Monthly Archives: Juli 2013

Sommer in der Stadt

Darmstadt

In Darmstadt, Rheinstraße.

Domspitze Mainz

Die Turmspitze des Mainzer Doms wird mit Hilfe des mächtigen Krans erneuert.

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11.07.2013, etwa 21.00 Uhr

Die künstliche Intelligenz des Weltkrieges (Turing und die NSA)

Der Medientheoretiker Friedrich A. Kittler veröffentlichte bereits 1990 einen Text, der mir zur aktuellen Spionageaffaire zu passen scheint; nicht nur Hacker u.a. haben es schon immer gewusst:

Die unmittelbare Nachkriegszeit dagegen verfügte über ganze zwei Computerplätze, einen im englischen und einen im amerikanischen Geheimdienst. […]
Aber die britische Medienmacht ging ohnehin zu Ende. Die Geheimhaltung aller Weltkriegskryptoanalyse war einer von Trumans ersten Erlassen, die Gründung der National Security Agency einer seiner letzten. Als geheimster der drei amerikanischen Geheimdienste übernahm die NSA mit ihren 80000 Angestellten durch europäisch-amerikanischen Technologietransfer Turings Innovation. Der Computererfinder durfte in den Blausäure-Apfel Schneewittchens beißen, damit sein Werk die Weltherrschaft antreten konnte.
Einer ihrer seltenen Public-Relation-Aktionen zufolge hat die „NSA das Heraufkommen des Computerzeitalters mit Sicherheit beschleunigt“. Aber schon weil die amerikanische Privatwirtschaft der Nachkriegszeit, allen Gerüchten zum Trotz, die Computerentwicklung als „profitloses Abenteuer ansah“, ist wohl die Feststellung zutreffender, daß „die NSA in den fünfziger und sechziger Jahren die weltweite Führung bei Computerausrüstungen übernahm und über die öffentlich zugänglichen Technologien weit hinausging“. Ihre Spionagesatelliten fangen Telephonie, Telegraphie und Mikrowellenfunk, also die Post aller Erdteile ab, ihre Computer entschlüsseln eventuell eingeschaltete Codiermaschinen, Scrambler usw., speichern die Botschaft automatisch ab und durchforsten sie automatisch nach Verdächtigen Schlüsselworten. Mit dem Ergebnis, daß 0,1 Prozent aller Fernmeldeverbindungen auf diesem Planeten in der künstlichen Intelligenz NSA aufgehen. Was dann mit ihnen geschieht, weiß niemand. Geheimhaltungsvorschriften werden wie üblich erst in dreißig Jahren aufgehoben werden. Aber womöglich sind sie dann gar nicht mehr nötig. Das Wort, das am Anfang war, verschwindet in Computerdatenbänken ohnehin. Wenn alles, was Leute auf diesem Planeten reden, in Bits aufgegangen sein wird, ist Alan Turings Universale Diskrete Maschine vollbracht.

Das ist das Ende des Textes »Die künstliche Intelligenz des Weltkrieges: Alan Turing«, zuerst erschienen 1990, hier zitiert nach Friedrich A. Kittler, Die Wahrheit der technischen Welt, stw 2073, erschienen 2013. Die in Anführungszeichen geklammerten Stellen sind Zitate Kittlers Dritter, die dort in den Fußnoten gefunden werden können.

Wir alle haben etwas Mut und etwas Seelengröße nötig.

„Wir alle haben etwas Mut und etwas Seelengröße nötig.“
Georg Büchner, Dantons Tod, Kapitel 14, Szene 7


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Mit diesem Zitat wirbt die Stadt Darmstadt am Hauptbahnhof für das Georg Büchner Festival zu dessen 200. Geburtstag.

Das ist vermutlich von den Veranstaltern gut gemeint. Doch Büchner lässt diese Worte einen der Hauptverantwortlichen für den Terror 1793/94 sagen. Robespierre beschließt damit sein Plädoyer wider Danton, damit wird dieser der Guillotine ausgeliefert. (Der Nationalkonvent stimmt die Marseillaise an.)

Es sind die Worte eines Mörders.

Wie stand Büchner, dessen Stücke ich sehr schätze, dazu, wie hat er es wohl gemeint? Taugen diese Worte wirklich als Motto für ein Festival?

→ Friedrich Kittler: Die Hardware des Geistes