Monthly Archives: Januar 2008

Open Education

Mit staatlichen Geldern geförderte Unterrichtsmaterialien sollen frei verfügbar gemacht werden! Das ist, kurz gesagt, das Ziel der Open-Education-Bewegung. Diese Initiative hat jetzt die Kapstadt Open Education Declaration verabschiedet. Diese basiert auf dem Grundprinzip, dass jeder die Freiheit haben sollte, Bildungsmaterialien zu nutzen, zu verändern, zu verbessern und weiterzugeben – ohne Einschränkungen. Sie bezieht sich damit auf die drei B-Erklärungen des Open Access (Bethesda, Budapest und Berlin).

Dies soll durch drei unterschiedliche Strategien erreicht werden:

1. Lehrende, Schüler und Studenten: Wir ermuntern Lehrende (Professoren, Dozenten, Lehrer etc.) und Studierende, aktive Teilnehmer der “Open Education”-Bewegung zu werden. Teilnehmen bedeutet: frei zugängliche Bildungsmaterialien zu erstellen, benutzen, oder zu verbessern; Praktiken umzusetzen, die auf offener Kollaboration und gemeinsamer Erschließung von Wissen als Teil der Lehre basieren; Freunde und Kollegen einzuladen, an der Bewegung teilzunehmen. Die Erstellung und Nutzung von frei zugänglichen Bildungsmaterialien sollte als integraler Teil von Bildung anerkannt werden.

2. Frei zugängliche Bildungsmaterialien: Wir regen die Autoren und Verleger von Bildungsmaterialien dazu an, ihre Ressourcen frei zugänglich zu machen. Lizenzbedingungen sollten die Nutzung, Veränderung, Übersetzung, Verbesserung, und Weitergabe des Materials ermöglichen. Es soll in technischen Formaten bereitgestellt werden, welche die Verwirklichung dieser Möglichkeiten unterstützen, und Nutzern verschiedener Computersysteme zugänglich sind. So weit möglich, sollten die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden. Idealerweise sollten auch Nutzer ohne Internet einbezogen werden.

3. Richtlinien und Politik: Regierungen, Verwaltungen, Schulen und Universitäten sollen frei zugängliche Bildungsmaterialien zu einem Thema mit Priorität machen. Bildungsmaterialien, die mit Hilfe von Steuergeldern erstellt werden, sollten offen zugänglich sein. Bei der Auswahl anerkannter Lehrmaterialien für den Unterricht und die Lehre, sollen “Open Educational Resources” Vorzug finden. Bildungseinrichtungen sollen aktiv frei zugängliche Materialien fördern und ihre Relevanz hervorheben.

(via InfoBib und Heise)

Literaturverwaltung

Literaturverwaltung, die persönliche Verwaltung von Quellen / Literaturstellen nicht nur für Veröffentlichungen sondern auch als Ersatz für Karteikarten oder zum Austausch mit anderen Interessierten, ist nicht nur im Hochschullalltag ein Thema. Beim wissenschaftlichen Arbeiten während des Studiums und danach kommt man mit einer Menge Literatur in Berührung: Bücher, Zeitschriftenartikel, Artikel aus eJournals, von digitalen Repositories usw.. Manches davon wird in eigenen Arbeiten verwendet werden, einiges sogar öfter und während längerer Perioden eigenen Lesens, Schreibens oder Publizierens. Oder beim Katalogisieren der Bücher aus dem heimischen Regal. Diese Quellen wollen wiederauffindbar organisiert und auf Basis plausibler bibliografischer Daten ordentlich zitiert werden können.

Mein Favorit für die etwas seriöseren Links und Papers ist ja das webbasierte (und bei Interesse auch kollaborative) BibSonomy, ein Projekt der Uni Kassel. Es funktioniert ähnlich komfortabel wie del.icio.us. (Man kann dort übrigens auch private Kopien der Dokumente ablegen!) Wenn es denn lokal auf dem PC sein soll, dann ist JabRef eine feine Sache, auch wegen der umfangreichen Export- / Import-Möglichkeiten.

Das Netbib-Blog listet Literaturverwaltungsprogramme auf und vergleicht diese etwas; in den Kommentaren gibt es Ergänzungen.

Perl, Syntax und Performance

Ich bin ziemlich verblüfft, welche Performance-Effekte eine kompaktere Perl-Syntax erzielen kann. Doch der Reihe nach:

Ein cron-Job fragt via isql eine Sybase-Datenbank auf einer Solaris9-Maschine ab, schreibt die Ausgabe in eine Textdatei. Diese Ausgabe besteht aus jeweils zu entsorgendem Header und Trailer sowie zeilenweise Mailadressen, die wiederum ein führendes und viele nachfolgende Leerzeichen haben. Ich möchte nur die Mailadressen in einer Zeile haben, diese Datei mit etwa 5.000 Zeilen / Mailadressen wird abschließend in das Listen-Verzeichnis des Majordomo kopiert.

Nachfolgend sei die innere Verarbeitungsschleife der perligen Mailadressen-Extraktion in der jeweiligen Variante gelistet, sowie die Laufzeit (dritter Aufruf, also etwas Caching) des gesamten Shell-Skriptes (mit isql-Abfrage, Perl-Skript sowie Kopiererei) angegeben:

Einpacken, Aufbruch (3)

So ein Haus zum Schildknecht in der Mainzer Heiliggrabgasse hat eine komplett andere Aura und etwa 150 Jahre mehr Geschichte als so ein Berliner Gründerzeit-Haus.

