Monthly Archives: Oktober 2008

Holly Cole singt Tom Waits

Holly Cole mit ihrem Quartett startete gestern eine herbstliche Europatour – in Mainz. Am Abend zuvor aus Kanada eingetrudelt – wenn ich sie richtig verstanden habe – brauchten sie und wir zwei, drei Songs, um warm zu werden. Aber danach, welch‘ Spielfreude! Die Songs von Tom Waits (und Captain Beefheart) verlangen ja einiges an instrumentaler Artistik. Vielleicht muss man jetlagged sein, um letztlich so gelöst aufzuspielen.

Die Chance, das zu erleben, gibt es noch in Ludwigsburg, Ingolstadt, Mannheim, Hamburg, Bremen, Bremerhaven und Oldenburg.

(s.a. Main Rheiner)

Wer die Rose ehrt

Cäsar ist tot, seit gestern. Lese ich eben auf der Wikipedia-Hauptseite.

Stolen from strangers

Dieses Album kann ich allen, denen Schubladendenken beim Hören von Musik fremd ist, nur empfehlen! Der japanische Trompeter Jun Miyake hat mit Arto Lindsay, Lisa Papineau u.a. sowie Tuba, Cello, Chor, Sinfonieorchester, allerlei Schlagwerk, Gitarre und Samples ein traumhaft schönes Album gebastelt. Bossa Nova ist ein Grundmotiv, beschreibt diesen Sound aber nur völlig unzureichend. Es ist kein Cool-Jazz, keine Weltmusik, kein Trip-Hop. Alles ist sehr raffiniert miteinander verwoben, aber ganz und gar nicht „verkopft“.

Übrigens: diverse Soundschnipsel, wie z.B. bei iTunes, zeigen den Schwachsinn dieser Kauf-Anmache: wenn die ersten paar Sekunden schon für das Werk sprechen können sollen, muss dieses ein ziemlich langweiliges sein.

Der Tipp zu Miyake / »Stolen from strangers« kam via Rezension in einer Zeitung. Online-Rezensionen finden sich aber auch (1, 2, 3).

Dreh das Fernsehen ab

Ich bin in einen kleinen, feinen Text über Georg Kreisler geraten, darin wird eines seiner vorgeblich besten Lieder zitiert. – Auch ein Beitrag zur „Qualitätsfernsehendebatte“.

Dreh das Fernsehen ab, Mutter, es zieht!
Auf den Feldern reift gestriges Gemüse.
Die Antennen wachsen langsam durch die Wiese.
Wer noch jung ist, wird schon jede Woche zäher.
Und die Tränenfabrikanten kommen näher.

Karsten Troyke singt das Lied im Hackeschen Hoftheater Berlin: YouTube.

Der Partyschreck

Es wurde viel geschrieben über Reich-Ranickis Frustausbruch, Aussetzer, Kritik oder wie auch immer man das nennen mag. (s.a. 1, 2, 3, 4)   „Eklat“ titelten so manche, „Spielverderber“ bisher niemand, so weit oder kurz ich sehe.

Martenstein ist es gelungen, in traumhaft zielgenauen Sätzen – die durch den Raum zischen wie geworfene Messer – das ganze System in seiner ärmlichen Zirkularität bloß zustellen: „Der Partyschreck“. Er kommt dabei ohne Satire oder Ironie aus, ungewohnt und merkwürdig für Liebhaber seiner Kolumnen. Gar vom teilnehmenden Beobachter ist die Rede…