Bildung der Zukunft

Eigentlich wäre es ja nicht schlecht, wäre die Bildung der Gegenwart nicht schlechter als die Bildung der Vergangenheit. Und die Bildung der Zukunft besser, als Erstere. Das sind so Allgemeinplätze, aber diese Plätze sind im Zeitalter des Lean Brain Managements (Gunter Dueck) verwaist; einzig Effizienz zählt noch: Abiquoten, Übergangsquoten hoch, Durchlaufzeiten ‚runter. Das ist Mainstream.

Am letzten Freitag, das Jahr noch jung, steht ein lesens- und empfehlenswerter Text von Jürgen Kaube in der FAZ. Kaube polemisiert zu Recht gegen die bildungspolitischen Sonntagsreden, die Bildung fast immer nur unter dem Aspekt sehen, für die Wirtschaft passgenaue Arbeitskräfte zu modellieren. Solche Allgemeinplätze reden vom „Investieren“ in „unsere Köpfe“ und sehen „Handlungsbedarf“, um diverse „Kompetenzen“ zu fördern, die ja alle „wichtiger denn je“ seien – und Schüler doch nur zur Karrierefähigkeit dressieren sollen. Wie wichtig Bildung den Politikern ist, sieht man auch daran:

Dass es einer tiefen Wirtschaftskrise bedarf, um besondere Maßnahmen zur Instandsetzung von Schulgebäuden zu motivieren, hat eine eigene Aussagekraft. Wir restaurieren Schulen nicht, weil sie uns am Herz liegen und anderes als intakte Schulen für ein wohlhabendes Land eine Schande wäre, sondern damit es die Konjunktur beleben möge.

Kaube stellt die rhetorische Frage:

Angenommen, man studierte und stiege trotzdem nicht auf. Wäre Erziehung dann gescheitert? Hätten wir uns dann die Kosten und die Zeit für Bildung lieber gespart?

Natürlich nicht.

Kaube schreibt mit einigem Furor darüber, wie Anforderungen gesenkt werden, Lehrpersonal zermürbt und Leistung parodiert wird. Wie die Schulen und Hochschulen strukturell zugleich überfordert und unterfordert werden.

Damit aufzuhören leuchtet aber nur ein, wenn man einen Begriff von der eigenen Leistungsfähigkeit des Bildungssystems hat und ihm als Funktion zubilligt, nicht die reichere, die gerechtere, die moralischere oder die besser telefonierende Gesellschaft hervorzubringen, sondern nicht mehr und nicht weniger als wachere, wahrnehmungsfähigere, kenntnisreichere Bürger. Die, das wäre der Optimismus der Bildung, würden sich dann auch von einer noch so tiefen Wirtschaftskrise nicht in Frage gestellt sehen.

Man lese selbst!

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