Bluepedia

Gunter Dueck berichtet jetzt – nach einem Interview in der Computerzeitung vor einiger Zeit – in seiner Dueck-β-Inside-Kolumne im Informatik-Spektrum ausführlich über das von ihm initiierte Bluepedia-Projekt. Bluepedia ist internes Wissensmanagement, aufgezogen analog der Wikipedia.

Seiner Meinung nach kann Wissensmanagement in einem Firmen-Intranet nicht funktionieren, da sind viel zu viel Regulation, Vorschriften, alte Unternehmenskultur. Für echtes, absichtsloses, nutzbares Wissen brauche man eine Wikipedia.

Warum aber eine Wikipedia? Warum nicht etwas anderes? Aus meiner Sicht hat die Form der Wikipedia einen entscheidenden Vorteil, der leider für Controllerartige und Kommunikationsabteilungsleiter nur schwer zu verstehen ist und vielleicht nie wirklich zu schlucken: Man kann Artikel nach und nach schreiben, bis sie irgendwann einmal gut sind. […] Fazit: Ganze Artikel schreibt ,,KEINER“. Zusätze an Artikelbaustellen schreiben ,,VIELE“ (leider längst nicht alle). Deshalb funktioniert der Wikipedia-Ansatz und ein andersartiger nicht.

U.s.w.u.s.f., die Gründe für den Erfolg der Wikipedia kennen wir. Wie aber transponiert man dieses Prinzip in ein Unternehmen?

Diesen Weg skizziert Dueck, von der Idee über die „Umsetzungsvorangst“, die notwendige „Zeitfenstergeduld und Vorratsmarketing“, die „Technologieauswahl und Programmierung“ und das „Doing by Calling and Voting“. Einige schöne, treffende, „wahre“ Zitate:

Eine Wikipedia muss sehr groß sein, für alle – sonst skaliert das Business Modell nicht. […] Web 2.0 muss eine kritische Mindestmasse haben!

„Solche Projekte sterben überall wie die Fliegen.“ Das weiß ich ja, aber nur die, die sich auf die normalen Prozesse einlassen – so dachte ich bei mir. Und ich werde es ja ganz sicher ohne Prozesse durchführen.

Technik ist nicht das Problem, sondern die Community für die Artikel.

Deshalb warne ich (nicht ganz grundsätzlich, aber doch in der Tendenz) vor allen Anforderungen des Managements, vor Diskussionen mit Controllern, Rechtsabteilungen und Finanzleuten. Ich warne vor Technologie-Streitigkeiten und Systemideologien. Ich warne vor Lobbyismus und dem Einbringen von Towerinteressen. Ich fürchte mich vor Business Cases und Plänen, die Ehrenamtliches zu etwas zwingen. Ich will schon gar nicht um Geld betteln müssen, um dann Milestones und Reviews als Gegenleistung zu bekommen. Auch wenn mein Ops-Manager Geld für dieses Projekt gibt, muss er wissen, dass alles ehrenamtlich ist. Ein solches Projekt wird nur durch gemeinsam gefühlte Schaffensfreude getrieben und sonst nichts! Und diese Schaffensfreude ist stärker als alles andere und reicht vollkommen aus.

Und ich betonte am Anfang immer wieder, dass dieses Projekt ein Community-Projekt sei, kein Business-Projekt und kein Technologie-Projekt. Wer Freude daran haben würde, solle bitte bitte mitmachen.

Der erste Grundsatz aller Innovation lautet: „Work underground as long as you can.“

Ich habe Ihnen nun alles verraten! Nehmen Sie Herzblut, ärgern Sie keine Freiwilligen mit langweiliger Arbeit, vermeiden Sie Meetings und endlose Diskussionen um Technologie und Finanzierungen. Zwingen Sie nichts, bauen Sie es einfach so, dass sich alle daran freuen. […] Das Schwierigste ist, es ganz einfach zu machen. (Drei Wörter werden im letzten Nebensatz deutlich hörbar betont.)


One Comment

  1. Joachim Zischke Freitag, 11. Juli 2008

    Ein prima Artikel in typisch Dueck’scher Manier. “Work underground”, das ist die eigentliche nützliche Quintessenz, die für jegliche Arten von Innovation Gültigkeit hat.

    Gruss, Joachim

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