Desideratum général

Paul Otlet, Mundaneum

Bei Telepolis gibt’s einen schönen historischen Artikel über Paul Otlet. Otlet wird als erster Theoretiker der Dokumentation und visionärer Praktiker der sich formierenden Wissensgesellschaft beschrieben, der früh die Wichtigkeit von Datenbanken erkannte. Nicht nur wegen der schlechten Handhabbarkeit von über 12 Millionen handschriftlich erstellten Karteikarten.

Visonär finde ich sein vom Telepolis-Autor übersetztes „Pflichtenheft“ von 1934:

Desideratum général.
Heutzutage präsentieren sich alle Maschinen getrennt (…) Wir sollten einen Komplex miteinander verbundener Maschinen haben, die simultan oder nacheinander folgende Aufgaben ausführen:
1. Ton in Text transformieren;
2. diesen Text sooft kopieren wie man braucht;
3. Dokumente in einer Art aufbereiten, die jedem Informationsteil (donnée) seine eigene Identität zuordnet und Verbindungen mit allen anderen in der Sammlung hat, sodass er immer wenn nötig aufgerufen werden kann;
4. zu jedem Informationsteil einen Klassifikationsindex anbringen; das Dokument in Verbindung mit diesen Indizes perforieren;
5. automatische Klassifizierung und Aufstellung dieser Dokumente;
6. automatisches Auffinden der Dokumente zwecks Einsicht oder Vorführung, sie es unter Augenschein oder durch eine Maschine, um zusätzliche Beschriftung anzubringen;
7. Mechanische Handhabung sämtlicher aufgezeichneter Informationen, um neue Sachkombinationen zu erhalten, neue Beziehungen von Ideen, neue Operationen mit Hilfe von Ziffern.
Eine Maschine, welche diese sieben Wünsche realisieren könnte wäre ein wahrhaftes mechanisches und kollektives Gehirn.

(Foto: Archiv Mundaneum, via Telepolis)

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