  

Nokia und der Mindestlohn

ZEIT-Grafik/Illustration: Anne Gerdes

Zu beiden Themen, zum aktuellen Fall der Schließung des Bochumer Werkes und in der Diskussion über einen branchenübergreifenden gesetzlichen Mindestlohn, erlebe ich vor allem eine unglaubliche Naivität, Populismus, heuchlerische Wertepostulationen und moralische Entrüstung sowie wirtschaftspolitischen Unsinn seitens der Disputanten. Es ist Wahlkampf, ja, aber zu befürchten ist: die meinen das wirklich so wie sie es sagen.

Ich spitze zu, aber die Nokia-Manager machen das, was betriebswirtschaftlich sinnvoll und rechtlich zulässig ist. (Bei schlechter Kommunikation, ja.) Andernfalls würden sie irgendwann vom Aufsichtsrat und den Aktionären abgestraft werden. Und auch von den Verbrauchern, wenn die Preise für die Mobiltelefone nicht mehr marktgerecht sein würden. (Aber das, was so ein Handy kostet, kümmert ja die, die jetzt ihr Dienst-Gerät medienwirksam zurückgeben, eh‘ nicht.) Der Fall zeigt eigentlich ganz klar, dass eine Wirtschaftspolitik, die mit Bestechung aus Steuergeldern internationale Großkonzerne ansiedeln will, so etwas von bescheuert ist und nicht verstanden hat, was zum Beispiel Globalisierung wirklich ist. Was hätte man mit den gleichen Subventionen nicht alles für lokale Mittelständler tun können! Oder auch für Firmen, die oder deren Produkte einen wirklichen Standortbezug haben! Oder für eine Qualifizierung, die zu mehr als dem Montieren von Mobiltelefonen befähigt! Kurz gesagt, in meinen Augen haben in diesem und vergleichbaren Fällen die Politiker versagt, nicht die Manager. Umso mehr streuen Erstere nun Sand in die Augen der Betroffenen.

Hinsichtlich des moralischen Postulats, dass Jeder von seinem Arbeitslohn angemessen leben können soll… der Markt das aber nicht hergäbe, es also gesetzliche Mindestlöhne brauche, kann ich ebenfalls wieder nur eine große Heuchelei entdecken, hinter der vermutlich nichts als der Wunsch, Wählerstimmen zu fangen steckt. Zunächst: Ein gesetzlicher Mindestlohn hebelt Marktgesetze aus, man sollte versuchen, sich über die Folgen vorher ein Bild zu machen. Ein gesetzlicher Mindestlohn hilft denen, die zu etwa diesen Konditionen in Lohn und Brot stehen und grenzt alle die aus, bei denen es nicht der Fall ist, führt Letztere (wieder) der staatlichen Alimentation zu. (Das ist altes Gewerkschaftsdenken, das sich auch nur um die kümmert, die drin sind im System.)

Hochschulreformen

Unser Leben heute sieht für Akademiker auch hinsichtlich alltäglicher Work-Life-Balance anders aus als im vorigen Jahrhundert. Dies wirkt auf Schule, Ausbildung, Studium zurück, verändert auch diese Lebensbereiche. Das, was Bologna Prozess genannt wird, krempelt die Hochschulen derzeit um. Moderne Managementmethoden* müssen Einzug halten, nach der Ordinarien-Universität scheint nun langsam die palavernde Gremien-Universität an ihrem historischen Ende angekommen zu sein.

Doch die Größte der Reformen kommt erst noch: die konsequente Separierung in Lehr- und Forschungshochschulen, in Bacheloranstalten auf der einen Seite und Graduiertenausbildung auf der anderen. Für einen Teil der Hochschullehrer wird die Einheit von Forschung und Lehre irgendwann nicht einmal mehr auf dem Papier als Ziel genannt werden… Und für die Studierenden muss das nicht schlecht sein – wenn endlich der Irrweg einer verschulten Bachelorausbildung aufgegeben, zumindest um ein verbindliches, orientierendes Studium generale erweitert wird.

In der aktuellen Zeit gibt’s im Chancen-Teil einen Schwerpunkt „Die Zukunft der Universität“ mit guten Einzelartikeln. Online sind bisher der Aufmacher „Der große Feldversuch“, ein nachdenkliches Interview mit dem Reform-Protagonisten und Ex-DFG-Chef Frühwald: „Wir sind zu kleinmütig“, ein Widerspruch gegen sog. neoliberalen Wandel: Das Effizienzmärchen sowie eine Glosse über die Provinzialität der deutschen Hochschulen.

Weitere lesenswerte Zeit-Artikel zum Thema:
Runderneuert. Die wichtigsten Neuerungen des Veränderungsprozesses.
Extellenzförderung: Viel für die Forschung. Wo aber bleibt die Lehre?

* s. a. Organisationsentwicklung in Hochschulen, HIS:Forum Hochschule, 14/2007 (Dokument, Presseerklärung)

Einpacken, Aufbruch (2)

Ein Umzug ist ja immer die ideale Gelegenheit zum Aufräumen, zum Abschied von bisher mitgeschleppten, einem einst als unverzichtbar erscheinenden Dingen. Aufräumen z.B. im Bücherregal, Anbieten obsoleter Fach-Titel. Oder den PC von 2001 dekonfigurieren und samt Peripherie verschenken. – Man erlebt so manche kleine Überraschung dabei.

Zum Staunen allerdings bringt mich ein Vergleich eingeholter Angebote zum Höchstfestpreis von drei Umzugsfirmen. Alle drei schickten ihre Spezialisten zur Begutachtung des Umzugsgutes, bekamen das Gleiche zu sehen und den gleichen Text zu hören. Doch sie zogen ziemlich unterschiedliche Schlüsse: