Monthly Archives: April 2011

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Sonntagslektüren #2

Das Feuilleton der FAS macht mit einem großen, pixeligen Foto von Ai Weiwei auf. Drunter ein Text von Niklas Maak zum von ihm so bezeichneten Skandal der deutschen Ausstellung »Kunst der Aufklärung« in Beijing: »Ausgestreckte Hand, blutig«. Ich will die zynische Haltung des Dresdner Museumsdirektor Roth zur Verhaftung Ai Weiweis gewiss nicht verteidigen. Aber der ethische Rigorismus des Artikels und einer ganzen Reihe von „Kulturbloggern“ nervt, blendet dieser doch die Sicht ganz normaler chinesischer Ausstellungsbesucher aus. – Persönlich fand ich z.B. die Ausstellungen der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, »Stadtpark Parkstadt« 1982 oder »Joseph Beuys: Frühe Arbeiten aus der Sammlung van der Grinten« (70.000 Besucher!, Zeichnungen, Aquarelle, Ölstudien, Collagen) 1988 sowie das Bob-Dylan-Konzert 1987, oder auch die Ausstellungen des französischen Kulturzentrums in Berlin Unter den Linden eher hilfreich. Gerade weil sie nichts mit der alltäglichen Realität zu tun hatten, wirkten diese…

Und dann war da noch, im Wirtschaftsteil, ein toller Text von Ralph Bollmann zur historischen und gegenwärtigen Angst der deutschen Liberalen (aller Parteien) vor dem Markt und dem freien Wettbewerb: »Staatsfreunde«.

Nachtrag: Hans Ulrich Gumbrecht über die Universitätskarriere des Romanisten Hans Robert Jauss, seines Professors in Konstanz: »Mein Lehrer, der Mann von der SS«. (Die Zeit)

… als der Mann zu der Frau sagte: »Mein Apfel!«

Eine kurze Notiz zu »Der Große Fall« von Peter Handke.

Vor dem mysteriösen Großen Fall, auf den alles Erzählte im Buch hinausläuft, liest man in Handkes typisch poetischer Sprache über müßiges Gehen, anfangs teils gar rückwärts, und Sehen; von einer Bewegung des Helden vom äußersten Rand hin zum Zentrum einer Metropole (Paris?), in eine Anderswelt. Raum und Zeit erscheinen beim Lesen gedehnt, die Erlebnisse surreal, oft.

Handkes Sprache ist berührend altmodisch, da gibt es Worte, die einen in einen anderen Modus der Wahrnehmung versetzen, zum Beispiel Anderslauten, grundanders, gehalst und geherzt, ein Antlitz machen – um nur einige wenige Beispiele aus der zweiten Hälfte der Erzählung zu nennen.

Ein Brief – man schreibt wieder Briefe in dieser Anderswelt, es bilden sich gar nächtliche Schlangen vor dem Briefkasten – des Helden an seinen Sohn enthält einen interessanten Gedanken, die einzige Erwartung des Vaters an ihn: „Von Dir zu lernen.”

Am Ende dann also »Der Große Fall«. Die Sehnsucht nach der Katastrophe, das Schwelgen in einer Endzeitstimmung haben Konjunktur. Aber Texte von Peter Handke folgten in meiner Wahrnehmung noch nie dem Zeitgeist, war es bisher nicht eher umgekehrt?

Rezension von Lothar Struck auf Glanz & Elend


Sonntagslektüren #1

Vier interessante Artikel in der heutigen FAS:

Julia Schaaf über Nicolette Krebitz (aktuell erstklassig im wirklich sehr sehenswerten Film »Unter dir die Stadt« von Christoph Hochhäusler) – »Am Tisch mit schönen Frauen«:

Wer über das Aussehen von Frauen redet, wenn es eigentlich um ihre Arbeit gehen sollte, untergräbt ihren Wert und ihre Position.

Nils Minkmar über den „Mangel an Reflexion, Argumentation und intellektueller Redlichkeit” deutscher Außenpolitik angesichts Gaddafis: »Der Terror den wir dulden«.

Man kann nicht am Ende der Welt das Leben von Soldaten für Prinzipien riskieren, die man am Mittelmeer verrät.

Ulf von Rauchhaupt empfiehlt eine ganze Menge spezieller Apps: »Daddeln für den Wissensdurst«.

Und schließlich, versteckt im Regionalteil: »Zwischen Frankfurt und Frankreich« – Florian Balke über Peter Kurzeck und dessen neuen Roman »Vorabend«. (Balke moderiert die morgige Lesung Kurzecks in Frankfurt, der Beginn von dessen Lesetour 2011.)