Alte Männer

Zwei wirklich alte Männer sind in den letzten Tagen gestorben, Männer mit einem gewissen intellektuellen Einfluss und mit jeweils einer Grundhaltung, für die sie geachtet wurden, geachtet werden. Männer, die in dieser Haltung bzw. in der Wahrnehmung dieser unterschiedlicher nicht sein konnten: Joseph Weizenbaum und Arthur C. Clarke.

Joseph Weizenbaum – der Skeptiker, Mahner, Informethiker: von seiner ELIZA erschrocken unermüdlich gegen die Schattenseiten (Ambivalenz der Nutzung) des wissenschaftlich-technischen Fortschritts ankämpfend, bis zu letzt. (Eine Podiumsdiskussion in Potsdam hatte mich einst wirklich deprimiert, „Conceiving Ada“ war eine hilfreiche Sofort-Therapie.) Weizenbaums Technik-Skeptizismus verband sich mit fundamentaler Kapitalismus-Kritik. Aus „Wir gegen die Gier„:

Der Glaube, dass Wissenschaft und Technologie die Erde vor den Folgen des Klimawandels bewahren wird, ist irreführend. Nichts wird unsere Kinder und Kindeskinder vor einer irdischen Hölle retten. Es sei denn: Wir organisieren den Widerstand gegen die Gier des globalen Kapitalismus.

Arthur C. Clarke dagegen war als SciFi-Autor gewissermaßen ein E-Man, der das Neue und Noch-Nicht-Erfahrene herbei sehnte und schrieb, auf dass es denn bald käme. Er war Optimist, Visionär, natürlich auch ironisch. (Sein Wunsch, vor dem Tod noch intelligente Wesen kennen zulernen, soll sich nicht erfüllt haben.) Bereits 1962 hat Clarke „Gesetze“ aufgestellt, die seine Haltung ganz gut widerspiegeln:

Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustoßen. […] Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.

(Bisher kenne ich von ihm nur den mit Kubrick kreierten Film „2001: Odyssee im Weltraum“ – das muss sich ändern.)

Beide sollen in Frieden ruhen.

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