eVoting, Berechenbarkeit et.al.

Die papierne Computerzeitung bringt einen Artikel zum Stand der Diskussion in Sachen stationärer Wahlcomputer und eVoting (weiterhin am Pranger). Die Redaktion lässt keinen eigenen Standpunkt erkennen, hofiert die befürwortende Industrie, gibt als GI-Mitglieder-Präsent den kritischen Stimmen innerhalb der GI aber ebenfalls eine Stimme. – Online gibt es eine kleine Quellensammlung: Literatur und Links zu elektronischen Wahlsystemen.

Dabei habe ich ein etwas älteres Interview mit dem Sprecher des Fachbereiches „Informatik und Gesellschaft“ Martin Warnke anläßlich der Tagung „Kontrolle durch Transparenz / Transparenz durch Kontrolle“ gefunden, in dem er sachlich und informativ auf ziemlich unbedarfte, teils dümmliche Fragen antwortet.

CZ – Ein weiterer Workshop geht der Frage nach, ob Informatik Wissenschaft oder Design ist. Was ist sie denn nun? Lotet Informatik nicht die Grenzen des Errechenbaren aus, was weniger auf Gestaltung beruht? Und was hat das mit dem Motto der Tagung zu tun?
Warnke – Alan Turing hat in den 30er Jahren beschrieben, was berechenbar ist. Er hat nicht formuliert, was nicht berechenbar ist – er hat lediglich ein Gegenbeispiel gefunden. Die zentralen technischen informatorischen Prozesse wie das Internet zeigen aber inzwischen, dass soziale Prozesse nicht berechenbar sind. […] Es passieren ohne Unterlass Ereignisse, die nicht berechenbar sind – und die sind inzwischen absolut im Zentrum der Arbeit von InformatikerInnen. […] Wir sehen uns einer Situation gegenüber, in der die Prozesse selber, die wir modellieren, unterstützen und begleiten, nicht mehr beherrschbar sind.
CZ – Wie damit umgehen?
Warnke – Es müsste ein Paradigmenwechsel passieren, durch den von vorne herein in Betracht gezogen wird, dass vieles informatorisch nicht berechen- und kontrollierbar ist. Internetprotokolle sind genau deshalb so erfolgreich, weil sie nicht determinieren: Sie liefern ein technisches Rahmenwerk, eine Möglichkeitsbedingung für viele spannende Ereignisse. Wir stehen also eher vor einer Gestaltungs- als Kontrollaufgabe.
CZ – Ist das Profis suspekt?
Warnke – Nein, höchstens Vertretern der reinen Software-Engineering-Schule. Nein, sondern es ist die alltägliche Erfahrung. […]


Comments are Disabled