Monthly Archives: Januar 2007

Langstreckenwandern in Norwegen?

Nach Dingle, West Highland und Great Glen Way wird es Zeit, sich ein neues Ziel, eine neue Tour zu suchen. Derzeit präferieren wir Norwegen, und deshalb fange ich ‚mal an, Informationen zu sammeln:

Outdoor-Blog von Jens Franke
Rondane Nationalpark
Netzwerk Weitwandern e.V.

Überflieger

Tagungshotels an Flughäfen sind ideal für Veranstaltungen mit Überflieger-Themen. Wenn man Glück hat, gibt es Häppchen, Getränke und buzzwords bis zum Abwinken. (Ich hatte Glück, es gab sogar Brunch.) Dazu kommt, dass Vortragende und Publikum an diesen Orten fast zwangsläufig multilingual sind. Das schult. Heute hörte ich bayrische, sächsische, schweizerdeutsche, ruhrpöttische und berlinische Töne. ITler, QMler, Prozessmanager aus diversen Branchen wie Pharma, Medizin, Consulting und Bestatter tummelten sich auf einem von iGrafx veranstaltetem Business Process Management Day. Der thematische Bogen reichte bis Compliance Management und Alignment der Prozesse an ITIL.

Es war ziemlich interessant, doch! Und Compliance Management muss sein! Sonst hält sich niemand an die fein dokumentierten Prozesse. Die Mitarbeiter sind zu intelligent, nutzen zum Leidwesen des BP-Managers Freiheitsgrade aus. Das geht, weil Gunter Duecks geniale Idee der Lean Brain Quality (»Erfolg und Effizienzsteigerung durch Null-Hirn«) noch nicht ausreichend bekannt ist. LBQ wird durch LBM erreicht, alle Intelligenz muss raus aus den Hirnen und rein ins System! Das wäre ein Segen für Prozessmanager. Aber das ist ein anderes Thema und ich schweife ab.

Doch auch das heutige Programm war nicht völlig satirefrei. So wurde der Vorteil eines Versionsverwaltungssystems für verteilt arbeitende Prozessmanager herzerwärmend anschaulich wie folgt beschrieben:

nur das wa eben nich auf der Festplatte arbeiten sonnern inna Datenbank

Oder als die Prozessbildchen und -daten als Webprojekt exportiert wurden:

is ja echt toll mit dem Innernet Explorer 7, da kann man Vergrößerung einschalten

Da war ich sprachlos.

Schnittstellen

Warum heißen Schnittstellen Schnittstellen, und nicht was sie eigentlich sein sollten: Verbindungsstellen? Weil Schnittstellen nie andauernd und richtig funktionieren und dabei auch noch wartungsarm sind. Weil Schnittstellen Schnittstellen sind, tun sie weh. Schnittstellen eben.

Martenstein rulez!

Harald Martenstein gelingt fast jede Kolumne, das ist schon etwas unheimlich! Heute geht’s um modern designte Kuchenteigrollen oder Steakklopfer.

Spießer

Christian Rickens hat ein Buch geschrieben, dass vielleicht auch auf den to-read-Stapel kommt: „Die neuen Spießer – Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft“. Das Buch soll eine fundierte Abrechnung mit den exponierten Vertretern der „neuen Bürgerlichkeit“ (z.B. Paul Nolte, Udo Di Fabio, Frank Schirrmacher, Matthias Matussek) sein, und ohne sich sinnlos an Einzelpositionen abzuarbeiten aufzeigen,

wie über die unterschiedlichen Stationen demographische Panikmache, latente Ausländerfeindlichkeit, angeblichen Werteverfall, angeblichen Ökowahn, die vermeintlich naturwüchsige Rolle von Frauen, Familie und Nation etc. ein allgemeines Backlash-Klima in der Politik vorbereitet wurde, dass es heute ermöglicht, reaktionäre Partikularinteressen als anthropologische Notwendigkeiten auszugeben.

(via Wir nennen es Arbeit; s.a. Klassefrauen)

Lebensmittelproduktion

Ist schon irgendwie komisch, diese zeitliche und räumliche Nähe: man kommt aus dem Film »Unser täglich Brot«, hat die beeindruckenden Bilder im Kopf – und an der nächsten S-Bahn-Station trifft man auf Massen von Besuchern der „Grünen Woche“.

[Update zu Bildermahl.]

Klasse Frauen

Thea Dorn hat ein Klasse-Buch über Klasse-Frauen geschrieben: »Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird.«

Nachdem die Feuilleton-Paschas Schirrmacher, Greiner, Mattussek und Konsorten den demografischen Notstand herbeigeschwatz und hysterische Gebärbefehle ausgerufen haben, nachdem die verdienten FeministInnen des vergangenen Jahrhunderts sich im ideologischen Abseits eingerichtet und isoliert haben, nachdem längst überwunden geglaubte Rollen- und Unterdrückungsmuster erneut Zuweisung erfahren und Akzeptanz bekommen… tut dieses Buch gut!

Thea Dorn schreibt über sich, ihre Erfahrungen. Sie interviewt 11 Frauen ihrer Generation über Männer und Frauen, Kinder und Beruf, Politik und Gesellschaft: Uta Glaubitz, Seyran Ates, Vera Bohle, Charlotte Roche, Ines Papert, Sarah Wiener, Katja Kullmann, Maybrit Illner, Silvana Koch-Mehrin, Efstratia Zafeiriou, Nahlah Saimeh. Alle Gespräche sind wirklich sehr spannend! Sie versucht, sie versuchen, eine Agenda für eine lebenswerte Zukunft, für vernünftige Rollenmodelle aufzustellen.

Das tut not, denn irgendwie scheinen verschiedene Ausprägungen von gleichaltrigen Frauen und Männern zur gleichen Zeit aber in verschiedenen Welten zu leben…

So weit so gut & mehr als einverstanden. Aber, liebe Thea Dorn, warum tappen Sie – im Schlusskapitel – in die gleiche Falle, in der ich schon so manche Geistes- & SozialwissenschaftlerInnen zappeln sah? Warum diese reflexartig anmutende Ablehnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Dass unsere genetischen, bio-chemischen Determiniertheiten „kulturell und edukativ“ überformt sind – wie Ihnen die forensische Psychaterin Nahla Saimeh so schön erklärt hat – macht unser Leben in unseren Augen „sinnvoller“, mehr nicht. Für uns Aufgeklärte gilt es auszuhalten und mit dieser „Überformung“ gewappnet das Beste daraus zu machen, dass unsere Willensfreiheit wenn vorhanden dann beschränkt ist. Und mit Ihrem Seitenhieb gegen die Säkularen, die Darwins „Entstehung der Arten“ angeblich zu einer heiligen Schrift machen, was Sie verheerend finden, sind Sie vulgären Interpretationen, sind Sie dem Sozialdarwinismus auf den Leim gegangen! Dabei haben Sie Seiten zuvor so vernünftig über eine schrumpfende (deutsche) Gesellschaft geschrieben! – Arten entstehen, Arten verschwinden. (Vielleicht auch wir.)

Schade, die letzten Sätze reißen Ihr Buch leider ein ganzes Stück weg vom Pol der Aufklärung. Das schadet dem Anliegen, das war unnötig.

Trotzdem: Lesebefehl, vor allem für erwachsene Männer!