Darwin verstehen [Nachtrag]

Christian Grapp hat mit seinem 4. Teil der Evolutionsserie lange gewartet. Neben der Betrachtung des gefährlichen Schmusekurses von Wissenschaftlern mit den Theologen fasst er die Gründe zusammen, warum die Evolutionstheorie so starken (zunehmenden) Zweifeln ausgesetzt ist. Ein paar Ausschnitte:

Es gibt keine singuläre Ursache. Die technologischen Desaster des letzten Vierteljahrhunderts spielen sicherlich eine Rolle bei der individuellen Bewertung von Wissenschaft. […] Auch psychologische Komponenten spielen eine Rolle. Eine ist die uns Menschen angeborene Eigenart, dem Zufall intuitiv keine Rolle zugestehen zu können. Wir suchen daher selbst in Situationen nach „Sinn“, wo es nachweislich gar keinen Sinn gibt. Zudem fällt es Menschen offensichtlich erschreckend leicht, in schizophrenen Teilwelten zu leben. […] Eine eindrucksvolle Begründung für das Erstarken von religiösen Fundamentalismen liefert aber ausgerechnet die Evolutionstheorie selbst. Der Philosoph Daniel Dennett stellt fest, Religionen seien in der sozialen Evolution offenbar sehr erfolgreich. Er argumentiert weiter, dass aufwändiges, nur schwer zu imitierendes Verhalten evolutionär belohnt wird. So in etwa wie das bunte, aber unpraktische Federkleid eines Pfaus. Wilde religiöse Vorstellungen wie die einer körperlichen Auferstehung seien somit spannender und erzeugten mehr Aufmerksamkeit, als nüchterne Erklärungen. […] Dieses Argument ist ernst zu nehmen, besonders von Befürwortern der Evolution, von denen viele immer noch naiv davon träumen, die Vernunft würde sich schon noch durchsetzen. Denn […] die Evolution [ist] kein Garant für die Höherentwicklung einer Spezies. Evolution ist vor allem Anpassung an sich verändernde Umgebungsbedingungen. Und das Maß für den Erfolg einer Art ist immer noch die Anzahl ihrer zeugungsfähigen Nachkommen, nicht die Zahl ihrer Nobelpreise.


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