Monthly Archives: Februar 2012

Lichtblick

Blick aus dem Fenster des Arp-Museums Bahnhof-Rolandseck

Gipfelkreuz in Schweißschlacken: Vulkaneifel

Ein paar Fotografien, aufgenommen in der Vulkaneifel bei Manderscheid. Das Meerfelder Maar zum Beispiel:



Wanderung vom Meerfelder Maar am Kratersee Windsborn vorbei, über den Mosenberg durch die Wolfsschlucht und das Tal der Kleinen Kyll, schließlich unterhalb von Manderscheid zurück nach Meerfeld. Der Windsborn ist übrigens – laut Tourbeschreibung – der einzige Bergkratersee nördlich der Alpen. Man sieht ihn hier nicht im Bild, dafür den Kraterrand aus vulkanischen Schweißschlacken, in der ein Gipfelkreuz steckt.

Zur Orientierung dort eine grobe Eifelkarte (Wikipedia).

Markt(forschung)

Kluge: Die „invisible hand“.
Baecker: Die „invisible hand“ funktioniert so, dass jeder sich vorzustellen versucht, durch welche eigenen Aktionen und Angebote er wohl am ehesten einem Kunden auffällt, der bereit sein könnte, diese oder jene Summe Geldes für ein Angebot auszugeben. Auf der Suche nach diesem Angebot orientiert er sich, wie Soziologen von Georg Simmel bis Harrison C. White beschrieben haben, jedoch nicht am Kunden und dessen unerforschlichen Bedürfnissen, sondern am Konkurrenten und dessen Angeboten. Man beobachtet nicht die gegenüberliegende, sondern die eigene Marktseite, um herauszufinden, wie groß die Chancen sind, mit einem qualitativ besseren Angebot den Kunden zu überzeugen, der an den Marktständen vorüberzieht.

An dem Tag, als [Steve] Jobs den Macintosh der Öffentlichkeit präsentierte, fragte ihn ein Journalist von Popular Science, welche Art Marktforschung er betrieben habe. Spöttisch erwiderte Jobs: »Hat Alexander Graham Bell etwa Marktforschung betrieben, bevor er das Telefon erfand?«

mehr Info
Zitate aus:
Dirk Baecker / Alexander Kluge, Vom Nutzen ungelöster Probleme, Merve 2003, S. 46
Walter Isaacson, Steve Jobs, Bertelsmann 2011, S. 203


Roboterlinks

Angeregt auch durch die jüngst erfolgte Inbetriebnahme einer automatisierten Montageanlage mit einem Denso-Roboter zu Lehr- und Forschungszwecken an der Hochschule hier ein paar Links zu aktuell gefundenem Robotik-Stuff im Netz.

Universal jamming gripper shooting demo (Cornell University):

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Boris Hänßler bringt in Viel Arbeit im Roboterhaushalt interessante Beispiele aus der RoboCup@Home Liga.

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Bei Telepolis gibt es einen Text – Lasst die Maschinen machen – von Prof. Dr. Hans-Dieter Burkhard vom Institut für Information an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Text stammt aus dem neuen Telepolis-Buch »Kriegsmaschinen. Roboter im Militäreinsatz« und hat den Untertitel „Wie intelligent ist die Künstliche Intelligenz?“. Burkhard thematisiert nicht zuletzt die Koexistenz von Maschinen / Robotern und Menschen.

Mat(ur)ana

Wir tun immer das, was wir wollen, auch wenn wir behaupten, eigentlich gegen unseren Willen gehandelt und zu etwas gezwungen worden zu sein. Dann wünschen wir uns die Folgen, die sich aus unserem Handeln ergeben, auch wenn wir im Moment nicht mögen, was wir tun.
Benjamin Stein, »Replay«, S. 152


»Replay« ist eine von Benjamin Stein grandios erzählte Dystopie. Stein, von dem ich bisher nichts las, verblüfft mich mit knapper sprachlicher Präzision und fachlicher Exaktheit.

Die Handlung startet in der Gegenwart, es gibt dann zweimal Sprünge jeweils etwa 15 Jahre in die Zukunft. Der Ich-Erzähler Ed Rosen war in seiner Jugend von Zahlenmystik begeistert, studierte dann Informatik, modellierte die Realität für Maschinen verständlich, interessiert sich für die Mensch-Maschinen-Interaktionen, landet folgerichtig (?) in Juan Matanas Firma UniCom, die allgemein zur Schnittstelle zwischen biologischen und elektronischen Systemen forscht und speziell zunächst ein Augenimplantat entwickelt, das die visuellen Daten direkt ins Gehirn einspeist. Rosen ist der ideale Early Adopter, ist er doch selbst von Geburt an auf einem Auge blind. Er wird die erste Versuchsperson, die Prothese wird immer weiter entwickelt, Rückkopplungsmöglichkeiten („und natürlich konnte man sich auch in die lebendige audiovisuelle Wahrnehmung eines Augenblicks zurückversetzen, den man selbst zuvor aufgezeichnet hatte.“ [S. 114]) werden implementiert, die Akzeptanz steigt immer weiter, die Firma wird extrem erfolgreich, was sich u.a. darin ausdrückt, dass 70% der Bevölkerung freiwillig Prothesenträger – UniCom-Bürger – werden.

Nein, die Kunden zahlten nicht mehr für die Kommunikation. Selbst das Implantat hätte man ihnen schenken können. Die Einnahmequelle waren die Inhalte, die die Kunden auch noch zum großen Teil selbst erzeugten und kosten- und damit tributpflichtig weitergaben. Das Geld wuchs gewissermaßen auf den ungeheuren Bergen von Daten, eingesammelt von Millionen Geräten und gespeichert in den Datenzentralen der Corporation. (S. 116)

Für mich ist die eigentliche Hauptfigur der chilenische Wissenschaftler Juan Mantana, und es ist kein Zufall, dass ich den Namen durchgehend als Maturana gelesen habe… Mantana ist einerseits die treibende Kraft, der Visionär, der erfolgreiche Wissenschaftler und Unternehmer. Er interessiert sich für die Koppelung zwischen Maschinenwelt und menschlichem Verhalten. Und er ist es, der die Entwicklung kritisch beobachtet, den Stein originelle Reflexionen (negative Rückkopplung als notwendiges Regelprinzip beim Wattschen Dampfregler, dominante Optionen für ausschließlich positives Feedback in Sozialen Netzwerken, die Abhängigkeit der Realität vom Beobachter und die Notwendigkeit, das Beobachten zu beobachten, um zu lernen, usw.) einflechten lässt, und der schließlich aussteigt.

Für Rosen – Minister in einem transparenten, luxuriösen Gefängnis, einem architektonischen Juwel, beschützt von privaten und staatlichen Sicherheitsdiensten – jedoch geht dieses Leben weiter. Das Communication System lässt sich nicht wirklich abschalten, auch wäre es trostlos, fehlt doch dann der Input für neue Replays. „Die Corporation lässt niemanden treiben ohne einen Freund an seiner Seite.“ Dieser bringt ihn wieder online.

Wir haben uns für Transparenz entschieden und diesen Entschluss in Gesetze verpackt, die für alle gelten, ob sie es nun schätzen oder nicht und ob sie es wissen oder nicht. Alle, das schließt auch Minister ein, warum nicht gerade sie? (S. 168)



s.a. Rezension bei Bonaventura, Replay beim Perlentaucher, das Buch bei Amazon (mit Lese-Videos), das Buch beim Verlag C.H.Beck (auch mit Videos), ANH in »Die Dschungel« über das Buch: Miszellen des Totalitären