Monthly Archives: September 2009

Einwanderung

Wer Häuser repariert, ist zwei Jahre, wer neue aufbaut drei Jahre frei von Steuern.
Schrecker, »Zuwanderung im Wonnegau«, in: Heimatjahrbuch Alzey Worms 2005, zitiert auf rheinhessen.de


Die Bevölkerung Rheinhessens hat insbesondere in der Vergangenheit viele Impulse von Außen erhalten, durch Zuwanderung. Davon gibt es auch bauliche Zeugnisse, die Trulli der italienischen Gastarbeiter des 18. Jahrhunderts (s. dort) und das barocke Puricelli-Haus italienischer Kaufleute in Bingen zum Beispiel.

Im 16. und 17. Jahrhundert war die Einwanderung vor allem eine Folge von weitsichtiger Siedlungspolitik, die vor allem auch religiöse Vertreibungen für die Betroffenen milderte und am neuen Ort zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Innovationsschub führte. So kamen u.a. aus Frankreich Hugenotten. Das damals kurpfälzische Rheinhessen war eine durch Kriege weitgehend verwüstete und entvölkerte Landschaft. Also gab es Anreize, s.o..

In Oppenheim am Rhein steht aus dieser Zeit noch der eindrucksvolle Hugenottenhof.


Altweibersommer

Warme Spätseptembersonne, heute am Rhein. Dieser führt Niedrigwasser, Inseln treten hervor, die die Menschen in Besitz nehmen. Der Weg liegt voller Eicheln, irgendwann gewöhnt man sich an das Knallgeräusch, das der darüber rollende Reifen des Fahrrads verursacht. In den Rebstöcken an der Rheinfront, am Roten Hang wird bereits von Hand gelesen, die Trauben sehen teils sehr reif aus. (Weitere warme, sonnige Tage können nicht schaden.) In den Straußwirtschaften bleibt kein Tisch frei.

Nirgends hört man Gespräche zur heutigen Wahl.

Niedrigwasser

Heute nachmittag am Rhein, bei Mainz-Weisenau. Plötzlich tauchen da Inseln auf, fast wie Lagunen.

Feiern

Die Mainzer haben immer einen Grund zum Feiern. Sicher auch Morgen.
Wein geht zwar immer, aber notfalls kann man auch mit einer Drehorgel etwas nachhelfen. (Detail einer solchen, die heute am Markt stand.)

Pablo Neruda. Der Reisende

Der Vers fällt auf die Seele wie der Tau auf das Grasland.
(Y el verso cae al alma como al pasto el rocío)

Pablo Neruda, »20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung (Viente poemas de amor y una cancion desesperada)«, 1924


Noch eine Reise in die Vergangenheit, zu einstigen Helden, nach PPP nun Pablo Neruda. »Pablo Neruda. Der Reisende. Dichtung und Musik« hieß das Programm im Antiquariat am Ballplatz in Mainz. Hermann Heiser rezitierte, Thomas Humm (Piano), Florian Werther (Bass), Axel Grote (Blasinstrumente) sorgten für den musikalischen Part. „Dichtung und Musik“ muss man hier wörtlich nehmen: das, was zu Hören war, war eine Vertonung der Gedichte, Musik und Text verschieden eng verzahnt, manchmal nur Klangmuster, manchmal Improvisationen, manchmal durchkomponierte, jazzige Songs. Also war es ein Quartett. – Neruda selbst soll übrigens seine eigenen Gedichte sehr melodisch gesprochen haben.

Das ausgewählte Programm enthielt keine Liebesgedichte, keine politischen Texte. Es ging einzig um Nerudas Reiseerfahrungen und seine Poetik, also um Landschaften (Ozean, Wüste), Tiere (Hunde, Vögel), Häfen usw. und um das Schreiben (»Ars Poetica«).

Die Geschichte im sehr empfehlenswerten Film »Il Postino« von 1994 basiert auf einer authentischen Episode aus dem Leben Nerudas in den 50er Jahren; Poesie verändert das Leben des ungebildeten Aushilfsbriefträgers…

Design by Demut

Dr. Daniel Mölle hat einen sehr lesenswerten Artikel zur Auswirkung von Entwurfsentscheidungen geschrieben. [1] Da gutes Design unabhängig von konkreten Lösungswerkzeugen und Technologien ist, da das Design schon bei der Anforderungsanalyse zu bedenken ist – warum sollte nicht der gesamte Entwurf vom Design her gedacht werden?

Purgathofer plädiert schon seit einer Dekade [2] dafür, vor zwei Jahren habe ich von ihm davon gehört. [3]

Mölle jedenfalls warnt vor Moden, Coolness und Übereifer, er empfiehlt mit Dijkstra Bescheidenheit und Demut als wünschenswerte Eigenschaften in der Softwareentwicklung. Und er hat ein paar hübsche Bonmots auf Lager, z.B.

Saisonale Modethemen und Hype-Paradigmen wie SOA, AOP […] und so weiter hinken der versprochenen Erlösungswirkung stets hinterher, weil man die entscheidenden Erfolgskriterien des Architekturentwurfs – Intuition, Erfahrung, Domänenverständnis, Vorausahnung kommender Anforderungsänderungen – einfach nicht formalisieren kann.

Schnittstellen bleiben Schnittstellen, und Änderungen an Schnittstellen bleiben unabhängig davon, wie oft man das Wort „interoperabel“ bemüht, schwierig.

Ich denke, dies gilt nicht nur für die Informatik, für Softwarearchitekturen allein, sondern für jegliches Entwerfen.

[1] Daniel Mölle, »Design by Demut«, iX 9/2009, S. 92-95; online leider nicht frei verfügbar
[2] Peter Purgathofer, »Design«, RZ-Mitteilungen Nr. 18/1999
[3] »Wissenschaft Informatik – Wissenschaft oder Design«, GI-Workshop, April 2007, Wiki zum Workshop, s.a. Kontrolle und Transparenz


Herbstanfang

    

Der Sommer will zur allgemeinen Freude noch nicht gehen. Jedoch sah es heute morgen, bevor die Sonne durchbrach, so aus, wie auf obigen Handy-Bildchen. (Klickbar zur Vergrößerung, Standort ist auf dem Dach, Darmstadt.)