Die Sehnsucht nach der Katastrophe

Katastrophen sind so randvoll mit Sinn, dass man sich fragen mag, warum es nicht noch viel mehr davon gibt.

So pointierte vor einigen Jahren Georg Seeßlen der Menschen Katastrophensehnsucht – und deren mediale Verwertung. Gegenwärtig muss man erleben, wie nicht nur die meisten Medien sondern auch große Teile der Wissenschaft in diesem Chor singen, an Katastrophen-Liedern mitverdienen, sich prostituieren.

Ein Beispiel ist das Trauerspiel „Weltklimabericht“. Die Wissenschaftler des Weltklimarates IPCC ringen mit den Politikern und Lobbyverbänden nächtelang um jede Formulierung, darum, wie aus den bisherigen Erkenntnissen im Sinne der Klimapolitik das Meiste herauszuholen ist. Da werden munter Tatsachen und Hypothesen verbogen, so lange, bis sie ins Konzept passen. Die Medien lassen dann meist noch ein paar Worte, die mit Wahrscheinlichkeiten zu tun haben, weg oder dramatisieren gar. (Nicht alle machen bei diesem Spiel mit: Zehntausende Wissenschaftler, darunter zig Nobelpreisträger, wandten sich gegen das Kyoto-Protokoll, gegen den britischen Stern-Bericht, gegen die aktuellen IPCC-Berichte und deren Folgen. Weil man nicht etwas zu kontrollieren versuchen sollte, was man noch nicht vollständig verstanden hat.)

Denn niemand versteht bisher vollständig, wie das Klima wirklich funktioniert. Die Modelle sind bescheidene Konsens-Versuche, den Wissensstand abzubilden – und sie sind eingestandenermaßen erbärmlich angesichts der Komplexität. Doch selbst diese unzulänglichen Modelle sind so beschaffen, dass die derzeit auf der Welt vorhandene Computertechnik sie nicht berechnen kann. Deshalb redet man bei den abgeleiteten Ergebnissen auch vorsichtig in Wahrscheinlichkeiten, was wiederum den Politikern nicht gefällt, die es gerne griffiger hätten und den Status quo erhalten wollen.

Es ist lächerlich, die für die letzten 150 Jahre behaupteten 0,6 Grad Temperaturerhöhung primär den von Menschen verursachten CO2-Emissionen zuzuweisen, denn erstens spricht gegen eine solche Zuweisung die Messmethodik (Zahl und Orte der Messpunkte, Eichung, Genauigkeit der Messgeräte, der Thermometer vor 150 Jahren), zweitens muss der Umstand beachtet werden, dass von Menschen verursachte Emissionen nur einen Anteil von 0,3…3% am gesamten Treibhauseffekt haben und drittens ist die Rolle, die das CO2 spielt, ambivalent: ohne geht es zumindest nicht.

Der Klimawandel ist ein Fakt, ist der Normalzustand seit Bestehen der Erde. Manche sagen, als die Wikinger Grönland besiedelten, so um 1000, das war das Klimaoptimum. Vielleicht geht die Klimareise in diese Richtung. Vielleicht aber auch in Richtung einer Minieiszeit in der Mitte diesen Jahrhunderts, wie manche Wissenschaftler aufgrund der Sonnenaktivität prognostizieren. Das wird jedoch nun wirklich keine Katastrophe. Dass die Themse im Winter zufriert, damit kann Mensch umgehen. Und wenn es wärmer wird, dann wird es im Süden ungemütlich für Fauna und Flora, im Norden dafür um das Doppelte fruchtbarer werden. Der Mensch wird sich anpassen. Dass Arten gehen und kommen, das ist ebenso Fakt wie der immer währende Klimawandel.

