Berlinale V

Der heutige Tag begann mit »Men at work (Kargaran mashgool-e karand)« des Iraners Mani Haghighi. 4 Männer, stark gefährdet in Sachen midlife-crisis, auf der Rückfahrt von einem missglückten Skiurlaub. Sie sehnen die Übertragung des WM-Qualifikationsspiels Iran vs. Japan am Abend herbei. Bei einer Pinkelpause springt ihnen ein merkwürdiger Stein ins Auge und ins Hirn: das Phallussymbol(?) gehört gestürzt. Auf die komischste Art und Weise machen sie sich und vorbeikommende Helfer ans Werk. Doch trotz Esel, Stahlseil-Winde am Jeep, einer Kettensäge-schwingenden Frau u.a. will es nicht gelingen. Der Stein wackelt nicht. Spät abends, im Auto sitzend, das Fussballspiel wird abgepfiffen, 2:1 gewinnt der Iran, da stürzt der Stein tosend zu Tal (man sieht es nicht). Willkommen in Deutschland, Iran!

Es ist der komischste, heiterste Film, den ich bisher auf der Berlinale sah. Er unterläuft alle europäischen Erwartungen, denen zufolge ein hier gezeigter iranischer Film mindestens sozialkritisch sein muss.

Vom rumänischen Regisseur Tudor Giurgiu stammt der Film »Love Sick (Legaturi Bolnavicioase)«: incestuous love between brother and sister beats love between a girl and a girl.

Zum Schluss noch einen iranischen Film: »Gradually… (Be Ahestegi…)«. Maziar Miri blickt auf die iranischen Geschlechterverhältnisse. Ein einfacher Mann, der von seiner Ehefrau verlassen wurde, tut nicht, was seine Umgebung von ihm fordert. Er sucht sie, und nachdem er sie gefunden hat vergibt er ihr, statt sich scheiden zulassen, sie ins Gefängnis zu oder gleich umzubringen.

Zur iranischen Kinolandschaft und die Berlinale-Filme siehe auch Katja Nicodemus: Terminator trifft Chomeini in der Zeit vom 06.02.2006.

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