu, die Maschine zum Erzeugen von Musik zu nutzen. Der Hauptspeicher emittierte starke magnetische Wellen, deren Art sich durch spezielle Programmierung beeinflussen ließ. Ein in der Nähe aufgestelltes Radio empfing diese Wellen und gab sie als zarten, sinusförmigen Ton wieder aus.

Gunnarssons Sohn und Musiker, Jóhann Jóhannsson, hat ein Album „IBM 1401 A User’s Manual“ herausgebracht. Die dazugehörende Website ist ein eher gelungenes Beispiel für Flash-Integration. Selbst die liebevoll eingebundenen YouTube-Videos sind ansehenswert.

[UPDATE:] Album-Ankündigung beim Schallplattenmann

Change Management

Dass Menschen Änderungen hassen, dass die grundlegende Reaktion auf Änderungen nicht logisch sondern emotional ist, weiß oder merkt man bei der Einführung von etwas Neuem in einer Organisation. Es ist zutiefst menschlich, und es stand schon vor Jahrhunderten in der Managementliteratur:

Denn wer etwas Neues einführt, hat alle diejenigen zum Gegner, die unter der alten Ordnung mehr Vorteile hatten und er bekommt nur wenig Rückendeckung von denen, die eventuell von der Neuordnung profitieren.

(Niccolò Machiavelli, »Der Fürst« [1513]; gefunden bei Tom DeMarco & Timothy Lister)

Copy ’n Paste

Das skrupellose oder naive Plagieren beginnt in der Kita, erreicht seine ersten Höhepunkte bei schulischen Hausarbeiten, manifestiert sich im Studium jeglicher Disziplin an den Hochschulen, und erreicht seinen vorläufigen Höhepunkt mit „z’amm‘ g’oogelten oder z’amm‘ g’nudelten“ Doktorarbeiten. Die meisten Lehrenden auf allen diesen Bildungswegstufen verschließen aus Unwissenheit oder eher wohl aus Bequemlichkeit die Augen.

Stefan Weber promotet mit diesem Artikel über die Krise der Kulturwissenschaften unter dem Plagiatsaspekt

Die Kulturwissenschaft wird zur abschreibenden Zunft, oder aber zur systematischen Umweltbelästigung durch wertlose Worthülsen und heiße Luft.

sein demnächst erscheinendes Buch »Das Google-Copy-Paste-Syndrom. Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden«.

[NACHTRAG:] s.a. diesen und jenen Beitrag zum Thema bei SpOn

[NACHTRAG 2:] Links zum mehrteiligen Artikel von Stefan Weber in Telepolis
Textueller Missbrauch (Teil 1)
Die abschreibende Zunft (Teil 2)
Wissenschaft als Web-Sampling (Teil 3)
Contentklau in Blogs und anderswo (Teil 4)
Reuse, Remix, Mashup – also: Plagiieren erlaubt! (Teil 5)

Alte Hüte

Alte Hüte müssen nicht langweilig sein, erst recht nicht, wenn man aus dem Mustopf kommt, und was ich derzeit so in Tom DeMarcos & Timothy Listers »Peopleware – Wien wartet auf dich« an beschriebenen Problemen lese, harrt in unseren Alltagen überwiegend immer noch einer Lösung.

Im Kapitel „Muster für erfolgreiche Raumgestaltung“ beziehen sich die Autoren auf den Architekten und Philosophen Christopher Alexander, seine »Pattern Language« (auf die sich wiederum Erich Gamma mit »Design Patterns / Entwurfsmuster« für die OOP bezieht) sowie sein Buch »The Timeless Way of Building«. – Eine Menge interessanten Stoffs, hier aber erst ‚mal wichtige Links zu Alexander und Patterns:

Christopher Alexander, seine Theorien und Bauten
»A Pattern Language« (kommentierte Summary, nicht mehr verfügbar [2010-04-03])
»A Pattern Language« (Search Inside bei amazon)
»The Timeless Way of Building« (Search Inside bei amazon)