Was wirklich ärgerlich ist und nicht hingenommen werden kann ist, dass die o.g. Berichte den Zweifel aus den Diskursen eliminieren, die grundlegende Triebkraft wissenschaftlicher Erkenntnis, und stattdessen Gewissheit postulieren. Die jedoch wird unerschütterlich ausgestellt, man ignoriert grundlegende wissenschaftliche Methoden wie das Falsifizieren, nach der durch Beobachtungen widerlegte Hypothesen – denen zufolge in den oberen Schichten der Troposphäre und an den Polen die relative Erwärmung stärker sein müsste als an der Erdoberfläche, was nicht der Fall ist – verworfen und ersetzt werden müssen.

So muss man sich nach den Motiven fragen. Die dürften bei Politikern, Umweltschutzverbänden, Ökologen, Tierschützern vor allem ideologischer und finanzieller Natur sein. Bei den beteiligten, das Katastrophenlied mitsingenden Wissenschaftlern dürfte es die Abhängigkeit von finanziellen Mitteln Ersterer, der Öffentlichen Hand, sein. Auf der Drittmittelschleimspur ist schon mancher ausgerutscht.

5 Comments

  1. sabbeljan Freitag, 6. April 2007

    die zehntausenden wissenschaftler, die etwas anderes postulieren sind nicht abhängig von dirttmitteln? und was ich vor allem nicht verstehe: ist die lobby der öl-/auto-/industrie-konzerne (und angelagerter forschungseinrichtungen) auf einmal so klein, finanzschwach und unbedeutend geworden?

    • jl Freitag, 6. April 2007

      ich glaube nicht, dass man sich um die finanzstaerke irgendeiner lobby sorgen machen muss oder sollte. das ist nicht der punkt. wenn wissenschaft jedoch grundlegende prinzipien ihres funktionierens preisgibt und sich ins bett der politik legt, dann ist das moralisch mindestens so schlimm, als wenn es kuenstler, literaten tun. halt, es ist schlimmer noch, denn jene sind per se nicht objektiv.
      der zweck heiligt eben nicht die mittel.

  2. sabbeljan Freitag, 6. April 2007

    ich gebe dir ja recht. was die ausheblung wissenschaftlicher prinzipien angeht. aber ich verstehe nicht, woher der umschwung der politik gekommen ist. denn die ökolobby war bislang erst an wenigen punkten wirlich soweit, dass sie grossen einfluss nehmen konnte – im gegensatz zu den gegenüberliegenden lobbys. wenn ich deinen worten folge, muss in der politischen kaste also etwas passiert sein. ein umschwung. woher kommt der?

  3. Java Montag, 9. April 2007

    Guten Morgen,
    das muss ich einfach kommentieren:

    “Zehntausende Wissenschaftler, darunter zig Nobelpreisträger, wandten sich gegen das Kyoto-Protokoll, gegen den britischen Stern-Bericht, gegen die aktuellen IPCC-Berichte und deren Folgen. Weil man nicht etwas zu kontrollieren versuchen sollte, was man noch nicht vollständig verstanden hat.)”

    Interessant. Warum bin ich noch nicht drauf gestoßen? Oder meinst Du die Oregon-Petition?

    “Es ist lächerlich, die für die letzten 150 Jahre behaupteten 0,6 Grad Temperaturerhöhung primär den von Menschen verursachten CO2-Emissionen zuzuweisen, denn erstens spricht gegen eine solche Zuweisung die Messmethodik (Zahl und Orte der Messpunkte, Eichung, Genauigkeit der Messgeräte, der Thermometer vor 150 Jahren), zweitens muss der Umstand beachtet werden, dass von Menschen verursachte Emissionen nur einen Anteil von 0,3…3% am gesamten Treibhauseffekt haben und drittens ist die Rolle, die das CO2 spielt, ambivalent: ohne geht es zumindest nicht. “

    Was ist denn nun Deine Position? Dass es einen Temperaturanstieg gab, der nicht primär von CO2 verursacht ist, oder dass es nichtmal einen Temperaturanstieg gab?

