Monthly Archives: November 2010

Auf dem Maindeich gen Mainz



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Von der Seelandschaft zum Schauerfeld

… Paddler Schmidt & Pocahontas have a rather new affair … on the Dümmer Water…
Klaus Theweleit, »Pocahontas IV«, S. 65


Ich lese gerade, nicht immer und mit Pausen, »Zettel’s Traum«. Das Schauerfeld steht im Titel des ersten Buches, schauerfeld ist auch der Titel eines Blogs: Schriftsteller, Kritiker, Wissenschaftler lesen Arno Schmidts »Zettel’s Traum«. Das Ganze hat noch einen gewissen spektakulären Hauch, ist doch Schmidts 1970 veröffentlichtes Hauptwerk im Oktober erstmals in gesetzter Form erschienen. Die Blog-Posts auf schauerfeld sind sehr unterschiedlich, teils euphorisch bis zur Nachahmung des Schreibstils, teils distanziert und / oder ratlos, teils ablehnend und von Unverständnis getragen. „Mief der Sechzigerjahre“ ist ein auftauchender Kampfbegriff.

Ich bin neugierig, habe aber keine Ahnung. Und ich habe, mit einer Ausnahme, keine Sekundärliteratur zu Arno Schmidt gelesen. Doch meine ich ganz konservativ, dass man einen Text zu allererst im Kontext der Entstehungszeit sehen sollte, ehe man ein möglicherweise fortdauerndes oder anhaltendes Wirken vermessen will.

Die Ausnahme ist: »„you give me fever“: Arno Schmidt. Seelandschaft mit Pocahontas. Die Sexualität schreiben nach WW II«. Klaus Theweleit (und Martin Langbein) analysierte(n) Ende der 90er Jahre Schmidts 1955 erschienene Erzählung vor dem im Untertitel genannten Hintergrund. Für ihn demonstriert Schmidt in »Seelandschaft mit Pocahontas« exzellent,

daß es in der Politik der Körper allein die Wiederaufnahme der von den Nazis unterbrochenen sexuellen Emanzipation ist, die den Nazismus „auslöschen“ kann.

Klaus Theweleit sieht Arno Schmidt gar an Heinrich von dem türlîn anknüpfen, und so zitiert er allen Kritikern die da meinen, Schmidt könne eher schlecht als recht über Sexuelles schreiben, dessen seiner Meinung nach „zärtlichste aller Körperberührungsstücke aller Literaturen“ – die erzählte Situation des „Einkremens nach dem Sonnenbrand“.

(…da iss er nich so gut drin? – dann mach ma besser!…)