Ein richtiger Professor arbeitet bis zur Erschöpfung

Ich möchte hier ‚mal wieder auf einen nur offline verfügbaren Text hinweisen: „Charisma und Askese. Universitätsgeschichte zwischen Tradition und Erneuerung“ aus Lettre International 76, Frühjahr 2007. Beim Lesen kann man sich von Anthony Grafton, mit Bezug auf ein aktuelles Buch von William Clark, sehr amüsant über die Ursprünge der deutschen Forschungsuniversität aufklären lassen. Die an die Vielzahl der Fürstentümer gebundenen Universitäten trieb der einfache Mechanismus der Konkurrenz zu international anerkannten Höchstleistungen.

Neben dem Konkurrenzdruck macht Grafton das nicht nur von Mommsen verkörperte Ideal der Askese verantwortlich: „Ein vorbildlicher Professor arbeitete bis zur völligen Erschöpfung. Genau wie die Schönheit galten Geistesgröße und Gelehrtheit als etwas, das man nur durch Leiden erlangen konnte.“ Dank strengster Disziplin stiegen Koryphäen wie Mommsen in den Rang von Popstars auf, bei deren Anblick Studenten zu jubeln begannen.

Grafton weist auch darauf hin, dass große Leistungen nur erbracht werden können, wenn das Charisma der reinen Lehre erhalten bleibt: Prüfungen und Examensarbeiten – „rauschhafte Erfahrungen“, an die Studierende später „mit Staunen und leidenschaftlicher Nostalgie“ zurückdenken.

Ein größerer Abschnitt widmet sich den Anfängen der Evaluation, der Kontrolle, was die Herren Professoren eigentlich so treiben. Das reicht vom Hausmeister, der das Stattfinden der Vorlesungen kontrolliert, über die ersten bezahlten, kontrollierenden Verwaltungsangestellten bis zum Rechenschaft verlangenden Präsidenten.

Ein amüsanter Text, nicht nur für historisch Interessierte.

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