Das weiße Band

»Das weiße Band« ist der erste Haneke, der mich einigermaßen enttäuscht das Kino verlassen lässt. Nach »Wolfzeit« und dem famosen »Caché«, nach der Goldenen Palme von Cannes in diesem Jahr für den Film, kommt das für mich doch überraschend. Was stört mich?

Da ist zunächst der Erzähler aus dem Off, was mich sofort an »Dogville« erinnert. Während jedoch Lars von Trier sein Lehrstück mit teils minimalistischen Mitteln des Theaters inszeniert und so die Distanz des Beobachters, Analyse ermöglicht, schwelgt Haneke in auch kitschigen Bildern von Wäldern, wogenden Getreidefeldern und Landarbeit, lässt den Erzähler auch das noch einmal erzählen, was man sehen kann. Auch wird mit dem erzählenden Lehrer eine Objektivität vorgegaukelt, die diese Figur gar nicht haben kann.

Der Film hat Längen, die Szenen haben Längen, dauern immer ein paar Sekunden zu lange, so dass es peinlich wird, noch hinzusehen. Ich kann mir vorstellen, dass es Hanekes Absicht ist, es soll auch wehtun, das Hinsehen und Begreifen. Vielleicht liegt hier ein Zielgruppenkonflikt vor: wer in Hanekes Filme geht, hat in der Regel schon begriffen, reagiert empfindlich auf durchsichtige Belehrungen. Die, die er erziehen will, werden trotz Goldener Palme sich den Film wohl nicht ansehen.

Vor Jahrzehnten schon schrieb Klaus Theweleit seine zweibändigen »Männerphantasien« über Voraussetzungen und Werden des soldatischen Körpers, über den Typus der weißen Krankenschwester auch, die unentbehrlich für das Lazarett und als Braut für den besten Freund ist. Michael Haneke hat jetzt und mit erhobenem Zeigefinger eine filmische Illustration zu Theweleits Thesen abgeliefert.

One Comment

  1. Julia Montag, 26. Oktober 2009

    Den erhobenen Zeigefinger habe ich auch befürchtet und war im Gegensatz zu Dir positiv überrascht. Ich fand die Herangehensweise sehr subtil – bis auf die Sado-Maso-Dialoge zwischen Mann und Frau hier und da. Die Bildsprache hat mich sehr an die zeitgenössische Malerei erinnert (und den damit verbundenen Idealismus), was ich ebenfalls sehr gelungen fand – besonders die vielen Totalen und die vergleichsweise Statik der Kamera. Nicht zuletzt die vielen interessanten, “sprechenden” Gesichter besonders der Kinder.
    Vielleicht ists ein Fall von Erwartungshaltung. Ich habe angesichts der Rezensionen eher gezweifelt, ob ich ihn mir überhaupt ansehe – und war somit mehr als nur positiv überrascht.

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