Geschlossene Gesellschaft

Ein ganz normales Dorf, hoch oben in den Bergen der Madonie, Sizilien. Zur Mittagszeit, im Februar. Die Bars, Post, Geschäfte am als Piazza fungierenden Boulevard haben bis auf eine Ausnahme geschlossen. Siesta gehört in Südeuropa zum Lebensrhythmus, wie man weiß.

Man sieht nicht, ob die Schließung der Saison oder der Siesta geschuldet ist. Kein Schild informiert, ob warten sich lohnen wird. Die Einheimischen wissen zweifelsohne Bescheid, das reicht. Die Touristen werden es schon merken. Oder sie versuchen zu fragen. Doch eigentlich ist man nicht erwünscht, nur geduldet. Man grüßt freundlich, doch die Einheimischen wollen unter sich bleiben.

Das erinnert mich an ein anderes erlebbares kleines Soziotop, Arbeitsumwelt in der deutschen Provinz. Eine ähnlich geschlossene Gesellschaft lässt sich dort (kein Link!) in der erleben, wo denen, die „schon immer da sind“ jede Verschriftlichung ihrer mündlich weitergegebenen Regeln ein Greuel ist: das würde es jedem Hinzukommenden zu leicht machen. Vielleicht soll er spüren, dass er der Fremde ist.

Der Vergleich ist „ein bisschen weit her geholt“, ich weiss. Dennoch, die Verschriftlichung gilt gemeinhin als (notwendiger) kultureller Fortschritt gegenüber der mündlichen Überlieferung.

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