Am Tropf der Wirtschaft

Ich finde, einige Gründe sprechen für Studiengebühren, gerade in der sich immer noch breiter machenden Wolke von geiz-ist-geil-Stimmung in der Gesellschaft. „Was nichts kostet ist nichts wert“ ist die Kehrseite der Medaille, zumindest kann man’s lässiger angehen. Und auch wieder aufhören, hat man dann ja „nur“ Zeit verloren und kein Geld. Was ist das Problem daran, das Studium mit einem Kredit zu finanzieren statt zu Jobben – und dafür eher fertig zu sein und Geld zu verdienen? Kurz, wenn’s richtig gemacht und die Gelder wirklich in die Verbesserung der Lehre (vor allem der Betreuung) gesteckt werden, ist’s ok. – Was nicht heisst, dass ich nicht über originelle Protestformen schmunzeln kann: hier eine etwas nerdige Variante vom Asta Marburg (Klick aufs Bild).

Die Sache mit den Aufsichtsräten für Hochschulen, Hochschulräte genannt, finde ich schon etwas pervers. Nicht dass sich da weitere Optionen der Ämterhäufung für ein bestimmtes Klientel bietet stört ernsthaft (sind wir ja gewohnt), sondern der direkte Zugriff der meist kurzfristig an den Shareholder Value denkenden Wirtschaftsvertreter auf die Profilbildung und Schwerpunktsetzung in Lehre und Forschung.

Angesichts des bisherigen Besetzungslisten der Hochschulräte besteht wenig Hoffnung, dass alternative Forschungsprojekte oder Untersuchungen in wissenschaftlichen Randbereichen in Zukunft noch viele durchsetzungsstarke Fürsprecher finden werden. Was sich dem Zugriff marktwirtschaftlicher Verwertungsstrategien entzieht und keine bezifferbare Kosten-Nutzen-Bilanz aufweist, läuft so möglicherweise Gefahr, Lehrplanberechtigung, Förderwürdigkeit und Hochschulpräsenz zu verlieren. Von dieser Ausschlusspolitik könnten übrigens nicht nur geisteswissenschaftliche oder künstlerische Studieninhalte, sondern auch viele Bereiche der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung betroffen sein.

Und wenn dann Unternehmen erst ‚mal so richtig bestimmen können, woran geforscht wird, dann wird Open Access bald eine Pusteblume sein, ja selbst der Wissensaustausch über traditionelle Closed Access Medien stark gefiltert werden.

P.S.: Das Draufhauen – weil dort die Bertelsmann-Stiftung dahinter steckt – auf das CHE sehe ich als inzwischen ritualisierten Reflex; schließlich ist eine wirtschaftlich arbeitende Hochschule, die verantwortungsvoll mit den öffentlichen Geldern und eingenommenen Studiengebühren umgeht, schlicht ein vernünftiges Erfordernis.

s.a. Der Staat geht, die Wirtschaft kommt bei Telepolis

(apt-get install studiengebuehr via EDV – Ende der Vernunft)

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