Posts in Category: Informatik et al.

Forscher des KIT haben vor Kurzem einen spannenden und trotz Paywall (fragen Sie Ihre Bibliothek) sehr empfehlenswerten Überblicksaufsatz zur Verknüpfung technischer Systeme mit Lebewesen veröffentlicht. (Die Chemie [Kapitel 4] habe ich mangels Kenntnissen überblättert.) Aus der Präambel:

Die Bezeichnung „Cyborg“ ist ein Akronym für einen kybernetischen Organismus, der eine Chimäre aus einem lebenden Organismus und einer Maschine beschreibt. Infolge der zahlreichen Anwendungen intrakorporaler medizinischer Systeme sind Cyborgs nicht mehr nur Gegenstand der Science-Fiction, sondern technisch gesehen tatsächlich bereits ein Teil unserer Gesellschaft. In diesem Aufsatz fassen wir die Entwicklungen bei modernen Prothesen und Schnittstellen zwischen Gehirn und Maschine (brain-machine interface; BMI) zusammen und diskutieren die jüngsten Entwicklungen bei implantierbaren Systemen mit einem Fokus auf biokompatibler Elektronik und Mikrofluidik, die für die Kommunikation und Kontrolle von Organismen benutzt werden. Wir beschreiben neueste Beispiele von Tier-Cyborgs und deren Relevanz für die biomedizinische Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie für die Bioethik in diesem neuen und aufregenden Bereich an der Schnittstelle zwischen Chemie, Biomedizin und den Ingenieurwissenschaften.

Quelle: Robotergesetze: Die Chemie des Cyborgs / @robotergesetze Deutsche Forscher äußern sich zur Chemie des Cyborgs

Daniel Suarez soll übrigens mit seinem Sci-Fi-Thriller «Kill Decision» hinsichtlich der Tier-Cyborgs gar nicht so weit weg vom Stand der Dinge sein…

→ Queen begnadigt Alan Turing, endlich

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Source: Twitter

→ Gumbrecht – Digital/Pausen: Geist der Software: an Insider’s View

Hans Ulrich Gumbrecht fragt sich,

wo der Geist in der Gegenwart angekommen ist und wo er — Widerspruch wie produktives Weiterdenken anregend – nun strahlt, anders formuliert: zu fragen, wo jedes Jetzt sein intellektuelles Zentrum hat

Er wird nach Gesprächen mit einem Softwareingenieur im Silicon Valley (Oracle) fündig und orakelt auch, was Quantum Computers bringen wird. …read more

Source: Instapaper Liked

→ eine Frau mit Cowboyhut und Gitarre singt eine „Ode an die Künstliche Intelligenz“

Der Film «Computer Chess» von Andrew Bujalski, besprochen bei Telepolis und in der filmgazette
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Source: Twitter

→ This Programmable 6,000 Part Drawing Boy Automata is Arguably the First Computer, and it Was Built 240 Years

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Source: This is colossal | Twitter

→ Aus dem Paläoweb – iX

20 Jahre Massenmedium Web, hier meine Mosaic-Disketten.

Die künstliche Intelligenz des Weltkrieges (Turing und die NSA)

Der Medientheoretiker Friedrich A. Kittler veröffentlichte bereits 1990 einen Text, der mir zur aktuellen Spionageaffaire zu passen scheint; nicht nur Hacker u.a. haben es schon immer gewusst:

Die unmittelbare Nachkriegszeit dagegen verfügte über ganze zwei Computerplätze, einen im englischen und einen im amerikanischen Geheimdienst. […]
Aber die britische Medienmacht ging ohnehin zu Ende. Die Geheimhaltung aller Weltkriegskryptoanalyse war einer von Trumans ersten Erlassen, die Gründung der National Security Agency einer seiner letzten. Als geheimster der drei amerikanischen Geheimdienste übernahm die NSA mit ihren 80000 Angestellten durch europäisch-amerikanischen Technologietransfer Turings Innovation. Der Computererfinder durfte in den Blausäure-Apfel Schneewittchens beißen, damit sein Werk die Weltherrschaft antreten konnte.
Einer ihrer seltenen Public-Relation-Aktionen zufolge hat die „NSA das Heraufkommen des Computerzeitalters mit Sicherheit beschleunigt“. Aber schon weil die amerikanische Privatwirtschaft der Nachkriegszeit, allen Gerüchten zum Trotz, die Computerentwicklung als „profitloses Abenteuer ansah“, ist wohl die Feststellung zutreffender, daß „die NSA in den fünfziger und sechziger Jahren die weltweite Führung bei Computerausrüstungen übernahm und über die öffentlich zugänglichen Technologien weit hinausging“. Ihre Spionagesatelliten fangen Telephonie, Telegraphie und Mikrowellenfunk, also die Post aller Erdteile ab, ihre Computer entschlüsseln eventuell eingeschaltete Codiermaschinen, Scrambler usw., speichern die Botschaft automatisch ab und durchforsten sie automatisch nach Verdächtigen Schlüsselworten. Mit dem Ergebnis, daß 0,1 Prozent aller Fernmeldeverbindungen auf diesem Planeten in der künstlichen Intelligenz NSA aufgehen. Was dann mit ihnen geschieht, weiß niemand. Geheimhaltungsvorschriften werden wie üblich erst in dreißig Jahren aufgehoben werden. Aber womöglich sind sie dann gar nicht mehr nötig. Das Wort, das am Anfang war, verschwindet in Computerdatenbänken ohnehin. Wenn alles, was Leute auf diesem Planeten reden, in Bits aufgegangen sein wird, ist Alan Turings Universale Diskrete Maschine vollbracht.

Das ist das Ende des Textes »Die künstliche Intelligenz des Weltkrieges: Alan Turing«, zuerst erschienen 1990, hier zitiert nach Friedrich A. Kittler, Die Wahrheit der technischen Welt, stw 2073, erschienen 2013. Die in Anführungszeichen geklammerten Stellen sind Zitate Kittlers Dritter, die dort in den Fußnoten gefunden werden können.