Monthly Archives: Mai 2010

Porto

Fotografische Impressionen aus Porto, der alten Patrizierstadt am Douro im Norden Portugals.




Sonnenuntergang

Aus der Tourbeschreibung: ›A bus will be waiting to take us to one of the highest points of Bornes Mountain, where we will be warmly welcomed to have dinner in the »Estalagem da Senhora das Neves« from where we can enjoy one of the most breathtaking landscapes in the whole Northeast of Portugal, the view to Vilariça valley.


Melodien

Gedanke: Es wird eine Musik geben aus elektrisch-chemischen Impulsen, die direkt ›ins Blut‹ gehen, die nicht nur auditiv, sondern auch, und vor allem, neuronal funktioniert, eine Mischung aus Musik und Nervendroge, eine interaktive Giftsymphonie.
Helmut Krausser, Substanz, Köln 2010, S. 37


Helmut Krausser lässt in seinem zwischen Dezember 1990 und Juli 1992 entstandenen und in der eher späteren Renaissance in Oberitalien angesiedelten Roman »Melodien« den Alchimisten Castiglio nach Melodien suchen, die den Menschen im Guten wie im Schlechten direkt zu beeinflussen vermögen. Immer neue Prototypen verschiedener Wirkung ersinnt Castiglio [1]:

Tropos, welcher
1. In einem Menschen Liebe weckt
2. Eines Mächtigen Mitleid erwirkt
3. Zu kühnen Taten reizt
4. Glückliche Erinnerung hervorruft
5. Furcht verscheucht
6. Einem stolzen Herzen Vergänglichkeit eingibt
7. Ausdauer und Trotz stärkt
8. Ein bedeutendes Werk einweiht
9. Wunden schneller heilen lässt
10. Gottergebung erleichtert
11. Triumphe vergrößert
12. Sündige zur Reue treibt
13. Die Größe Gottes verherrlicht
14. Plagedämonen vertreibt
15. Um einen Bedeutenden angemessen trauert
16. Die Sinne verwirrt und Furcht schafft
17. Den Hunger mindert
18. Eine Leibesfrucht gedeihen läßt.

Mit diesem Vorhaben und seiner Überlieferung entsteht ein Mythos, der bis in die (Roman-) Gegenwart reicht. Ich habe augenblicklich erst 247 der gut 800 Seiten des fesselnden Buches gelesen; statt also verfrüht zu resümieren kommt mir wieder eine meiner unausgereiften Lieblingsideen in den Sinn, der zufolge gesehene, also subjektive Bilder vom Auge ohne Umweg über einen Aufnahmeapparat persistent ins Gehirn gelangen und von dort zur weiteren Bearbeitung und Ausgabe dann abrufbar sind.

[1] siehe in der Rowohlt-Taschenbuchausgabe auf Seite 228


Kaffeehaus #2 und #3

Porto hat mindestens zwei distinguished Kaffeehäuser: Das Café Majestic in der Rua Santa Catarina sowie das Café Guarany in der Avenida dos Aliados. – Während es draußen regnete, in letzterem entspannte fünf Stunden lang gesessen, genossen und gelesen.

  


Ver-rückt

Christoph Hochhäusler will darüber nachdenken, aus dramaturgischen Gründen dem Sichtbaren gegebenenfalls ein Voice-Over [1] hinzuzufügen. Altmeister Alain Resnais hat in »Les herbes folles – Vorsicht Sehnsucht« genau das und noch viel mehr Ungewöhnliches gemacht. Alle Figuren sind normal und stehen doch ausreichend weit neben dem Erwartbaren, Durchschnittlichem. Die Kamera tanzt mindestens so wie die Dialoge springen, Farbe ist nicht einfach bunt [2] und rund um das Kino im Film wird „natürlich“ eine Kulissenwelt gebaut. – Resnais beweist mehr Mut und sein Film zeugt von mehr Kreativität als z. B. alle mir bekannten Wettbewerbsfilme der letzten großen Festivals zusammen.

Lukas Foerster nennt den Film in seiner sehr treffenden Rezension Free Jazz. Mir rutschte unmittelbar beim Verlassen des Kinos seit langen wieder einmal das mir offenbar spontan höchst mögliche Lob heraus: Toll.

[1] Natürlich nicht so einen altmodischen Off-Kommentar, der erklären muss was nicht zu sehen ist und noch dazu nervend oberlehrerhaft daherkommt. Wie es Michael Haneke in »Das weiße Band« macht.
[2] Man schaue sich dazu diesen Trailer an.


Kulturlandschaft

  


Kleine Olivenhaine bei Bragança – eigentlich ist es dort zu kalt dafür, es ist eher „Kastanienland“ – und riesige Weinterassen am Douro. (Ein Klick auf die Bildchen zeigt diese größer an.)

Schandpfahl in Schwein

Bragança, CitadelaIm Citadela genannten mittelalterlich ummauerten Stadtgebiet von Bragança steht eine 6m hohe Säule, die wiederum in einem durchbohrten Schwein steckt. Die Säule ist ein so genannter Schandpfahl (Pelourinho) und ist das Symbol für die Gemeindehoheit, für das 1464 erhaltene Stadtrecht. Die Schweine-Figur wiederum heißt Porca da Vila und ist keltischen Ursprungs; sie soll ein Symbol für die Fruchtbarkeit sein. (Ein Klick auf die Bildchen zeigt diese größer an.)

Bragança war der Sitz des Hauses Bragança, einer Adelsfamilie, die von 1640 bis 1910 den portugiesischen König stellte und später auch den brasilianischen Thron besetzte. Deren 1187 erbautes Schloß ist erhaltenes und fotogenes Wahrzeichen der Stadt. In der Citadela steht auch das Domus Municipalis, ein aus dem 11. Jahrhundert stammendes Bauwerk römischer Architektur. Auch die Kirche, Igreja Santa Maria, ist romanischen Ursprungs – und innen leider hässlich barockisiert. Deswegen zeigen wir hier nur die Tulpe vor der Kirche.