Bologna Prozess und Campus Management

Die Einführung des SAP Campus Management an der FU Berlin (s. hier und hier) bleibt natürlich weiter ein Thema. Niklas Fichtenberg hat ein umfangreiches analytisches Dokument der „Kritik am SAP Campus Management System“ verfasst. In dem Dokument wird die Software als Mittel zur Leistungs-Selektion, umfassenden Kontrolle sowie als Herrschaftsinstrument kritisiert. Unter Bezug auf den studentischen, hauptsächlich auf das OSI konzentrierten, auf jeden Fall aber nicht in der gesamten Studentenschaft geführten Diskussionsprozess an der FU steht dabei die ersatzlose Abschaffung der (noch mangelhaften) Software im Mittelpunkt seiner Ausführungen. (Herrschaftsinstrumente abschaffen beseitigt aber IMHO noch keine Herrschaft, diese wird sich ggf. neue taugliche Instrumente suchen.) Bewusst oder unbewusst steht bei dieser Forderung die Hoffnung im Raum, dass die zentrale und dezentrale FU-Verwaltung dann ihre als schikanierend und entmündigend empfundenen Maßnahmen zur Studienreform zurücknehmen muss.

In der Welt der BA-Studiengänge und des Campus Managements tanzen zukünftig alle Beteiligten nur noch um das goldene Kalb der „Leistungsoptimierung“. Jene Studierenden und Dozierenden, die sich bisher weigerten, diesen Tanz mitzutanzen, können nun Dank zentral geleitetem Campus Management endlich auf Linie gebracht werden.


Meiner Meinung nach darf der Fokus der Kritik aber nicht auf Abschaffung der Software liegen. Die eigentliche Ursache, warum die Administration eine solche Software benötigt, liegt im erhöhten Verwaltungsaufwand, der durch die Umgestaltung der Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses begründet ist. Nicht die Software ist schuld, hinter dieser kann man sich aber eine Zeit lang gut verstecken. Die Software handelt nicht von selbst, ist parametrisierbar. (Niklas thematisiert das.) Dieser Bologna-Prozess, die Welt der BA-/MA-Studiengänge, führt zu einer kompletten Verschulung des Studiums, so wie wir sie an der Fachhochschule (ohne eine vergleichbare Software) schon haben. Dieser Transformationsprozess des Uni-Studiums (heimliche Hochschulreform) kann in meinen Augen zu Recht kritisiert werden, wenn man von einem Uni-Studium (bei Fachhochschulen ist das etwas anders) mehr als eine gehobene Berufsausbildung erwartet.

Allerdings dürfte es dafür zu spät sein. Was prinzipiell möglich wäre ist eine stärkere Dezentralisierung, sinnvoll zumal an einer so großen und traditionell inhomogenen Einrichtung, wie die FU es (scheinbar) ist. Auch dann müsste Software eingesetzt werden, aber warum nicht nach unterschiedlichen Guidelines? SAP ist schließlich mandantenfähig! – Niklas dazu:

Meine These lautet nun, dass selbst wenn die FU die neuen Studiengänge anders („zivilisierter“) eingeführt hätte, der Einsatz einer Software unvermeidlich geworden wäre (denn der erhöhte Verwaltungsaufwand für Teilprüfungen, etc. ist m.E. „bologna-immanent“). Die zentrale Frage lautet dann nur, wie diese Software ausgestaltet sein sollte. Daher die Idee, mehr über eine Modifikation, denn über eine Abschaffung des Campus Managements nachzudenken.


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