Monthly Archives: Februar 2007

Kreuzungszahl

Vollständige, geradlinige Graphen sind Graphen, bei denen jeder Knoten mit jedem anderen Knoten durch eine gerade Kante verbunden ist. Die kleinstmögliche Anzahl von Kreuzungspunkten, die sogenannte Kreuzungszahl, ist selbst unter vereinfachten Bedingungen – keine Kanten dürfen genau aufeinanderfallen, keine Kante darf durch Knoten laufen, nicht mehr als zwei Kanten dürfen sich in einem Kreuzungspunkt schneiden – für beliebige Knotenzahlen nicht so einfach zu bestimmen, wie es scheinen mag.

Irrtum! Seit 1960 versuchen sich viele Mathematiker dieser Welt an der Lösung, bis zum Jahr 2000 hatte man die Kreuzungszahl für Graphen mit maximal 9 Knoten ausgerechnet. Erst.

Musik



Schlossplatz II

Da ja nun wegen ewigen Diskussionen und daraus resultierender Verschleppung aus dem berliner Central Park nichts geworden ist, mit Stimmanns Pensionierung aber nun plötzlich alles möglich scheint, schauen wir wieder gespannt auf den Schlossplatz. Leider nur als Zwischenlösung zeichnet sich dort inmitten lauter sandsteiner Kästen eine wolkige Kunsthalle des Architekturbüros Graft ab.

Die Zeit hat über die Sensation geschrieben: Immer locker bleiben. Die F.A.S. heute auch, aber da gibt’s leider nichts zu verlinken. Trotzdem ist der Text von Niklas Maak ein schöner und ein lesenswerter. Deshalb ein paar kurze Zitate aus „Das Anstattschloss“:

Der Kulturstaatssekretär André Schmitz hat grünes Licht für eine privat finanzierte temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz gegeben – für ein Ding, das, gemessen an der sonst üblichen Architektur in Berlins Mitte, so ungewöhnlich aussieht, als hätten es denkende Astralnebel aus dem All direkt auf den Schlossplatz geschleudert. Und wie revolutionär es ist, dass dieses Projekt jetzt tatsächlich gebaut werden soll – das versteht man nur, wenn man weiß, wie erbittert die Berliner Politik bisher jede Form von diesem Ort fernzuhalten versuchte, die aussah, als könnte sie nach 1820 entstanden sein.
[…]
Berlin nach 1990 wird vielleicht einmal die Psychoanalytiker beschäftigen, denn selten war Verdrängung so sichtbar wie im neuen Stadtbild: das Monströse, Offene, Undefinierte, Uneinheitliche, Zerfetzte, Kratzige, Abgerockte, Zusammengebrochene, die Freiräume, die die paradoxe Schönheit und die Energie des neuen Berlin ausmachten: All das wurde wegzementiert, zugebaut mit agoraphobischen Kästchen. […] Gegen die Logik des Entweder-Oder, die nur ein einziges, von historischen Schadstoffen bereinigtes Bild von Stadt zulässt, wird jetzt das Sowohl-als-auch gesetzt, das An- und Um- und Überbauen, eine Architektur, die eher das Zelt als den Granitblock und […] die Kistenbauer von Mitte zum Vorbild hat. Eine solche Architektur kann der Stadt nach der ästhetischen Steinzeit nur gut tun.

Dies ist ein lustvolles Update zu Schlossplatz. Und: Ja, ich schreibe „berliner“ absichtlich immer klein.

Spaghetti-Kreuzungen

Oh, das ist ganz nach meinem Geschmack!



This is a set of 25 ceramic tiles. The patterns are based on satellite imagery of major highway interchanges that have been built worldwide. These interchanges are some of the most expensive public works projects that take place which we simply take for granted. However, as seen from space they are beautifully complex and graceful. Materials: 15″ x 15″ white ceramic tiles with black glaze. The set includes of the largest interchanges worldwide.

Quelle: 100% tiles von Jim Termeer bei designboom.com, via BLDGBLOG

Medium Computer. Geschichte(n), Visionen und Phantasmen

Noch eine interessante Veranstaltung kündigt sich an, jedenfalls ist der Call for Participation viel versprechend: die Fachgruppe „Computer als Medium“ im Fachbereich „Informatik und Gesellschaft“ der Gesellschaft für Informatik e.V. plant im Juli an der Uni Lüneburg einen Workshop Hyperkult über das Medium Computer. Geschichte(n), Visionen und Phantasmen.

Es wird um die historisch frühe Über-Inanspruchnahme des Mediums Computer durch die Kybernetik, um vergebliche Prognosen wie Nelsons Xanadu, um überraschende Erfolgsgeschichten wie Social Software gehen. Um laute Ankündigungen und leise Begräbnisse also.

Im Kontext vom Das Netz & Die paranoide Maschine reizt mich auch dieser Workshop.

(via Kulturwissenschaftliche Technikforschung)

Transparenz

Auf die interessante Veranstaltung „Kontrolle durch Transparenz – Transparenz durch Kontrolle“ des Fachbereiches „Informatik und Gesellschaft“ der Gesellschaft für Informatik e.V. soll hiermit hingewiesen werden. Es wird spannende Workshops zu folgenden Themen geben:

• Demokratie und Onlinewahlen
• Wissenschaftliches Publizieren
• Nationale IT-Strategien im globalen Zusammenhang
• Job-Card
• Digitale Medien
• Informatik und Ethik
• Wissenschaft und Informatik
• Situation für Informatikerinnen

Später, danach, hier mehr dazu!

Solipsismus

Sol|ip|sis|mus, (auch) So|lip|sis|mus (m.; -; unz.; Philos.) Lehre, dass das subjektive Ich das allein wirkliche sei u. alle anderen Ichs nur dessen Vorstellungen [<lat. solus »allein« + ipse »selbst«]

So steht’s im Wahrig-Fremdwörterlexikon von 1999, und ich kannte diesen Terminus bisher nicht. Eine reale Instanz der Klasse Solipsismus kommt gelegentlich aber auch im beruflichen Alltag vor, und zwar immer dann, wenn Menschen davon überzeugt sind, mit einer Äußerung wie, „Das braucht man nicht.“ oder „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand haben will.“ oder „Wer braucht denn so etwas!?“ eine Anforderungsanalyse für Humbug erklären zu können. So nach dem Schema: Es geht doch nichts über meinen gesunden Menschenverstand – und sparsam (Arbeit, Zeit, Geld) ist das auch noch. Der Kunde und seine Interessen bleiben auf der Strecke.

Eine sogenannte Geschlossene Gesellschaft, ein verschworener Zirkel gleich Sozialisierter, vorzugsweise an der Peripherie oder in der Provinz angesiedelt, ist ein guter Wirt für diese Krankheit.