    zur Erwärmung: Natürlich gab es eine und zwar um ca. 0,7°C. Auch vor 100 Jahren waren die Messungne schon recht genau. Habe jetzt allerdings keine wirkliche Lust das breit aufzudöseln .Lies Dir einfach dieses Paper durch: http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT3_accepted.pdf
    Danaben gibt es noch viele Beobachtungen, die auf steigende Temperaturen schließen lassen (Rückgang des arktischen Meeresies, Gletscherschmelze, Verschiebung der Kliamzonen (aktuell 6,1 km/Dekade), Verschiebung des Jahreszeiten, Erhöhung des Meeresspiegels, etc.)

    zu den Ursachen: Klar ist die Verstärkung des Treibhauseffektes durch den Menschen recht gering. Der natürliche Treibhauseffekt macht auch immerhin 33 K aus.
    Die Klimasensitivität liegt bei etwa 0,75 K/(W/m2). Der Strahlungsanstrieb der Treibhausgase bei etwa 2,6 Watt/m2. Wie Du siehst, lässt sich die gesamte Erwärmung problemlos mit den Treibhausgasen erklären.

    “Der Klimawandel ist ein Fakt, ist der Normalzustand seit Bestehen der Erde. Manche sagen, als die Wikinger Grönland besiedelten, so um 1000, das war das Klimaoptimum. Vielleicht geht die Klimareise in diese Richtung.”

    Während der MWP war es nicht so warm wie heute, das geht aus allen Temp.rekonstruktionen hervor.

    “Vielleicht aber auch in Richtung einer Minieiszeit in der Mitte diesen Jahrhunderts, wie manche Wissenschaftler aufgrund der Sonnenaktivität prognostizieren.”

    Nur mal so eine Frage: Glaubst Du jeden Unsinn? Selbst wenn die Solarstrahlung wieder etwas zurückgehen sollte, der Strahlungsantrieb liegt dann vielleicht irgendwo bei -0,2 Watt/qm. Nochmal zum Vergleich: Die Treibhausgase kommen huete schon auf 2,6 Watt/m2.

    Schönen Ostermontag noch
    Java

    • jl Dienstag, 9. Januar 2007

      Hallo Java,

      ich bin bemüht, nicht jeden Unsinn zu glauben. Und ich weiß, dass es derzeit wärmer wird. Und ich bin kein Klima-Fachmann, kann die Reputation der Wissenschaftler im vielstimmigen Chor nicht einschätzen. Aber ich wache auf und werde misstrauisch, wenn mit welchen Motiven auch immer methodisch etablierte Prinzipien verbogen oder über Bord geworfen werden.

      Alle Aussagen zu Prognosen und Rekonstruktion des Klimas sind von den IPCC-Wissenschaftlern mit Wahrscheinlichkeiten behaftet worden, die in der medialen Verlautbarungen einfach unter den Tisch fallen. Mich stört diese methodische “Unsauberkeit”. Mich stört die Gleichschaltung, die Art, wie fertige Rezepte aus der Schublade gezogen werden.

      Dabei ist der Anteil des Menschen am Klimawandel umstritten. Treibhausgase gab es, in höherer Konzentration gar, auch schon vor der Industrialisierung. Paläoklimatologen wie Prof. Mangini können das ganz unaufgeregt erklären. Wie kann man vorbehaltlos Ergebnissen trauen, die auf der Basis zweifelhafter Methoden (z.B. diese behauptete Baumringe-Linearität) und unter Ignorieren von fachlicher Kritik zustandegekommen sind?

      Was ist das für eine irreale, abgehobene, überhebliche, quasi-religiöse Haltung, derzufolge der Mensch den Klimawandel aufhalten, den Status quo erhalten könne? Wie kommen Menschen überhaupt dazu, den Status quo erhalten zu wollen? So funktioniert die Geschichte des Lebens, Evolution, nicht. Wir können unseren Grips zusammennehmen, mit Hilfe von Wissenschaft und Technik und vor allem auch Migration uns auf kommende Zeiten einstellen. Diese ganze Verzichts-Diskussion dagegen ist dermaßen Überbau, Heilsversprechen.

      Auch dir, unbekannterweise, noch einen schönen Ostermontag!

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