Das Netz & Die paranoide Maschine

Im April hatte ich den sehr interessanten Film »Das Netz« von Lutz Dammbeck gesehen (und hier darüber geschrieben). Es geht um Technik- und Wissenschaftsgeschichte des Computers, der Informationstechnik und Kybernetik, insbesondere an den Schnittstellen zur Biologie, es geht um die Ein- und Angebundenheit dieser in der Gesellschaft und an Persönlichkeiten. Es geht um das Phantasma von Technokraten, Alles und Jeden kontrollieren zu können. Es geht darum, wie sich Wissenschaftler dem aus mir verständlichen Ehrgeiz hingeben – oder eben verweigern. (Wobei nicht jeder Verweigerer zum Unabomber wird.) Dammbeck betrachtet die Sache mit dialektisch geschultem Blick, kritisch aber ganz und gar nicht technik- oder wissenschaftsfeindlich.

Dieses jedoch unterstellt ihm ein anderer Autor: Peter Krieg, über dessen Buch »Die paranoide Maschine« ich mich vor kurzem hier ausführlich ausgelassen habe. Lutz Dammbeck per Mail:

Die Sache mit Peter Krieg, den ich als Filmemacher immer schätzte, hat insofern einen ironischen Aspekt, weil er bisher die schärfste Kritik an mir + Film formuliert hat (nach einer Vorführung Ende 2003 im Wittgenstein-Haus in Wien zum HvFoerster-Kongress:“.. war entsetzt ueber die talibanistische Technikkritik, die eigentlich voellig die Position des Unabombers uebernimmt…eine paranoide Darstellung der Geschichte der Kybernetik…das ganze war wie die Auferstehung des guten alten DDR-Propagandafilms aus den Zeiten des Kalten Krieges…“usw.)

Ich kenne die Motive des Herrn Krieg für diesen Rundumschlag nicht. Egal, sein Buch »Die paranoide Maschine« bleibt bemerkenswert. Und der Film »Das Netz« zieht weiter seine Wirkungskreise, ist in den Seminaren einiger Hoch- und Fachschulen und Kunstakademien angekommen, führt zu Folgeprojekten. Interessant finde ich vor allem Travestien der Kybernetik – Die Macy-Konferenzen und ihr Einfluss an der FU Berlin.

s.a. die Website zum Film »Das Netz«

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