Monthly Archives: Dezember 2011

Meek’s Cutoff

»Meek’s Cutoff« ist den Kinobesuch auf jeden Fall wert. Gestern waren fast so viele Besucher im Mainzer Palatin, wie im Film Darsteller spielten. Immerhin.

Die amerikanische Indie-Regisseurin Kelly Reichardt hat einen intensiven Film über Aspekte des Oregon Trails 1840f. gedreht. Das traditionelle 4:3-Format erweist sich für die Konzentration als förderlich. Das Licht, die Farben, der Sound, die Story, die Figuren – alles ist treffsicher arrangiert und keine Sekunde langweilig. (Vielleicht ist Michelle Williams als Emily Tetherow schon ein klein wenig zu viel „Star“.) Es geht um Vertrauen, um konkurrierende Vorstellungen über den zu gehenden Weg. Dass diese konkreten Konflikte zwar eskalieren, aber nicht gelöst werden sondern offen bleiben, gefiel mir.

In den Jahren 1840 bis 1870 durchquerten mehr als eine Viertelmillion Menschen den amerikanischen Kontinent, um den Westen der USA zu besiedeln. Lillian Schlissel, 1982 bei Erscheinen des Buches Direktorin des Seminars für American Studies am Brooklyn College in New York, hat die Tagebücher von westwärts gehenden Frauen zusammengetragen, kommentiert und mit zeitgenössischen Photos versehen: »Frauentagebücher aus dem Wilden Westen«. Darin, auf Seite 45, findet sich folgendes Zitat der damals 13jährigen Lucy Hall Bennett, das den Hintergrund der Story des Filmes erläutert:

Wir trafen Steve Meek, der uns von einer besseren Route nach Willamette Valley erzählte. Ein Teil des Zuges weigerte sich, diese Abkürzung zu nehmen, und zog auf der alten Emigrantenstrecke weiter, aber viele folgten Meek auf dem Weg, der seither ‚Meeks Abkürzung‘ heißt… Die Route war zuvor von den Pelzhändlern der Hudson Bay Company benutzt worden und war vielleicht für Lastpferde geeignet, aber sicher nicht für Emigranten auf Ochsenkarren. Das Wasser war voller Alkali, man konnte es kaum trinken. Es gab nur wenig Gras, und nach kurzer zeit hatte all unser Vieh wunde Füße von dem spitzen, steinigen Untergrund. Nachdem mehrere aus unserer Reisegruppe gestorben waren, wurde deutlich, daß Meek absolut nichts über die Route wußte.

s.a. die Rezension auf ZEIT-Online, Christoph Hochhäuslers virtuellen Meek’s Cuttoff Filmclub, Thomas Grohs Besprechung beim Perlentaucher (zweite Hälfte des Textes)


Aus dem g+-Universum (1)

Einige Posts mit teils zahlreichen Kommentaren aus meinem Stream bei Google+ seien hier dokumentiert.

Gunter Dueck über Gegenwart und Zukunft virtuelle Universitäten (22.12.2011)
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André Spiegel über Jürgen Neffes Gutenberg-eBook-Essay beim Perlentaucher (20.12.2011)
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Martin Lindner (nach Anstoß von Aleks Scholz) über „richtige“ Klimapolitik, die sich aus „der“ Wissenschaft legitimiert (12.12.2012)
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Marcel Belledin (nach Anstoß von Martin Lindner und Michael Seemann) über Ideologien der „Leistung“ und der „Gerechtigkeit“ (06.12.2011)
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Jürgen Kuri zu Heinrich von Kleist, an seinem 200. Todestag (21.11.2011)
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ZEIT Online fragt, was sie Sue Gardner (Wikipedia) fragen soll (18.11.2011)
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Christoph Kappes zur Fragmentierung von Diskussionen – vermeiden oder hinnehmen? (16.11.2011)
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Martin Lindner über die arabischen Revolutionen des Jahres und den immer schon vorauseilenden geschichtszynismus auch und gerade der „antiimperialistischen“ linken (21.10.2011)
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Christoph Kappes wirft in den Ring, was der netzpolitische Arbeitskreis der CDU Deutschland zum „Staatstrojaner“ sagt (20.10.2011)

Cello Universe

»Cello Universe«, von Dowland bis Apocalyptica – unter diesem Titel gab es gestern ein Konzert mit dem Cello-Ensemble UNICELL der Hochschule für Musik Mainz. Prof. Manuel Fischer-Dieskau moderierte charmant und seine 8 Studentinnen sorgten für enormen Hörgenuss. Zwischen ein und acht Celli, bei manchen Stücken mit Klavier oder Schlagzeugbegleitung, bei einem (brasilianischem) Stück eine sehr gute Sopranistin unterstützend, es war wieder ein sehr gutes Konzert im Roten Saal der Musikhochschule.

Die Cellistinen: Mizuki Tanabe, Emily Härtel, Seung Hyun Lee, Lisa Wohlfahrt, Lisa Scheitenberger, Eunhye Jo, Judith Assenbaum, Shirin Tashibaeva

Die Musik von: Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Béla Bartók, David Popper, John Dowland, Edvard Grieg, Heitor Villa-Lobos und Eicca Toppinen / Apocalyptica.


Christa Wolf

In der vergangenen Woche ist Christa Wolf verstorben. Keine Schriftstellerin hat mein Denken so sehr sehr beeinflusst wie sie, damals in den 1970er und 1980er Jahren. Das ist lange her.

Heute blättere ich in »Kassandra«. Das Buch ist 1983 erschienen und trägt den Untertitel „Vier Vorlesungen. Eine Erzählung.“ Mit den Vorlesungen sind die Frankfurter Poetikvorlesungen 1982 gemeint. Im Band stecken mehrere Lesezeichen, von mir damals eingelegt. (Und es gibt darüber hinaus angestrichene Stellen.) Heute rätsele ich bei einigen, was mich damals wohl dazu bewegt hatte. Die meisten sind der Zeit (Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Ost und West) geschuldet. Nicht wenig reicht darüber hinaus.

Zum Beispiel in der 3. Vorlesung, einem Arbeitstagebuch: