Monthly Archives: September 2007

Orlando

Zum Verfall des Privaten

Ich möchte Stefan Münz – nicht spontan sondern wohl überlegt – zustimmen, wenn er die Dramatisierer ins Visier nimmt, die den angeblich (aus ihrer Perspektive) unbedachten Verlust der Privacy in Zeiten von Web 2.0 beklagen:

Ihr lieben gesellschaftskulturellen Mainstream-Kritiker: bitte seid doch etwas kritischer mit euch selbst! Schließlich ist eure veröffentlichte Stimme ja auch euer Ich, und irgendjemand anderes könnte die so wie sie ist dumm und peinlich finden – vielleicht euer Arbeitgeber oder euer nächster Lebensabschnittspartner in spe. Versucht euch zu erinnern, dass ihr früher doch immer gegen den ganzen Privatisierungskram wart, und dass ihr oft genug selber erwähnt habt, dass “privare” das lateinische Wort für “rauben” sei. Vielleicht lernen diejenigen, die sich frühzeitig in Social Networks verewigen, viel eher die Lektion, mit offenem Visier durchs Leben zu gehen, zu Vergangenem zu stehen, weil es nachlesbar ist und sich schlecht verklären lässt.


Thermodynamik ganz praktisch

Ich lese gerade »Die Entstehung des Wohlstands. Wie Evolution die Wirtschaft antreibt« von Eric D. Beinhocker, aber ich stecke noch im 3. Kapitel. (Später sicher mehr zu diesem spannenden Buch.) Augenblicklich, an dieser Stelle, geht es um die Kritik an den immer noch kanonischen Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften, die auf den unausgegorenen physikalischen Erkenntnissen und deren platter Übertragung vor langer Zeit beruhen. Alles strebt nach Gleichgewicht, offene Systeme werden ignoriert usw..

Aber inzwischen, seit dem Ende des 19. (sic!) Jahrhunderts, gibt’s den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der kurz gesagt besagt, dass die Entropie als das Maß für die Unordnung oder den Zufallsgrad in einem System stets zunimmt. Beinhocker illustriert das mit einem Beispiel aus dem Alltag, das ich so einprägsam und zugleich amüsant finde, dass ich es hier bringe:

Wir […] stellen uns vor, der zweite Hauptsatz hätte unser Zuhause während einer arbeitsintensiven Woche von einem Zustand der Ordnung in einen Zustand der Unordnung versetzt. Wir beschließen, etwas Energie zu investieren, um die Entropie zu bekämpfen, und legen einen Putztag ein. Schrubbend und wischend verbrennen wir die mitgebrachten Kalorien, während Staubsauger, Spülmaschine und Waschmaschine Strom aus der Steckdose ziehen. Hochgradig geordnete Materie in Form von Essen, Kleidung, Reinigungsprodukten und so weiter dringt in unser Haus. Zugleich erhält das Universum seine Entropie zurück in Form von Wärme, die wir und unsere Geräte in die Umgebung abgeben, und Unrat, den wir der Müllabfuhr und der Kanalisation anvertrauen. Das System unseres Hauses importiert also Energie und Materie, um damit innerhalb seiner Wände mehr Ordnung zu schaffen, und gibt im Gegenzug Entropie in Form von Wärme und ungeordneter Materie an die Umgebung ab.


Neue Hochschulbibliothek eröffnet

Heute wurde unsere neue Hochschulbibliothek in Anwesenheit ministerieller und anderer Honoratioren feierlich eröffnet. Kommende Woche und damit rechtzeitig vor Semesterbeginn wird dann auch der Regelbetrieb anfangen können, denn noch sind nicht alle Gewerke mit ihren Arbeiten fertig.

Die Architekten Rebecca Chestnutt & Robert Niess als Spezialisten für das Bauen in / am Bestand haben einen genialen Raum entworfen, und ihre Vision wurde von den Bauherren auch fast so umgesetzt. Die Bibliothek (und die Mensa) der TFH Wildau befindet sich in einer denkmalgeschützten Lokomotivhalle der ehemaligen Schwartzkopff-Fabrik. Alle möglichen bisher gesehenen Fotografien und gelesenen Beschreibungen spiegeln die Wirklichkeit nur unvollkommen wieder. Deshalb: Kommt nach Wildau, und schaut es Euch an!

(s.a. Schlüsselübergabe für neue Bibliothek auf InetBib)

Bergener Pflaster

Blaue Keramik-Steine im Bergener Straßenpflaster:

     
     
     
     


Bergen

Zum Ende der Reise ging’s für 3 ½ Tage in die alte Hansestadt Bergen. In der es angeblich immer regnet. Wir hatten Glück, bei uns war dies nur am letzten Tag der Fall, dafür dann war es dann aber auch ein Dauerregen. (An solchen Tagen räumen die Schuhgeschäfte modische Gummistiefel in die Auslagen und erzielen damit sicher keinen geringen Umsatz.)

Glück hatten wir auch mit dem Quartier: da auch die Stadt Bergen voller Touristen war, konnte man uns kein egal wie teures Hotel- oder Pensionszimmer vermitteln. Dafür bekamen wir ein wunderschönes Privatquartier in einem Haus in einer kleinen Seitengasse im zentral gelegenen Quartier Marken.

Natürlich ist die Tyske Brygge, das alte hanseatischen, hölzerne Viertel am Hafen sehenswert! Ebenso die Marienkirche, Bergens älteste Kirche. Der Rosenkrantz-Turm und die Håkonshalle, die Fantoft-Stabkirche und das Grieg-Anwesen in Troldhaugen sind weitere unerlässliche Sehenswürdigkeiten. Mit der Fløibahn auf den Fløyen, einer von vielleicht 7 Bergen, die Bergen umgeben, zu fahren, hat sich gelohnt: prima Aussicht, prima Sonnenuntergang am dritten Abend. –

Bergen ist eine tolle Stadt!

Ein paar Bilder…


Wandern im Aurlandsdalen

Eigentlich sollte in Finse unsere nächste geplante Tour ins Aurlandsdalen beginnen. Wegen des miesen Wetters haben wir aber auf den Wanderführer gehört und umdisponiert:

If early season snow blocks your route from Finse you can join the Aurlandsdalen walk at Geiteryghytta via bus from Geilo.

Auch wenn der Schnee uns nicht wirklich aufgehalten hätte – es war einfach hundekalt! (2°C, Schneeregen und schneidender Wind)

Also mit der Bergenbahn Richtung Osten nach Geilo, herunter auf etwa 800m. Dort schien die Sonne. (Wir konnten unser vor der Hardangervidda-Tour dort deponiertes Gepäck holen, sparten uns also eine spätere Rückkehr.) Aber es war Sonntag, kein Bus fuhr mehr direkt, es sollte aber via dem Städtchen Ål gelingen. Also nocheinmal in die Bergenbahn, noch weiter nach Osten und weitere 200m tiefer. 17°C und Sonnenschein in Ål! Später ging’s dann tatsächlich mit dem Bus nach Geiteryg.

Nun ein paar die kurze aber sehr schöne Tour beschreibende Bilder und Kommentare; die dritte Etappe geht in Norwegens Canyon, der fotografisch kaum abbildbar ist.