Monthly Archives: Januar 2010

Dolmetscher der technologischen Intelligenz

Es ist an der Zeit, die digitale Revolution […] in ihrer ganzen Wucht zu erkennen. […] Die Informatiker müssen aus den Nischen in die Mitte der Gesellschaft geholt werden. Sie müssen die Scripts erklären, nach denen wir handeln und bewertet werden. Was ist voraussagende Suche und was kann sie? Was ist „profiling“? Wer liest uns, während wir lesen? Technologien sind neutral, es kommt darauf an, wie wir sie benutzen. Um das zu können, brauchen wir Dolmetscher aus der technologischen Intelligenz.

Quelle: Frank Schirrmacher, FAZ vom 23.01.2010, faz.net


R.I.P. Sun

Quelle: James Gosling, So long old friend


Opferkonkurrenz

Auf den Beitrag von Thierry Chervel – Das Behagen an der Unkultur – hinzuweisen, ist mir ein Bedürfnis.

Short Cuts #8

Rudolf Maresch beklagt die Scheindebatte Schirrmacher & edge.org vs. selbsternannte Internet-Avantgarde. Man redet noch immer aneinander vorbei. Auch für Maresch scheint es letztlich nur eine deutsche Debatte über Medien, eine Frage von Filtertechniken zu sein. Phantasie zur Dystopia? Fehlanzeige.
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R.I.P. Eric Rohmer! Seine »Marquise von O.« von 1976 erschien mir damals, mit Anfang 20, als die erste interessante, mich „nicht langweilende“ Literaturverfilmung.
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Wer isländische Filme oder skandinavische Landschaften oder überhaupt Schnee mag: »Nord« ist ein sehenswertes norwegisches Roadmovie.
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Übrigens: »Global Warming« heißt jetzt »Climate Change«.

Die wilden Detektive, Teil 1 der Impressionen

Nach »2666« nun »Die wilden Detektive«, ein Leseabenteuer, auf das ich mich einlasse, weil Bolaño mit seinem letzten Werk bei mir mächtig Eindruck gemacht hat, weil es den Gedankenaustausch auf zwei666.de gab und auf wilde-leser.de gibt.

Den ersten Teil – „Mexikaner, verloren in Mexiko“ – habe ich bereits Anfang des Jahres gelesen. Und ich gestehe eine gewisse Verwunderung, zunächst war da gar Enttäuschung, die erst langsam anfing, sich zurückzuziehen: Was soll mir diese Jungs-Geschichte vom Versuch, Erwachsen zu werden? Was interessieren mich die Tagebucheinträge eines Pubertierenden, sich frei Schwimmenden? Was interessieren mich diese Streitigkeiten von Möchtegern-Dichtern, literarischen Sektierern, was kümmern mich realviszerale Fieberträume? Warum scheint da keine Distanz des Autors zu sein, warum schreibt und veröffentlicht Bolaño dies, im Alter von Fünfundvierzig? Und dafür, für »Die wilden Detektive«, hat es den wichtigsten Literaturpreis Lateinamerikas gegeben? Überhaupt: „Detektive“! Merkwürdig, wo denn!?

Nach den ersten sieben „Zeugenaussagen“ im zweiten Teil mache ich erst einmal Pause. Am Samstag fiel mir zufällig das bei Berenberg – Heinrich von Berenberg übersetzte auch »Die wilden Detektive« – erschienene »Exil im Niemandsland« in die Hände. Und am Sonntag Abend dann habe ich die kurzen Essays und Reden, das Interview mit Bolaño ausgelesen. Der Band ist mit „Bruchstücke einer Autobiographie“ untertitelt, was mir bei der Lektüre zunehmend plausibel wird. Und nun, nach der Lektüre, bilde ich mir ein, Bolaño besser zu verstehen, etwas mehr vom Leben, von der Literatur und den Motiven, die ihn angetrieben haben. – Hätte ich dieses Buch doch schon vor »2666« gelesen. Vor allem auch den Text, in dem er seine literarischen Götter und Halbgötter auflistet, in dem es von Detektiven nur so wimmelt…

Und so werde ich im Folgenden versuchen, hinter die Maskerade zu blicken. Der Fokus scheint mir schon in diesem Buch auf Santa Teresa in der Wüste Sonora zu liegen, das Ziel, der Fluchtpunkt aller Bewegung scheint diese Hölle zu sein. Es sieht für mich so aus, dass Bolaño seinen Lesern (via viszeralem Realismus) die Perspektive von Benjamins Angelus Novus empfiehlt: beim unaufhaltsamen Vorwärtsdrang nach hinten blicken. Wo kommen wir her?

(Zuerst publiziert auf wilde-leser.de.)


Beobachterinnen

Ich möchte Fotos, die die Situation so zeigen, als wäre ich nicht dagewesen.
Barbara Klemm, Interview


  
© Ruth Orkin (links) bzw. © Barbara Klemm (rechts)

Zwei ganz große Aufnahmen im Kanon der Fotografie: links Ruth Orkins inszeniertes »American Girl in Italy« von 1951, rechts Barbara Klemms Straßenszene »Johannesburg« von 1978. (Zum Vergrößern einfach die Bilder anklicken.)

Barbara Klemm feierte am 27. Dezember ihren 70. Geburtstag. [1] – Im Museum Wiesbaden kann man dauerhaft viele ihrer zu Icons gewordenen Aufnahmen betrachten; dazu gibt es derzeit eine Sonderausstellung mit ihren Aufnahmen rund um den »Mauerfall 1989«.

[1] Siehe aus diesem Anlass auch die Würdigungen »Bewahren Sie Ruhe und bleiben Sie in Bewegung!« (FAZ) sowie »Die Traumwandlerin« (»Die Zeit«).