Monthly Archives: November 2007

Are You Experienced?

Nein, früher war wirklich nicht alles besser, keine Frage! – Außer vielleicht…

Man wird doch wohl ‚mal ein paar Minuten an Jimi Hendrix denken dürfen! Und ’nen Song auflegen, zu seinem 65ten!

Dies nur, um auch (1,2) ‚mal etwas zum Thema Musik zu sagen…

Novembersätze

Nach Nummern ohne wirkliche Glanzlichter entschädigt mich die Zeit diesmal mit einigen wirklich guten Beiträgen. Merkwürdigerweise im Feuilleton.

Die Exil-Iranerin Marjane Satrapi (»Persepolis«) unterläuft mehrmals im Interview die Erwartungen der Fragerin, weist die westliche Deutungshoheit hinsichtlich korrektes Gebaren zurück. Und: sie hat „immer noch Sterne in den Augen“.

Der rumänische Film »4 Monate. 3 Wochen. 2 Tage.« von Christian Mungiu, eine ungeschönte „subjektive Bestandsaufnahme des Kommunismus in Rumänien“ gewann überraschenderweise in diesem Jahr die Goldene Palme. – Frau Radisch meint, vermutlich zutreffend:

Dass im glitzernden Cannes ausgerechnet dieser nackte, ganz auf die menschlichen und filmischen Grundbausteine reduzierte Film die Goldenen Palme gewann, erzählt nebenbei noch von einer anderen, ernst zu nehmenden Tragödie: vom Überdruss des Westens an sich selber, von der Sehnsucht nach einem Leben jenseits der Mattscheibe.

Dumm baut gut. So ist der Artikel über den Dresdner Elbbrückenbau-Skandal überschrieben. Dieser handelt von der typisch sächsischen Melange aus Korruption, Naivität, Obrigkeitsglauben und Hemdsärmeligkeit, handelt von eigenartigen Rechenkünsten, dem Betrug an den Bürgern sowie der Verweigerung eines Santiago Calatrava oder Norman Foster. – Evelyn Finger bringt für mich in diesem Artikel das gegenwärtige Ostdeutschland mit seinem Drang zu sinnlosen infrastrukturellen Großprojekten auf den Punkt, und zwar mit der Feststellung:

Weil auch die Brücke ein Symbol ist. Sie steht für Beschleunigung, Zweckoptimismus und Wachstumswahn im schrumpfenden Ostdeutschland. Sie ist eine Chiffre der trügerischen Hoffnung, dass man die real existierende Stagnation durch einen utopischen Kapitalismus beheben könne. Wo der Euro nicht mehr richtig rollt, wird künstlich Bewegung erzeugt. Denn das sind die großen Ängste der Brückeneuphoriker: vom Fortschritt abgehängt zu werden. Im Grünen Gewölbe hocken zu bleiben.


Ärger mit Linux

Mit Christian Kirsch hatte ich Anfang der 90er das erste Mal virtuell zu tun, es ging so weit ich mich erinnere um irgendeine Konfigurationsfrage in den Untiefen von XFree86. Ich schätze seitdem seine Sachkenntnis.

Nun hat er die Nase gestrichen voll von Linux auf dem Desktop, vom schon nicht mehr schleichenden Qualitätsverlust, von den ständigen Konzeptwechseln und damit einhergehenden neuen Baustellen zwischen den Versionen, z.B. bei den Filesystemen, der Soundunterstützung, der Grafikunterstützung. Kurz gesagt: ihm stinkt die fehlende Kundenorientierung.

Zwar geht es hier um Suse, und der Anlass ist die aktuelle Opensuse 10.3, aber man macht es sich mit einem Verweis auf andere Distributionen zu einfach. Irgendwann in ihren Lebenszyklen bauen alle ihren eigenen Mist. Nach dem letzten Linuxtag und dem darauf folgenden Antesten von Distributionen habe ich über den allerorten gefeierten Ubuntu-Kram nur kurz gelacht. Inzwischen kann ich dem eher konservativen Konzept des Original-Debian einen gewissen Reiz nicht mehr absprechen.

Wahl-Freiheit der Distribution schön & gut – aber eigentlich will ich arbeiten. Insofern möchte ich hier Kirschs letzte beiden Sätze unterstreichen:

Ein Schritt dahin könnte sein, den Anwender nicht als Opfer, sondern als Kunden zu sehen und statt fragwürdiger Verbesserungen im Untergrund ein kohärentes, intuitiv benutzbares, stabiles und gut dokumentiertes System bereitzustellen. Mac OS X existiert.

(sieh Editorial iX 12/2007)