Monthly Archives: März 2009

Wiedererkennung

Gestern, Samstag Nachmittag: in Ludwigshafen Hbf, also in einer anderen Welt angekommen, dann durch unbeschreibliche innerstädtische Leere, Verlassen- und Verkommenheit zum WHM gegangen…

Wer spüren will, wie es im versunkenen Osten Deutschlands war (und an manchem Ort ist), der kann es dort in der Arbeiterstadt in der Rhein-Neckar-Metropolregion erleben.

Altruismus, Amokläufer, Attentäter

Wie sind Selbstmordattentäter und Amokläufer zu diesen geworden? Was ist notwendige Voraussetzung, welche Fehlanpassungen gibt es, wie wichtig ist die religiöse u/o kulturelle Differenz?

Im Kapitel „Helden und Terroristen“ ihres Buches „Der Darwin-Code“ erklären Thomas Junker und Sabine Paul basierend auf den statistischen Untersuchungen terroristischer Anschläge der letzten Jahrzehnte die biologischen Hintergründe, die evolutionäre Logik dieses Verhaltens.

Diese 26 Seiten sind das Erhellendste zum Thema, das ich bisher lesen konnte. Mit diesen Basics im Kopf müsste man sich »Paradise Now« noch einmal ansehen (können). Denn wir haben seit Tausenden von Jahren, wir werden auf absehbare Zeit es weiter mit diesen Phänomen zu tun haben.

P.S.: Sascha Lobo fasst pointiert in einem einzigen Satz die „Erlaubtheiten“ zusammen, mit denen unsere politische Kaste den Handlungsrahmen absteckt.

Command-line Fu

Eine interessante, neue(?) Fundsache für Geeks:

Command-line Fu < The best UNIX commands on the web

(via Haken)

Kulturkampf

Man ist ja fast versucht, Herrn Reuß auf erprobte Art als „Professor aus Heidelberg“ zu denunzieren…

Der Herr Reuß wurde zornig, weil er von ihm mit herausgegebene Kleist- und Kafka-Briefe (deren Urheberrecht abgelaufen ist) bei Google-Books entdeckte. Dieser Zorn und einiges Open-Access-Ressentiment entlud sich in einer Polemik in der FR, wilden Repliken (z.B. hier wieder in der FR oder dort als Machtergreifungs-Phobie in der FAZ) auf Gegenargumenten und kulminiert gegenwärtig wohl im Heidelberger Appell. Er und seine Unterstützer werfen Open Access und Google in einen Topf, schreien: „Enteignung“! Ein Kulturkampf tobt.

Zur Genese: Gudrun Gersmann‘ Antwort in der FAZ (dort zitiert und kommentiert) hatte ich im Flieger ans andere Ende der Welt gelesen. (Und dann die Sache vergessen.) Matthias Spielkamp hat heute im Perlentaucher (Open Excess: Der Heidelberger Appell) eine umfassende und überzeugende Kritik an den Umtrieben von Reuß & Co. geliefert. Klaus Graf sammelt und kommentiert auf Archivalia das Medienecho und die Standpunkte. (Derzeit und in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10). Selbst bei golem.de gibt es einen informativen und kritischen Überblick: Ein Kulturkampf um das Wissen.

Es sieht so aus, als verdeutliche die Kampagne – und welche Unterstützer diese findet – wieder einmal den tiefen Graben zwischen Geistes- und Natur- bzw. Technikwissenschaftlern. Schade, dass von mir geschätzte Literaten und Wissenschaftler (Theweleit, Kehlmann, Braun) zu den Appellunterzeichnern gehören.

[UPDATE:] s.a. KULTURTECHNO, Materialsammlung bei Infobib

Neuseeland: Die Tour (Nordinsel, Teil 2)

Dies ist der Teil 2 des Berichtes von der Tour auf der Nordinsel, die Tage 10 bis 11. Der erste Teil versteckt sich hinter diesem Link.

Tag 10:
der Regen ist vergessen, ein durchweg sonniger Tag für den Ausflug nach Herbertville am Cape Turnagain sowie nach Porangahau (dort eine Überraschung: Duke of Edinburgh, ein Original schottischer Pub und Backpackers!)

am Cape Turnagain     am Cape Turnagain
am Cape Turnagain     am Cape Turnagain
am Cape Turnagain     am Cape Turnagain


Neuseeland: Die Tour (Nordinsel, Teil 1)

Nach über einem Tag Flugreise und Transitaufenthalten, Bus, Fähre und Fußmarsch ist es von der Tageszeit her 12 Stunden früher, saisonal aber ein halbes Jahr später. Der Sommer hat seinen Höhepunkt gerade überschritten, wir schlagen im spartanischen Budget Backpacker im subtropisch anmutenden, regennassen Busch auf. Wir sind auf Waiheke und beginnen uns an den ohrenbetäubenden, auf- und abschwellenden Zikadenlärm zu gewöhnen.

