Monthly Archives: März 2012

Der Abgesang oder Das Turiner Pferd

»Das Turiner Pferd« von Béla Tarr ist ein visuell faszinierender Film, der sechs Tage lang einen Vater, seine Tochter, sein Pferd beobachtet, deren Existenzen sich in Richtung Abgrund bewegen, bei dem am Ende einfach alles aus geht, Licht, Ton, Bild. Béla Tarr inszenierte ihn als seinen letzten Film. – Sehenswert, noch einmal ins Kino gehen!

Offizieller Trailer
Rezension von Ciprian David anlässlich der Berlinale 2011
Rezension von Andreas Kilb
Film beim Basis-Film Verleih Berlin

Beeindruckend

Gestern Abend im Radio, Liveübertragung aus der Alten Oper Frankfurt. Martin Grubinger trommelt das hr-Sinfonieorchester durch das Konzert »Conjurer – Konzert für Schlagzeug und Streichorchester« von John Corigliano. Beeindruckend!

Barbara

Wo ist mein Selbst?

Der Mainzer Philosophieprofessor Thomas Metzinger (u.a. »Der Ego-Tunnel«) im Telepolis-Gespräch über Gehirnforschung und Philosophie – es geht viel um Begriffe, konkret um den des Gedankenlesens, es geht um Pillen und Implantate zur Leistungssteigerung, und es geht um Selbstmodelle und unser „Ich“ in einer virtualisierten Welt. Den ersten Teil des Gespräches gibt es derzeit nur im Telepolis-Special MENSCH+ (als Print oder als eBook), der zweite Teil ist auch online abrufbar.

Metzinger spricht im ersten Teil auch über das Projekt „Virtual Embodiment and Robotic Re-Embodiment (VERE)“ und dabei über die Frage,

ob man das Selbstbewusstsein in virtuelle Körper, in Avatare oder eben in Roboter dauerhaft transferieren, also vollständig in einen zweiten Körper übersetzen kann. Da spielen neu entwickelte Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) eine Rolle und tatsächlich sind bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Zum Beispiel ist es gelungen, direkt über ein drahtloses Brain-Computer-Interface einen Roboter mit Bewegungsvorstellungen zu kontrollieren (durch Offline-Simulation einer Körperbewegung mit dem eigenen Selbstmodell im Gehirn; das nennt man ein motor imagery-BCI). Der Roboter bewegt dasselbe Körperteil wie der Proband in seiner Vorstellung und man kann mittels einer Spezialbrille auch gleichzeitig durch dessen Kamera-Augen sehen. Wo ist Ihr selbst, wenn Sie mit der Gedankenkraft so einen kleinen Roboter zum Laufen bringen, ihn dann umdrehen lassen und Ihren physischen Körper durch die Augen des Roboters von außen betrachten? Es ist also prinzipiell möglich, über einen drahtlosen Link mit dem eigenen Selbstmodell direkt das Körpermodell eines Roboters zu steuern.

Zitat aus: Reinhard Jellen, »Und morgen ein iPhone im Kopf?«, Gespräch mit Thomas Metzinger, Telepolis special 01/2012, S. 81; Hervorhebung von mir