Monthly Archives: Januar 2009

Enlightenment

Es lebe die Aufklärung.

Das ist leider nicht mehr selbstverständlich.

Tempelhof

In Berlin dilettieren lokale Fürsten, gewählte und verbeamtete Politiker sowie Parlamentarier ja gerne geschichtsvergessen und sendungsbesessen am Stadtraum herum. Siehe das Beispiel „Schloßplatz / Palast der Republik“.

Ich bekenne mich erneut zu auf dem ersten Blick unvernünftig erscheinenden alternativen Ideen. In o.g. Fall war das Central Park Berlin (2001).

Jetzt kommt „Mountain Tempelhof“ hinzu, eine wahnsinnig spannende, auch provozierende Idee! (s.a. SpOn)

UPDATE: Berlin am Meer ist auch eine interessante Idee! (via Pruned)

Auf’m Campus #15 (Humboldts Erben?)

Heute sah ich im Studentischen Service Center eine Fotoausstellung von Nina Pieroth: Humboldts Erben. Die Bilder sind bzw. gehören zu ihrer Diplomarbeit hier an der Hochschule (FB Gestaltung, Lehrgebiet Fotografie).

Die Fotos finde ich nicht schlecht, die Triptychon-Idee interessant; man kann sie sich auch auf ihrer Website ansehen.

In der Ausstellung hängen neben den Fotos Statements der Porträtierten, die allesamt Studierende jenseits des 20. Fachsemesters (überwiegend Uni Frankfurt, vermutlich) sind. Alle sehen sich nicht mehr gerne als Studenten, haben innerlich damit abgeschlossen, wollen eigentlich nur noch irgendwie einen Abschluss.

Wie man auch zum Humboldtschen Ideal damals und heute stehen mag: sind das seine typische Erben?

Kulturkampf im Darwin-Jahr

Das feine Poster gibt’s beim Haken.

Starke, auch polemische Worte von kamenin in einem langen Beitrag zu Evolution und den Windungen der Theologie finden meinen ungeteilten Beifall:

Als Wissenschaftler sollte man sich nicht von Theologen den Mund verbieten lassen. Es ist wesentlich, dass man in der Darstellung darauf Rücksicht nimmt, was wissenschaftliche Messung und was philosophische Ableitung ist […] Im Gegenteil: die Philosophie und all ihre noch weniger wissenschaftlichen Unterdisziplinen haben lange genug Aussagen über das Weltbild gemacht. Es wird Zeit, dass diejenigen die Philosophie an sich nehmen, die eh mit der einzig brauchbaren Motivation an die Sache herangehen: etwas über die Welt herauszufinden.

Dass das Theologen nicht gefällt, sollte niemanden überraschen.

Dass Naturwissenschaftler Latten zu überspringen hätten, die ihnen Theologen aufgelegt hätten, die jetzt mit Punktkärtchen am Rand stehen und das alles beurteilen wollen: das ist Gott sei dank vorbei. Und irgendwann wird vielleicht sogar in der Politik ankommen, dass Theologen die letzten sind, über deren Stöckchen man springen muss. Die Malaise um Fototermine mit Bischöfen nie verlegener Politiker und Medien ist mit schuld daran, dass auch ehrenwerte Theologen heute noch ein so verzerrtes Selbstbild von sich selbst haben können, qua dessen sie Begutachter sein wollen, was statthafte Metaphysik sei.


Auf’m Campus #14 (Vom Hessischen Landboten zum Darmstädter Stadtboten)

Ich weiß nicht, ob anderswo als in einem studentisch-selbstverwaltetem Café mehr antikapitalistische Druckerzeugnisse ausliegen; hier übrigens meist unbeachtet. Heute fiel mir ein 4seitiges Blättchen in die Hand, dass schon vom Namen her Assoziationen weckte: „Darmstädter Stadtbote“. Die Berühmtheit von Georg Büchners »Der Hessische Landbote«, auf den sich die Macher tatsächlich beziehen1, wird das Pamphlet sicher nicht erreichen, ist doch die Klientel heute aufgeklärter als 1834 und differenzierteren Argumentationen zugänglich.

Auch wenn man manchmal daran zweifeln mag.

1 So wird „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ zu „Krieg den Hütten, Paläste für alle!“