Waiheke war eine gute Wahl für den Anfang, zur Akklimatisierung: Ausschlafen, kleine Wanderungen, eine Stippvisite im Vineyard inklusive Tasting, ein falscher Feueralarm nachts um halb Drei sowie ein super Essen mit gratis Ocean View – was will man mehr für den Anfang?

Die Küche überhaupt: eine große Überraschung! Eigentlich waren wir auf die tägliche Ration Fastfood à la Fish&Chips eingestellt, konnten uns aber zu unserem Erstaunen fast täglich über leckeres und sehr gut anzusehendes Essen aus fantasiereicher (unbekümmerter) „Fusion-Küche“ erfreuen.

Der günstige Kurs des Euros zum Kiwi-Dollar macht’s möglich. Womit wir bei der globalen Finanzkrise wären, die natürlich auch in Neuseeland zu spüren ist: Gefühlt jede zweite Immobilie steht zum Verkauf, die Makler haben alle Hände voll zu tun. (Das kann nicht nur an der außergewöhnlichen Mobilität der Kiwis liegen.) Und fast jede Straße wird an vielen Stellen aufwändig repariert. (Das sieht nach „Konjunkturpaket“ aus.)

Was macht gerade Neuseeland so attraktiv für deutsche Urlauber und Auswanderer? Neben den geografischen Reizen hat es wohl auch einen mentalen Aspekt: Neuseeland ist das „bessere“ Deutschland. Alles ist geregelt, gar überregelt (siehe die Auswahl der vielfältigen Verbotsschilder), doch alle halten sich freiwillig daran – und sind dabei ganz entspannt. Man ist sehr freundlich (enjoy your day / walk / holiday hört man mehrmals am Tage). Ich habe noch nie so viel saubere Straßen und Plätze gesehen, flächendeckend! Nirgends liegt auch nur ein Fitzel Abfall herum, die Dörfer wetteifern um das schönste ihrer Art (und strahlen dabei eine biedere Langeweile aus). Organic und Biosecurity sind die allgegenwärtigen Schlagworte, „Keep New Zealand clean and green!“ stand symptomatisch dafür auf einem Schild am Strand. Kurz, Neuseeland ist, wie eine (heimliche) Mehrheit hier Deutschland gerne haben möchte.

         


Auffällig ist die allgegenwärtige Sorge der Neuseeländer um ihre native (oder gar endemische) Fauna und Flora. Das fängt mit der Biosecurity-Behörde auf dem Flughafen an („Zeigt her eure Wanderstiefel, ihr Rucksacktouristen! Wollen doch ‚mal sehen, ob der Dreck unter den Sohlen wirklich alt und ungefährlich ist.“), und endet nicht mit den zahlreichen überfahrenen Possums auf den Straßen. (Es sieht nach „Abschussprämie“ aus, gibt es davon doch mehr als Schafe.) Das Alles trägt fast schon paranoide Züge. Dazu steht im krassen Gegensatz, wie meine liebe Reisebegleiterin bemerkte, dass die Kiwi-Wirtschaft international fast ausschließlich mit „Importiertem“ erfolgreich ist: Kiwi-Früchte, Äpfel, Wein, Schafe, Rinder,… (Etwas surreal dann: In der selbsternannten Kiwi-Welthauptstadt Te Puke [Kiwi360] gibt es derzeit nur italienische Früchte zu kaufen; die einheimischen sind noch nicht reif.)

In Stichworten noch ein paar Reisedetails und vielleicht Tipps für Interessierte sowie Fotos (ein beherzter Klick auf die Vorschau-Bildchen zeigt diese etwas größer:

Der Westen und der Osten

Rudolf Maresch erklärt auf Telepolis in einem zweiteiligen Artikel
Der Osten wird der „neue Westen“
Der Westen wird zum alten Osten
sehr plausibel und lesenswert, warum in ein paar Dekaden sich die globalen Machtverhältnisse umgekehrt haben werden.

Übrigens: Auf die von ihm angesprochene Schanghai-Connection bin ich 2006 in der NZZ / hier im Blog gestolpert.