Posts in Category: Literaturen

Bücher 2015

2015 gelesene Bücher

Technik & Fotografie in Michel Houellebecqs »Karte und Gebiet«

„Nach ein paar tastenden Versuchen hatte er schließlich gelernt, wie man mit Hilfe von exzentrischer Verstellung und dem gegeneinander Verkippen von Film und Objektivebene nach der scheimpflugschen Regel gut fokussierte Fotos erhielt…“ (S. 36)

(Anm.: Es handelt sich um eine Fachkamera Linhof Master Technika Classic, mit Rodenstock Apo-Sironar 105 mm, f/5,6 sowie Fujinon 180 mm, f/5,6)

„Er wandte sich von der analogen Fotografie ab, die er bisher ausschließlich praktiziert hatte, und kaufte sich ein BetterLight-6000-HS-Scanrückteil, das es erlaubte, 48-Bit-Dateien im RGB-Modus mit einer Auflösung von 6000 x 8000 Pixeln zu erstellen.“ (S. 58)

„… benutzte er fast ausschließlich ein Schneider Apo-Sinar, das sich durch die erstaunliche Besonderheit auszeichnete, bei Blende 1,9 eine maximale Brennweite von 1200 mm zu erzielen, bezogen auf das Format 24 x 36.“ (S. 409)

Geek stuff, zitiert nach Michel Houellebecq, »Karte und Gebiet«, Seitennummerierung nach der Taschenbuchausgabe 2015

Bücher 2014

2014 gelesene Bücher:

Umberto Eco in Mainz

Umberto Eco war in Mainz, an der »wahren« Wiege des gedruckten Buches:

Für den Bibliophilen ist das wie eine Pilgerreise nach Jerusalem oder nach Mekka.

Gestern war im Rathaus die Festveranstaltung anlässlich der Verleihung des Gutenberg-Preises 2014 der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft und der Landeshauptstadt Mainz. Sein langjähriger Verleger-Freund Michael Krüger hielt eine sehr hörenswerte Laudatio, der Bibliophile Eco bedankte sich und hielt dann (auf italienisch) eine Rede, die laut Übersetzer mit obigem Satz endete.

Von der Empore aus war Fotografieren mit kleiner Kamera nicht wirklich möglich. (Bessere Bilder bei danares auf Facebook.) – Trotzdem hier zwei anklickbare Bildchen: Eco beim Eintragen ins Goldene Buch und beim Interagieren mit Krüger.

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(Quelle des Fotos)

Life Sciences — Life Writing

Heute war die Auftaktveranstaltung des Graduiertenkollegs »Life Sciences — Life Writing« an der Unimedizin Mainz. Siri Hustvedt las aus »The Blazing World« und sprach über ihr fiktionales und non-fiktionales Schreiben. Carl Djerassi — der ursprüngliche Anlass, die Veranstaltung zu besuchen — erklärte humorvoll seine (spätere) Hinwendung zum Schreiben, zu Science-in-fiction usw. (Er bekam dann auch seine etwa 32. Ehrendoktorwürde von den Medizinern für das literarische und dramatische Schaffen.)

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Wege des Geldes

Am 14. April 2014 erscheint Alexander Kluges neues Buch, das von den VOLLTEXTlern vorab schon als sein wichtigstes, als unser — der Deutschen — wichtigstes Buch bezeichnet wird. (Sie mögen Recht haben, aber Kluges Produktion von Büchern und Filmen, die Frequenz der Neuerscheinungen überfordert mich als Gelegenheitsleser, das zu prüfen.)
Eine sehr kurze Geschichte hat es mir angetan und wird hier nach dem Vorabdruck in VOLLTEXT 1/2014 zitiert:

Wege des Geldes
Wie auf einer Insel amtierte in der Stadt Schneidemühl, weit hinter den Fronten der Roten Armee, noch eine Telefonvermittlung und, örtlich davon getrennt, in einem Nebengebäude des Geldhauses ein Referent der Deutschen Bank. So wurden vom Konto einer Holzgroßhandlung 300.000 Reichsmark telegrafisch nach Minden transferiert, das bereits britisch besetzt war, und auf dem Konto des Bruders des Kontoinhabers, der ebenfalls Holzgroßhändler war, gutgeschrieben. Das Kapital floß ungegenständlich, und ohne Waffenwirkung durchquerte es elektrisch sieben militärische Machtzonen (da weit vorgestoßene sowjetische Kolonnen mit Widerstandsnestern deutscher Truppen und mit alliierten Gruppierungen abwechselten) über Drähte, die noch aus der Friedenszeit an Eisenbahntrassen entlangführten.

Alexander Kluge, 30. April 1945. Der Tag, an dem Hitler sich erschoß und die Westbindung der Deutschen begann.

Die Ästhetik des Zufalls (sexuelle Selektion)

Schönheit im Auge der tierischen Betrachterin musste nicht die von Raffaels Madonna sein. Der gründliche Blick auf das Ornament brachte daher Mängel zutage.

Julia Voss, «Darwins Bilder»